Ostindienfahrer Götheborg

Update 2016: Das schöne Schiff liegt schon seit einiger Zeit nicht mehr am Stenpiren, zumal hier ein moderner Fährterminal für den öffentlichen Nahverkehr entstanden ist. In den letzten Jahren sah man die Götheborg auf der anderen Seite der Götaälv bei Eriksberg, wo sie in der Wintersaison „geparkt“ wurde. In der Sommersaison versuchten die Betreiber die Rekonstruktion „zu Geld zu machen“, indem man sie an Regatten und Schauen in ganz Europa teilnehmen ließ. Trotz alledem schaffte der Verein SOIC es nicht, die „Götheborg“ rentabel zu halten. Seit Ende Mai 2016 wird ein => neuer Besitzer für das Schiff gesucht.

Leider war die Stadt Göteborg bisher nicht bereit, das Schiff zu übernehmen und zum „segelnden Museumsstück“ zu machen, wie es häufig vorgeschlagen wurde. Dabei gibt es in der Stadt bereits das => „Sjöfartmuseet“, zu denen ein nachgebauter Ostindienfahrer ideal passen würde. Seltsam, dass nicht unterstützt wird, was in so hohem Maße zum Tourismus-Marketing der Stadt beiträgt. Aber da der Bau der Götheborg damals aus einer rein privaten Initiative entsprungen ist, scheinen sich die Behörden nicht angesprochen zu fühlen. Auch das als Verein betriebene Schiffsmuseum => „Maritiman“ würde durch die Götheborg eindeutig bereichert werden.
Katgo, 27.5.2016

Ostindienfahrer Götheborg: Das Flaggschiff der Stadt

Mit einem Salut aus der dicken Kanone wird alljährlich im Juni die Sommersaison für den Ostindienfahrer „Götheborg“ eröffnet. Von da an gilt jeden Tag Schlag elf „Ohren zuhalten“ am Göteborger Stenpiren, denn zum authentischen Auftritt des berühmten Segelschiffs gehören nun einmal Kanonenschüsse. Für die folgenden acht Wochen bereichert die „Götheborg“ dann das Hafengeschehen in der schönen Stadt an der Westküste. Auf Betreiben der „Svenska Ostindiska Companiet“ (SOIC) entstand ein zeitgemäßes, spannendes Ausstellungs- und Erlebnis-Areal – „solange der Sommer reicht“.

Das stolze Schiff legt am Stenpiren an

Es dauerte auch diesmal nicht lange, eh zahlreiche Neugierige und Touristen an Bord gingen, um sich den rekonstruierten, historischen Segler aus nächster Nähe anzuschauen. Gästeführer in Gewandung aus dem 18. Jahrhundert ließen sich gerne mit Fragen „bombadieren“. An Deck und unter Deck wird während des Sommers so einiges geboten: Ein zehnminütiger Schiffsappell samt Instruktion zu jeder halben Stunde. Gruppenführungen von samstags bis dienstags, jeweils viertel nach sechs Uhr abends. Ansonsten „open ship“ für alle und Informationen auf schwedisch und englisch. Auf Nachfrage verspricht Vormann Jonas, dass sich bei Bedarf auch deutschsprachige Führungen organiseren lassen: „Nichts ist unmöglich an Bord der Götheborg!“ Dafür sorgen die vielen engagierten Ehrenamtlichen der Svenska Ostindiska Companiet. Der Besuch an Bord kostet 100 SEK, Kinder zwischen 7 bis 16 Jahren kommen für die Hälfte mit.

Was die wenigsten Besucher wissen: Das Handelsschiff „Götheborg“ segelte bis 1745 zwischen Schweden und dem fernen Osten, bis es – ähnlich tragisch wie Stockholms „Vasa“ – in der Einfahrt seines Heimathafens sank. Nach Bergung der Überreste Ende der 1980er Jahre baute die SOIC eine Replik unter gleichem Namen: „Götheborg“ ging wieder auf große Fahrt! Das heute größte, hochseetüchtige Segelschiff aus Holz folgte zwischen 2005 und 2007 noch einmal der historischen Route, – mit weitgehend authentischen Mitteln, vielbeachtet von Medien und Museumsbetrieb. Das Projekt galt als Alternative zur historischen Ausstellung, der Ostindienfahrer als neuer, alter Botschafter seiner Stadt. Die vorerst letzte Expedition war 2010 zur Hochzeit der Kronprinzessin Victoria in Stockholm. 

Nun ist eine Reise zu den Olympischen Spielen nach London in Planung, und am Horizont steht noch immer eine Übersee-Expedition in die neue Welt. Die ist zwar noch weit von der Realisierung entfernt, aber die Begeisterung für die alte schwedische Handelstradition ruft natürlich viele Fans und Sponsoren auf den Plan. Zudem hat die Stadtverwaltung einen kommunalen Beitrag für ihr Flaggschiff in Aussicht gestellt. Schließlich soll die kunstvolle Replik des Originals von 1745 in Zukunft weitersegeln und nicht nur als Museumsschiff im Göteborger Hafen dümpeln.

Gewänder aus der Zeit von 1745 erinnern an die Royal Navy und schöne Gouverneurs-Töchter…

Alles andere als „dröge“ ist hingegen die Ausstellung, die die SOIC am Sommerkai der Götheborg geschaffen hat. Schaubilder und Texte, stimmungsvolle, authentische Utensilien, eine Kaffeestube im Stil eines Handelskontors und zahlreiche, durchaus geschmackvolle Souvenirs erwarten den Besucher im Zelt am Stenpiren. Hier läuft auch ein Filmclip über das Leben der Seefahrer an Bord, bei Wind und Wetter, unterlegt mit pompöser, spannungsgeladener Musik: Das macht jedem Piratenfilm Konkurrenz! Schmiede, Ziegelmacher und Schneider zeigen ihr Handwerk auf die historisch-korrekte Art.

Auch die Außenterrasse soll zum Verweilen einladen. Darum hat die SOIC das Programm durch Grillabende (immer mittwochs) und verschiedene Musik-Konzerte angereichert. Der Blick ist sowieso phantastisch: das Panorama reicht von der Brücke Älvsborgsbron bis zum Hochhaus „läppstiftet“, gegenüber ragen die Kräne der alten Werft in den Himmel, und auf dem Fluss, heute wie damals: noch immer reger Schiffsverkehr.

Tipp: Zum jährlichen Göteborger Event „Kulturkalas„, diesmal vom 16 bis 21. August, wird eine historische Seeschlacht rund um die Götheborg nachgestellt. Dann kommt die Tordenskiöld-Gesellschaft von Dänemark gefahren, um die Stadt vom Wasser aus anzugreifen. Besucher seien daran erinnert, sich wiederum die Ohren zuzuhalten – denn Kanonenschüsse sind garantiert!

Informationen über die Compagnie und das Schiff: http://www.soic.se/

Text und Bilder: Katgo, 9.8.2011

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