Oernsköldsvik

Mit Platz für Luxusliner. Die „M/S Silver Shadow“ im Hafen von Örnsköldsvik. Foto: wikimedia.commons, public domain

Eine Europa-Straße, ein Hafen, ein Eisenbahnkreuz. In Örnsköldsvik am Bottnischen Meerbusen wird deutlich, welche Anstrengungen unternommen werden, um das weite Norrland mit dem Rest von Schweden zu verbinden. Schon die Gründung der Stadt 1842 diente vor allem dem Zweck, ein Handelszentrum an der langen Küste im Zentrum Ångermanlands zu bilden. Ab 1885 plante und baute die Provinzregierung die Siedlung konsequent aus und ernannte sie zur „weißen Stadt“. Örnsköldsviks neugewachsene Bedeutung wurde mit einer großen regionalen Messe („Länsutställning“) 1916 demonstriert, zu der 130.000 Besucher kamen. Eine für damalige (Kriegs-)Zeiten unglaubliche Zahl! Damit hatte die Stadt aus der Retorte ihren Platz neben den Nachbarn Sundsvall und Umeå eingenommen.

Aber natürlich ist das nicht die ganze Geschichte der Stadt Örnsköldsvik. Vielmehr gehen die Spuren menschlicher Besiedlung um die Bäckfjärdenbucht rund 8000 Jahre zurück. Unweit des heutigen Zentrums liegt zudem der älteste Hof-Fund Schwedens mit 2000 Jahre alten Lang- und Grubenhäusern („Gene fornby“). Wissenschaftler machten in dieser Gegend des Västernorrland-läns ein frühes Zentrum der Leinenverarbeitung aus. Damit war die Voraussetzung für Besiedlung, Handel und Wandel geschaffen.

Dramatische Wellen an der „höga kusten“. Foto: peonia (CC BY-NC-ND 2.0)

Heute besticht Örnsköldsvik touristisch durch einen malerischen Schärengarten, Klippen und ausgedehnte Wälder im Hinterland. „Höga kusten“ und Kramfors sind nicht weit, darunter auch Schwedens höchstgelegene Insel, die 236 Meter aus dem Meer herausragt. Mit der Schwimm- und Spaßbadanlage „Paradiset“ haben Besucher auch bei schlechten Wetter ein lohnendes Ziel in der Ostseestadt.

Nichts los in Ö-vik? 2008 fand im Stadtmuseum sogar eine Star-Wars-Ausstellung statt. Foto: Mrs Gemstone (CC BY-SA 2.0)

Die knapp 30.000 Einwohner kürzen ihre Stadt liebevoll „Ö-vik“ ab. Gerade die Jüngeren sagen aber auch gerne „Dö-vik“, weil hier in langen Monaten des Winters oft der sprichwörtliche Hund begraben ist. Bei oberflächlicher Betrachtung scheint Eishockey das einzige Freizeitangebot zu sein – und tatsächlich hat Örnsköldsvik mit der Fjällräven-Arena und dem Modo-Eishockeyteam hier einiges zu bieten.

Doch auch das ist nur die halbe Wahrheit. Ein Kommentator der Ö-viker Lokalzeitung räumt mit dem Vorurteil „Dö-vik“ auf und ruft die Kulturhighlights der jüngsten Zeit in Erinnerung. Darunter eine Andy-Warhol-Ausstellung, Melodifestivalen, Hafenfest, Kurzfilm-Tage, Tanz-Marathon, Konzerte mit Musikern wie Europe, Eric Bibb, Jeremy Pelt, String Sisters und zahlreiche schwedische Musikgrößen.

Und so endet der Kommentar, leicht mahnend: „Das , meine Lieben, ist eine Menge Leben in einer toten Stadt!“ Als Besucher wird man sich hierüber, wenn möglich, sein eigenes Urteil bilden.

„Krönikan: Dags att bli stolta i Örnsköldsvik“ aus http://www.webben7.se

Katgo, 28.11.2011

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