Carl Larsson

Denkt man an schwedische Maler, fällt einem eigentlich nur (?) Carl Larsson ein. Der Künstler hat sich mit großer Schaffenskraft national ein Denkmal gesetzt. In den wichtigsten Gebäuden des Landes trifft man auf seine Werke: Große Fresken und Wandmalereien, etwa im Nationalmuseum oder in der Stockholmer Oper, machen Carl Larsson für die Schweden allgegenwärtig. Doch verewigt hat sich der Maler (1853-1919) weder durch seine patriotischen Motive („Gustav Vasas intag av Stockholm“) noch durch seine nationalromantischen Putten, sondern durch die Schilderung von Familienleben und Häuslichkeit.

Blumenfenster von 1894.

Blumenfenster von 1894.

Die bis heute beliebtesten Bilder Larssons zeigen schlicht und einfach, wie der Künstler wohnt. Wie seine Frau und die acht (!) Kinder sich und ihm ein Heim bereiten. Mit Liebe zum Detail wird dabei die Einrichtung abgebildet, die das alte Haus nach und nach in ein Idyll verwandelt. Larsson Haus „Lilla Hyttnäs“ in Sundborn wurde somit nicht nur eines der bekanntesten und beliebtesten Künstlerheime auf der ganzen Welt (und heute Museum). Es zeigt einen Stil, der sich in Schweden bis heute großer Beliebtheit erfreut und der Vorstellung von „typisch schwedischer Einrichtung“ zugrunde liegt.

Es kommt mir vor wie ein Instagram-Konto vom Beginn des 20. Jahrhunderts: Die lange Reihe der Bilder aus Atelier, Küche, Kinderzimmer und Garten, die „lieben Kleinen“, die harmonische Hausmutter, der muntere Hund, die Feste auf der grünen Wiese… Schlichtweg kitschige Selfies, banale Themen wie das eigene Abendessen, der eigene Arbeitsplatz, und immer fröhliche Gesichter und helle Stimmungen… – fast zu schön um wahr zu sein. Und doch: Ist es nicht genau das, wonach – zumal heute – alle streben? Zu zeigen, wie schön man es bei sich zu Hause hat?

Frühstück unter der großen Birke, 1896.

Frühstück unter der großen Birke, 1896.

Denn wer sagt denn, dass Larssons Idyll gelogen ist? Er hat sich zu Hause bestimmt wohler gefühlt als im Kreise der großen Mäzäne (die mitnichten alles gut hießen, was er malte. Sein liebstes Werk etwa, das vikingische Thema „Mittvinterblot“, wurde zu Larssons Lebzeiten nicht öffentlich ausgestellt).

Und würde jemand immer und immer wieder sein Haus malen, wenn er nicht eine große Leidenschaft dafür hegte? Wie heutige „Heimwerker-Profis“ gingen er und seine Frau Karin den Umbau und die Ausschmückung von Lilla Hyttnäs an: Sie webten ihre Teppiche selbst, nähten Gardinen, sägten Türschilder aus und malten Schriftzüge und dekorative Elemente an die Wände.

Der Schreiner und der Maler von 1909.

Der Schreiner und der Maler von 1909.

Die Bedeutung der Haus- und Familien-Aquarelle Larssons für „die große Kunst“ mögen umstritten sein. Seine große Aktivität und die Nachwirkung auf das (schwedische) Publikum verdienen aber alle Anerkennung. Und bis heute erhalten Larssons Bilder mehr „Clicks“ und „Likes“ als so manche Werke seiner Zeitgenossen.

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