Birger Jarl

 

Bild: wikimedia.commons

 

In einer archaischen Zeit, die von kleinlichen Machtfehden zwischen Königsgeschlecht und anderen „Großmännern“ geprägt war, trat Birger Jarl auf den Plan der Geschichte. Als er wieder abgeht, hinterlässt er ein katholisches Königreich von großer Bedeutung für das mittelalterliche Europa. Und noch im Jahr 2010 erinnert man sich an den Mann, der vor 800 Jahren in Bjälbo, Östergötland, geboren wurde: Birger Magnusson – der letzte Jarl Schwedens und Begründer Stockholms. In einer Ausstellung im Stockholmer Medeltidsmuseum kann man ihm sogar ins Angesicht schauen. Birger Jarl wurde nämlich nach neuesten kriminaltechnsichen Methoden rekonstruiert, sein Schädel vermessen, seine strengen Züge modelliert. Noch bis 10. Januar 2011 läuft die Sonderausstellung über den für Schwedens Geschichte so wichtigen Staatsmann. Ihr Titel: „Ich, Birger Jarl“.

In einem Flickenteppich aus verfeindeten Adels-Clans und Fraktionen verhalf Birger Magnusson dem schwedischen König als Reichsverweser zu mehr Autorität und stärkte die Zentralisierung des Staatswesens. Er zögerte dabei nicht, noch selbst zur Waffe zu greifen und diverse Adelsaufstände niederzuschlagen. Mit der Unterstützung der Kirche gelang es Birger Jarl, die Gesetzgebung in den einzelnen Regionen Schwedens zu vereinheitlichen – und zu modernisieren. Unter seiner Ägide wurden Hausfrieden, Frauenfrieden, Thingsfrieden und Kirchenfrieden zum Reichsgesetz. Er erreichte ein Verbot der Versklavung von Schuldnern und regelte das Erbrecht für Frauen neu.

Seinen Einfluss gewann Birger als Vormund des minderjärhigen Königs Eriks „der Lispelnde und Hinkende“. Als mit dessem Tod das Königsgeschlecht ausstarb, wurde Birger Jarls eigener Sohn, Valdemar, zum König ernannt. Die Fäden zog aber immer noch der Vater. Er veranlasste die Befestigung der Einfahrt in den Malären und machte Stockholm zur attraktiven Handelsstadt für die aufblühende Hanse. Am Stockholmer stadshus steht Birger Jarl zu Ehren ein Grabmonument, doch die sterblichen Überreste des mittelalterlichen Staatsmannes gelangten nie dorthin: denn das Zisterzienserkloster in Varnhem, wo er zunächst beigesetzt wurde, wollte den prominenten Leichnam für sich behalten. Die letzte Ruhe für Birger Jarl wurde 2002 beendet, als man die Grabanlage in der Varnhem-Kirche öffnete. Mit den Funden konnte man die historische Person identifizieren – und rekonstruieren. Und so kam Birger – am Ende dieser 800-jährigen Reise – dann doch noch in Stockholm zu Ehren.

Bild: wikimedia.commons

Link zum Stockholmer „medeltidsmuseum“

Katgo, 23.9.2010

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