Mediales Strohfeuer rund um den Gävlebock

Noch am Tag der Einweihung abgefackelt. Der berühmte Gävlebock. (Foto: Visit Gävle)

Noch am Tag der Einweihung abgefackelt. Der berühmte Gävlebock. (Foto: Visit Gävle)

Er tanzte nicht mal ein Wochenende lang: Der Gävlebock wurde am selben Tag, an dem er aufgestellt wurde, von Unbekannten abgefackelt! Das überdimensionale Weihnachts-Highlight und Wahrzeichen der Stadt Gävle überlebte also nicht einmal den ersten Advent! Und das trotz „verschärfter Sicherheitsvorkehrungen“ rund um den meterhohen Strohbock, der alle Jahre wieder mitten auf dem Marktplatz der Stadt aufgebaut wird. In den letzten 5 Jahre brannte der Julbock ganze 4 Mal nieder! (=> Siehe News-Artikel)

Als Zugezogene beobachte ich das Spektakel um den Gävlebock schon seit einigen Jahren. Mit dem Touristenblick habe ich es höflich die Kategorie „seltsame lokale Traditionen“ eingereiht, – wie etwa die unappetitliche Tomaten-Schlacht in Valencia oder das „Käserennen“ in Gloucestershire. Aber vergleichbar ist das eigentlich nicht, denn während das eine immerhin fröhliche Zusammenkünfte sind, ist das andere ein Streich einzelnder Leute auf Kosten einer ganzen Gemeinde.

Statt „Streich“ könnte man auch „mutwillige Zerstörung“ sagen, und damit kommt das Bock-Brennen für mich in die Nähe anderer sinnloser Hooligan-Handlungen, die in Schweden regelmäßig z.B. in den Fußball-Stadien oder Samstag nachts in den Innenstädten zu sehen sind.

Andererseits muss auch gesagt werden, dass die Verantwortlichen dort oben in Gävle anscheinend völlig schmerzfrei sind. Denn einerseits soviele Steuer(!)-Gelder für einen Strohbock und seine Sicherheit auszugeben und sich dann alle Jahre wieder als „die Dummen“ zu entblößen, zeugt wirklich von einer Art Lernresistenz. In diesem Jahr sollten ein Kamerasystem, feuerfestes Stroh und zwei Wachmänner den Bock beschützen. Doch selbst ein Wachmann geht mal kurz „für kleine Jungs“ und bescherte einem Vermummten in dieser Zeit „5 minutes of fame“ – alles schön festgehalten per Kamera.

Nun fragt sich die Stadt Gävle ernsthaft, ob sie den Bock in der Vorweihnachtszeit nochmal aufbauen soll. Die Sprecherin des Strohbocks (ja, die gibt es wirklich!) ließ über die Presse verbreiten, dass man „diese heikle Frage mit allen politischen Beteiligten bearbeiten“ werde. Nach einigen spannungsgeladenen Tagen kam der Bescheid: Nein, es wird 2016 keinen neuen Bock geben, trotz des 50. Jubiläumsjahres!! Somit fällt Weihnachten in Gävle aus, – und man geht zurück zur Tagesordnung!

Wäre ich Gävles Bürgermeister, ich hätte mit dem Quatsch schon vor Jahren aufgehört. Oder ein öffentliches Happening draus gemacht, etwa so wie ein zünftiges Osterfeuer. Aber wer weiß: Vielleicht ist das Ganze auch ein geschickter Marketing-Gag! Denn wenn der Bock brennt, dann spricht die ganze Welt über Gävle… wenigstens gefühlt 2 Minuten lang. Insofern ist dieser Schmähartikel schon viel zu lang und ungefähr soviel wert wie… ein Haufen Stroh?

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