Endlich Freitag: Zeit für „fredagsmys“

Habe ich an dieser Stelle etwa noch nie etwas über den „fredagsmys“ geschrieben? Dann tue ich das jetzt umso lieber. Vielleicht, weil ich die ganze Zeit denke, dass Freitag ist, obwohl: auf dem Kalender steht Donnerstag. So ist das manchmal, und deshalb sehne ich mich besonders nach Freitag und dem schwedischen „fredagsmys“… (dazu passend die Werbung eines schwedischen Chips-Herstellers).

Fredagsmys, das ist schwer zu übersetzen, aber sehr leicht umzusetzen. Denn es heißt soviel wie, dass man es sich am Ende einer langen Woche so richtig gemütlich macht. „Mys“ ist ja sowieso eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen in Schweden. „Att mysa“ ist die dazugehörige Tätigkeit, und ich denke dabei an eine eingerollte Katze auf dem Sofa oder an flackernde Kerzen auf dem Sims. Zumal im Herbst ist „mysa“ das Beste, was man machen kann: ohne Verpflichtungen, einfach mal richtig schön abhängen.

An der Westküste gehören Krabben zum "cosy friday" einfach dazu.

An der Westküste gehören Krabben zum „cosy friday“ einfach dazu.

Nun gehört zum Fredagsmys auch immer ein wenig gutes Essen dazu. Aber bitte nicht zu aufwendig, – das Ganze soll ja nicht in Arbeit ausarten! So habe ich gehört, dass viele Schweden am Freitag abend Tacos essen – mit einem großen Topf Chli-Hackfleisch, aus dem sich jeder selber nimmt. An der Westküste kauft man hingegen gern pfundweise gekochte Krabben, die vor dem Fernseher gemütlich gepult und mit Aioli und Brot verzehrt werden. Nicht mein Ding, darum gibt es bei uns einfach ein Abendbrot mit allem aus dem Kühlschrank, und es ist immer gut, für später noch ein paar Chips vorrätig zu haben.

Schließlich stehen beim fredagsmys häufig ein längerer Film oder ein mittlerer Serien-Marathon auf dem Programm, den man sich – wie auch die Chips – ohne groß nachzudenken „reinzieht“. Wer dem Alkohol zugetan ist, nutzt den Fredagsmys dazu, entweder ein Glas zu genießen oder gleich den Tank wieder richtig aufzufüllen. Leider sind es oft Alleinstehende, die mit sich selbser „mysen“ müssen und dabei zu tief ins Glas schauen.

Denn der fredagsmys ist natürlich erst im Kreise der Lieben komplett! Schließlich hat der gewöhnliche Berufstätige dann mal wieder Zeit für Partner und / oder Kinder. Letztere dürfen dabei oft den Ablauf (und die Zubettgeh-Zeit) bestimmen. Da werden dann Zeichentrickfilme auf Netflix bestellt, die Playstation angeworfen oder auch mal ein Brettspiel gespielt. Bei uns brummt der PC beim fredagsmys, denn nur dann kann man mal wieder so richtig in ein Spiel eintauchen und alles um sich rum vergessen.

Die Alternative zum "fredagsmys" ist "Afterwork". Foto: Tina Stafrén / imagebank.sweden.se

Die Alternative zum „fredagsmys“ ist „Afterwork“. Foto: Tina Stafrén / imagebank.sweden.se

Die Alternative zum Fredagsmys ist übrigens das Afterwork; entweder mit Kollegen (will man die wirklich auch noch am Freitag abend sehen?) oder mit Freunden (die dann über ihre Kollegen lästern). Da der Zahltag für einen schwedischen Angestellten in der Regel am 25. eines Monats ist, kommen Afterworks zum Ende des Monats häufiger vor und nehmen danach kontinuierlich ab. Schließlich wollen sich nicht alle jeden Freitag teure Kneipengänge leisten!

Wer ein Tausendsassa ist, schafft an einem Abend beides: Erst die Kneipe, dann den fredagsmys. Doch Vorsicht! Wie so oft nach einem harten langen Arbeitstag, schläft man vielleicht zu schnell auf dem Sofa ein 🙂

(Beitragsfoto: Ulf Huett Nilsson, imagebank.sweden.se)

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