Noch ein Guide für Göteborg?

"Hallo aus dem Sommerloch!"

„Hallo aus dem Sommerloch!“

Ein kurzer Ruf aus dem Sommerloch, aus dem ich gerade mühsam wieder hervorkrieche…

Für mich als Freelancer ist der Sommer ja immer ein wenig zeitversetzt. Da wird noch Mitte Juli rangeklotzt, bis auch wirklich alle in den Urlaub gehen; und danach braucht es seine Zeit, bis die Maschinerie wieder ins Rollen kommt. Inzwischen haben wir September: Der IKEA-Katalog ist da und gibt das Herbst-Motto aus: „Mach dich frei von hohen Erwartungen!“ – Nicht gerade das beste Omen in Sache Jobs und Aufträge…

Weil ich also noch Kapazitäten frei habe, und weil diese schöne Stadt im Sommer vor Touristen wimmelt, bin ich meiner Idee weiter nachgegangen, Guide zu werden. Nun ist man in Göteborg allerdings „autorisierter Stadtführer“ – oder gar nichts. Die Touristzentrale ist Ansprechpartner für große Reisegruppen und Kreuzfahrtschiffe, die einen Guide brauchen. Man bedient sich dann aus einem Pool an Guides, die alle eine fundierte Ausbildung und somit die Lizenz „Göteborg-Guide“ erhalten haben. Das ist ein wichtiges Etikett, auf das vor allem die Reisebüros und Reiseleiter Wert legen.

Die Realität bei der Führung vor Ort ist natürlich viel bunter: Ich kenne zwei dieser autorisierten Stadtführer ziemlich gut, und laufe ab und zu mit ihnen mit. Und auch wenn die beiden Frauen dasselbe zeigen und erklären, könnten ihre Touren nicht unterschiedlicher sein. Zudem hängt jede Führung von der geführten Gruppe ab.. Interessiert sich wirklich jeder für die Entstehungsgeschichte des „landshövdinge“-Hauses? Oder will man lieber erfahren, dass erst Hausbesetzer in den 80erjahren ihren Abriss verhinderten?

Doch wie gesagt: Kenntnis der Stadt macht noch keinen Göteborg-Guide. Denn die Guide-Ausbildung hat es in sich. Entweder man bucht einen entsprechenden Kurs bei der folkuniversitet, – für unverschämte 2000 Euro! Oder man schreibt sich im historischen Seminar an der Uni ein und studiert wieder zwei Semester lang, -und zwar im Fach „guidekunskap“.

Für die Uni wiederum müsste man die offizielle Hochschul-Sprachprüfung in Schwedisch ablegen (Tisus) , – dabei will ich doch auf Deutsch guiden, für deutschsprachige Gäste. Irgendwie passt das alles nicht zusammen…

Kurz gesagt: ziemlich viel Aufwand für einen Sommerjob, von dem ich noch nicht einmal weiß, ob er mir liegt. Will ich mir nölige Reiseleiter, genervte Busfahrer oder gelangweilte Programm-Touristen überhaupt antun? Eine Alternative wäre, die wirklich Interessierten anzusprechen, die in kleineren Gruppen und auf eigene Faust unterwegs sind. In Stockholm gibt es bereits ein Konzept, das viel frischer und ungezwungener daher kommt: Bei free tours Stockholm sind die Guides ganz normale Stockhomer und un-autorisierte Stadtwanderer. Sie werden eben nicht von der Stadt gebucht, sondern von Familien und Freundeskreisen, die neugierig sind auf den Insider-Blick. Das Problem ist, dass „free tours“ eben genau das sind: „free“, also gratis. Der Guide wird nur in Trinkgeld bezahlt.

Ist das dann überhaupt eine Form von Firma? Ich nehme Kontakt auf und bin dabei mich schlau zu machen, wie man in Schweden ein Trinkgeld buchführen und versteuern kann. Irgendwie passt auch das nicht zusammen…

„Mach dich frei von zu hohen Erwartungen“. IKEAs Motto hat mir einen kleinen Dämpfer gegeben, der anscheinend genau so beabsichtigt war. Darum genieße ich das verlängerte Sommerloch und lenke den Gedanken – völlig erwartungsfrei – in eine andere Richtung: Vielleicht sollte man lieber ein Guide-App für Göteborg entwickeln? Nach Art von „Pokemon-Go“? Die Texte wären schnell geschrieben, und der Programmierer sitzt hier neben mir…

Göteborg ist wert, gezeigt zu werden. Die Frage ist nur: Wie?

Göteborg ist wert, gezeigt zu werden. Die Frage ist nur: Wie?

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