Schilda lässt grüßen in Göteborg

Götaplatsch: Das neue Wasserspiel ist ein echter Reinfall...

Götaplatsch: Das neue Wasserspiel ist ein echter Reinfall…

Liebe Göteborg-Besucher… Ihr seid jetzt wieder sehr zahlreich und genießt es, unsere schöne Stadt zu besichtigen. Ihr fahrt mit dem Kanalboot Paddan, bestaunt den Botanischen Garten oder esst ein Krabbenbrot in der Fischkirche. Ihr promeniert in aller Ruhe und bewundert die stattlichen Bürgerhäuser, die blauen Straßenbahnen und die vielen hippen Geschäfte. Dann kommt Ihr vielleicht auch zum Götaplatz mit seinem Kunstmuseum, dem Theater und dem Konzerthaus – und Ihr folgt dem Blick der großen Poseidon-Statue, hinunter auf die „Prachtstraße“ Avenyn.

Da fällt Euch ein lustiges Wasserspiel ins Auge, mt hüfthohen schmalen Fontainen, aufgereiht inmitten der Avenue, immer in Bewegung und stimmungsvoll beleuchtet.

Doch leider, liebe Besucher, ist das keine Sehenswürdigkeit, sondern eine einzige Katastrophe. Ein klarer Fall von behördlicher Inkompetenz, politischer Indifferenz und Verschwendung von Steuermitteln.

Die neue Wasser-Attraktion am Götaplatsen hat im Wortwitz-reißenden Göteborg bereits viele Namen erhalten: „Wasserstandsmarke“, „Waschstraße“, „Götaplatsch“. Herrlich, dass wir es mit Humor nehmen! Aber die Kosenamen lassen natürlich trotzdem kein gutes Haar an dem Springbrunnen, der nämlich – kein Witz – inmitten einer Bushaltestelle gebaut wurde. Da muss man sich also den Busverkehr auf einander entgegengesetzten Fahrspuren vorstellen, und dazwischen – sozusagen als „Waschstraße“ – die fröhlichen Fontainen. Dass dafür die vorigen (noch gar nicht so alten) Busspuren und – häuschen abgerissen wurden, ließe sich vielleicht noch verschmerzen. Dass der Spaß aber umgerechnet 3 Millionen Euro gekostet hat, das nagt richtig in der Steuerzahler-Seele – zumal in Zeiten maroder Schulen und überfüllter Krankenhäuser.

Aus dem Spaß wurde also Ernst, als die Wasserfontaine gemeinhin als Verkehrsrisiko angesehen wurde. Klar, dass gerade Kinder an warmen Sommertagen zum Wasser laufen und planschen wollen. Dafür müssen sie aber die Busspur überqueren… Das ist wie wenn die Schildbürger ein Rathaus ohne Fenster bauen! Durch die offene Bauweise – das ganze sollte ein Treffpunkt und ein mondäner Großstadtplatz werden – zieht es auch Erwachsene dorthin, wo Wasser und Bewegung ist. Kommt dann aber einer der leisen, hybridbetriebenen Rapid-Busse angerauscht, kann man sich die Verwirrung und die Schrecksekunden ausmalen…

Nach entsprechenden Berichten und wütenden Leserbriefen wurden einige Politiker und die Verkehrsbehörde endlich wach und versprachen, umgehend Maßnahmen zur Sicherheit zu ergreifen! Eine Spaßbremse wurde eingebaut: Und zwar in Form von Wachpersonal (!), das die schlecht platzierte Nasszelle vor allzu eifrigen Wasserratten abschirmen soll. Und das vermutlich solange, bis ein Zaun diese Arbeit erledigt.

Ordner sind auf dem Posten. Foto: SFO

Ordner sind auf dem Posten. Foto: SFO

Im Ernst: Da werden zwei Wächter hingestellt, die den Leuten erklären sollen, dass die Fontaine nur zum Gucken, aber nicht zum Anfassen ist!? Schilda lässt grüßen in Göteborg!

Währenddessen legt die Stadt oberhalb der Fontaine „Stadtgärten“ an, mit Pflanzboxen, Rabatten und Sitzgelegenheiten. Ich habe mir das Ganze schon als herrliches Außer-Haus-Wohnzimmer vorgestellt, mit kleiner Fußdusche für den Sommer in der City. Auch die Discogänger, die Samstagnacht die Avenyn bevölkern, hätten am „Götaplatsch“ eine schöne Abkühlung bekommen. Wären da eben nicht die beiden Busspuren und der gelegentliche Durchgangsverkehr…

Man will ja gar nicht erst versuchen zu verstehen, wie es zu diesem Mißgriff kommen konnte. Zur Zeit wird die Verantwortung zwischen Verkehrsbehörde, Bauamt und Kulturverwaltung hin- und hergereicht. Und der Vorschitzende des Verkehrsausschusses räumt fahrlässige Unkenntnis ein mit dem Satz: „Wir haben wie die meisten Bürger davon erst aus der Zeitung erfahren!“ Dass 30 Millionen Kronen für Stadtmöblierung politisch einfach so abgenickt werden (ohne die genaue Ausgestaltung zu kennen), ist jetzt ein klarer Fall für engagierte Lokaljournalisten, die es zum Glück hier gibt. Für den gemeinen Göteborger ist es ein weiterer Beweis, das die Stadtmütter und -väter es einfach nicht gebacken kriegen. Oder um im Bild zu bleiben: Hat man erstmal Wasser verschüttet, ist es schwer wieder aufzusammeln…

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