Hockey-Hochburg Göteborg: Frölunda ist meisterlich

Heute ist Göteborg im Ausnahmezustand! Der traditionsreiche Eishockeyclub der Stadt, Frölunda HC, hat den Titel „Schwedischer Meister“ errungen! Die Besten der Liga, die Souveränsten der Playoffs. Goldjungs und geliebte Söhne der Stadt.

Ausgelassene Stimmung auf dem Götaplatsen - ausführlich in bewegten Bildern beim schwedischen Fernsehen [SVT]

Ausgelassene Stimmung auf dem Götaplatsen – auch in bewegten Bildern beim schwedischen Fernsehen SVT

Die begeisterte Stimmung beim Publikum lässt sich vergleichen mit dem Siegestaumel der FC Bayern-Fans in München, denn Eishockey ist in Schweden ungefähr so wichtig wie Fußball in Deutschland. Der Sport auf dem Eis war bereits populär als Fuballplätze noch unbespielbare Äcker waren. Zugefrorene Seen machten es möglich, dass Eishockey zum Volkssport wurde. Eishockey (hierzulande einfach „hockey“ genannt) wird bis heute von vielen Schweden aktiv betrieben. Von Kindesbeinen an müssen die Pimpfe entweder selbst auf Kufen dem Puck nachrennen oder den Eltern zum Anfeuern ins Eisstadion folgen. Klar, dass jeder von klein auf „seine“ Mannschaft liebt und im Laufe eines Lebens folgt. Der nationale Meistertitel ist somit Ehre und Auszeichnung für eine ganze Region und seine Einwohner.

Nun ist also das Profiteam des Frölunda HC unter Trainer Roger Rönnström nach 11 Jahren wieder schwedischer Meister geworden. Zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte. Endlich wieder ein Titel!, sagten sich die eingefleischten Göteborger Fans und feierten den entscheidenden Playoff-Sieg gegen die Nordschweden aus Skellefteå spontan auf Göteborgs Straßen. Traditionell gibt es dabei ein Bad im Poseidon-Brunnen auf dem zentralen „Götaplatsen“. Schneegriesel und sieben Grad Celsius hielten die gröhlenden Fans natürlich nicht ab. Die offizielle Siegesfeier, wiederum am „Götaplatsen“, ist für heute angekündigt, wenn die Helden nach dem Auswärtssieg wieder zu Hause landen. Wir werden uns den Rummel bestimmt einmal anschauen, denn schließlich sind „wir“ jetzt schwedischer Meister!

Siegesbanner der Goldjungs aus Göteborg.

Siegesbanner der Goldjungs aus Göteborg.

Man merkt es mir vielleicht nicht an, aber nichts interessiert mich im Grunde so wenig wie Eishockey… Ein Besuch im „Skandinavium“ zum Heimspiel der „Frölunda Indians“ ist für einen Göteborger eigentlich ein Muss. Doch weil mich dieser Sport so wenig anspricht wie ein Zahnarztbesuch, ist es bisher nur bei dem Gedanken geblieben. Wahrscheinlich fehlt mir einfach das Gefühl für die Spielzüge und Taktiken, darum sehe ich beim Eishockey nur grobschlächtige, bärtige Raufbolde und einen Torwart mit grotesken X-Beinen. Dazu ein unproportionales Verhältnis zwischen Spielern und Spielgerät: Zu kleine Tore, zu filigraner Puck, zu dünne Schläger, zu bullige Beinschützer, zu breite Schultern, zuviele Schiedsrichter. Das passt in meinen Augen alles nicht zusammen!

Was mich am Eishockey noch aufregt, ist ein viel zu langwieriges, umständliches Ligasystem, das die Saison künstlich in die Länge zieht und die armen Spieler rund 70 Matches pro Spieljahr bestreiten lässt. Nach der vierfachen (!) Begegnung mit allen Teams der Liga kommt es zu den Playoffs, in dem die acht Besten nochmal im K.O-System gegeneinander antreten. Aber auch da ist es mit einer Begegnung nicht getan: Man trifft die zugelosten Mannschaften pro Viertel-, Halbfinale und Finale bis zu sieben (!) Mal, um hieraus als Sieger nach Matchgewinnen hervor zu gehen.

Hab ich das jetzt richtig wiedergegeben? Ich sehe im TV also Frölunda – schon wieder! – gegen Skellefteå spielen, und das heißt dann „Finale“. Dabei haben sie schon vorgestern gegeneinander gespielt und übermorgen wieder, denn mit nur einem Durchgang ist das Ganze nicht getan. „Kommt mal zu Potte!“, fällt mir da ein. Spannung, zäh wie Kaugummi… Da lobe ich mir ein einziges Fußball-Finale auf neutralem Boden, ohne Rückspiel und Revanche, denn bei einem Finale kann schließlich alles passieren, der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten 😉

Wer sich ernsthaft für Frölundas Weg zum Titel interessiert und nochmal die „slutspel“-Phase nachschlagen will, kann => hier nachschauen. Die Seite der => Frölunda Indians ist natürlich voll des Lobes, und die Glückwünsche hat man sich redlich verdient. Hier auch noch ein Klipp mit den Höhepunkten des letzten Spiels.

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