Taufpate im Training

Großes Aufgebaut für den kleinen Täufling.

Großes Aufgebaut für den kleinen Täufling.

Ich bin nicht nur, was man in Schweden „Kulturtante“ nennt, sondern auch stolze zweifache Patentante! Zwei kleine blonde Engel habe ich bisher ungelenk ans Taufbecken getragen, habe den kirchlichen Segen und das Wohlwollen ihrer Eltern erhalten und damit die große Verantwortung, Ihnen auf dem Weg ins Leben ein Vorbild zu sein. Das sind familiäre Bande der traditionellen Art und ein echter Vertrauensvorschuss. Ich fühle mich geehrt, dass ich auf diese Weise Teil einer schwedischen Familie geworden bin, – mit einer Kinderschar von 5 !! In der ungleichen Verteilung: vier Mädchen und ein Junge… 🙂

Seit ich 2010 hierher zog, habe ich also einen Haufen von „Schwägerkindern“ heranwachsen sehen und drei Taufen von fünf miterlebt. Fünf Kinder sind selbst nach modernen schwedischen Standards viel. Am häufigsten wird meine Schwägerin gefragt, ob sie nicht langsam an ihre persönlichen Grenzen stößt: Kurze Nächte, Zahnputz-Stress, Mama-Taxi und nicht zuletzt alle Wünsche und Anschaffungen? Doch nicht nur die Energie meiner Schwägerin ist bewundernswert grenzenlos – sondern auch die bereits beschriebene schwedische Kinderfreundlichkeit. Und genau deshalb geht es vielen kinderreichen Familien auch so gut: Kinder sind hier kein Kosten- oder Störfaktor, sondern das Wichtigste was wir haben. In allen Belangen.

Tauftorte "älskade barn".

Tauftorte „älskade barn“.

Darum halte ich als kinderlose Kulturtante auch immer schön meine Klappe, wenn die lieben Kleinen die Sitzordnung der Erwachsenen bestimmen dürfen oder das Essen nicht anrühren, weil’s gerade nicht passt. Da ich dem Kindergeschrei später leicht wieder entfliehen kann und morgen früh auch keinen Dreijährigen anzuziehen brauche, genieße ich lieber die Vorzüge der „Teilzeit-Tante“. Immerhin konnte ich mir nach all den Jahren eine gewisse Zuneigung der Kleinen „erschleichen“, – einfach dadurch, dass wir ständig bei ihnen auf der Matte stehen: Man rechne sich einmal alle Geburtstage, Feiertage und Ausflüge aus, die in so einer großen Familie anstehen!! Immer, wenn wir sie besuchen, komme ich mit vor wie in einem Gemälde von Carl Larsson – ungelogen!

Höhepunkte sind die feierlichen Taufen. Sie fanden alle in der „Frölunda kyrka“ statt, wo die evangelische Zeremonie sich nicht groß von einer Taufe in Deutschland unterschied. Taufkerze, Wasserbad, Patenbrief und warme Worte der Pastorin…Dann wird der Täufling hoch gereckt und der Gemeinde „gezeigt“, weil er ja das neueste Mitglied ist. Das Schönste sind eh immer die Lieder, wobei „du vet väl om att du är värdeful“ ein besonders moderner Psalm ist, denn es gesteht dem Besungenen die Freiheit zu, genauso zu leben wie er/sie es will (hört, hört…). Bei der letzten Taufe gab es zudem ein Duett von zwei Jugendlichen, die anrührend das Lied „älskade barn“ von Karin Green sangen.

Origami für den festlichen Tisch.

Origami für den festlichen Tisch.

Ein passender Rahmen für die vermutlich letzte Taufe, die laut Schwägerfamilie das „grand finale“ sein sollte. Da hieß es dann auch: Feiern im großen Kreis, im gemieteten Saal, mit Buffet, Torten, Dekoration und Tisch-Schmuck. Hierfür faltete ich am Vorabend 50 Servietten in Kleidchen-Form (wer sich für die Falttechnik interessiert schaue => hier) und machte mich anderweitig nützlich.

Ansonsten war die zweifache Patentante bisher nicht groß gefordert… Während mein Freund das Amt des „Godfathers“ gerne scherzhaft mit dem gleichnamigen Film assoziiert, warte ich nun darauf, dass mich die Patenkinder auf ihrem Weg ins Leben wirklich einmal um Rat fragen oder sich mir anvertrauen. Aber eigentlich geht es ihnen so gut, haben sie so liebevolle Eltern, dass sie das wahrscheinlich nicht brauchen. Wir werden sehen.

Übrigens: Patentante heißt auf schwedisch „gudmor“, Patenonkel ist der „gudfar“.- Beide werden geschlechtsneutral auch „fadder“ genannt.

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