Schwedens eigene Sonneninsel

Meerblick in Gustavsvik. Fotos: katgo

Meerblick in Gustavsvik. Fotos: katgo

An einem grauen Tag im Februar ist es nicht das Schlechteste, von Gotland zu träumen… Gotland, das andere Schweden. Gotland, das „Urgestein“. Gotland, die Urlaubs- und Sonneninsel.

Im bequemen Abstand zum Festland, aber immer noch weit genug weg, um in Ferienstimmung zu kommen. Wozu Kreta oder Malle, wenn man Gotland hat!? Durch die Fahrt übers Meer (3,5 Stunden mit der Fähre von => Desitination Gotland) lässt man den Alltag wahrlich hinter sich – ganz so als wenn man in den Urlaubsflieger steigt. Hat man später „Land in Sicht“, erblickt man die sagenhafte Türme der Ringmauer von => Visby und ist sogleich in einer anderen Welt.

Eigenheim in Visby-City.

Eigenheim in Visby-City.

Die mittelalterliche Stadt ist UNESCO-Weltkulturerbe, aber bei weitem nicht das Einzige, was nach Gotland lockt. Die Insel gebärdet sich so völlig anders als Festland-Schweden – und das liegt am Kalkstein, der hier durch eine Laune der Erdgeschichte hängen geblieben ist. Somit gibt es auf Gotland keine Schären aus Granit, sondern faszinierende => Rauken aus Kalkstein. Es gibt nur wenige hohe Tannen, dafür krautige Büsche und karge Heide. Es gibt keine Elche, dafür aber jede Menge Schafe.

Und wie auf jeder guten Ferieninsel tobt das Leben hier gleich neben der absoluten Ruhe und Beschaulichkeit. Tatsächlich erinnerte mich Gotland sehr an Sylt: Der Touri-Betrieb in der Stadt Visby mit Guides, Eiscafés und Postkarten, die „Reichen und Schönen“, die hier irgendwo ihr Sommerhaus haben, die Segler, die Baderatten und die Familien-Pensionate mit Nähe zum Strand. Als Kontrast dazu gibt es das Gefühl, die Insel für sich allein zu haben: mit stillen Buchten, weiten Panoramen, einsamen Dörfern und kleinen Fischrestaurants, die ganz ohne Werbung ihre Gäste anlocken.

Wir brauchten uns jedenfalls nur ein wenig abseits der ausgetreten Pfade umzusehen und hatten trotz Hochsaison auf Gotland die schönsten Stellen ganz für uns allein. Von „überlaufen“ kann also noch nicht die Rede sein. Das liegt vielleicht auch daran, dass der Feriensommer auf Gotland strikt in verschiedene „Wochen“ aufgeteilt ist: Sozusagen ein immerwährender Saisonkalender, den jeder Schwede auswendig kennt! Bucht man Urlaub auf Gotland, sollte man tunlichst jene Woche(n) wählen, die die eigenen Vorlieben am ehesten bedient. Oder umgekehrt jene Wochen vermeiden, wenn man möglichst wenige andere Menschen treffen will.

  • Da ist die Almedalswoche, KW 27, zu der sich Politiker, Verbände und gesellschaftlich Engagierte einfinden – zu Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Workshops. Die => Almedalsvecka ist sozusagen der gesittete Auftakt des Sommers, bevor man sich als Privatmensch in den Urlaub verabschiedet. Denn danach kommt…
  • Die Stockholms-Woche, KW 29, in der wohlhabende Stockholmer auf der Insel die Sau rauslassen (Das ist keine Mißgunst und keine Übertreibung, sondern Fakt. Es gibt nicht nur => spezielle Buchungsseiten für diese Schampus-Woche, sondern auch bärbeißige Artikel, die heißen: => „Wenn Papas Geld nach Visby kommt“). KW 29 ist übrigens die Woche, in der die meisten Gotländer die Insel verlassen 😉
  • Die Mittelalter-Woche, KW 32. Sie zieht schon seit über 30 Jahren historisch Begeisterte und Gewandete aus ganz Europa an, die die Hansestadt Visby ihrem eigentlichen Zweck zuführen und das Mittelalter wieder lebendig machen. Am Ende des Spektakels verabschieden sich die Teilnehmer mit dem Spruch: „Wir sehen uns nächste Woche“ – also zur nächsten => Mittelalterwoche auf Gotland.
  • Crimetime Gotland, in KW 33, ist eine recht neue Woche, mit der Gotland die Saison erfolgreich zu verlängern sucht. Hier wird ein pralles Programm für Krimi- und Literaturfans geboten, – mit Lesungen, Schreib-Workshop und „meet’n’greet“ mit bekannten Autoren. => Crimetime Gotland.

Jetzt dürfen alle mal raten, in welcher Woche ich wohl auf Gotland war…!? 🙂 und wie es dazu kam. Die Auflösung folgt demnächst. Unterdessen sortiere ich die Bilder vom Gotland-Urlaub, die einem im grauen Februar Lust auf den nächsten Sommer machen.

Raukenstein Schimpanse.

Raukenstein Schimpanse.

Dorf bei Lummelunda.

Dorf bei Lummelunda.

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2 Gedanken zu “Schwedens eigene Sonneninsel

  1. Pingback: Mittelalterwoche: Ein Höllenhauch fegt durch die Stadt | Nach Schweden

  2. Pingback: Sveport

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