5 Jahre Schweden – ein Jubiläum und ein Abschied

Heute schreibe ich meinen Jubiläumspost, damit im Blog „ganz oben“ etwas Vernünftiges steht, – und dann verabschiede ich mich auch gleich wieder. Das Projekt „auswandern, einleben, drüber schreiben“ hat sich selbst abgeschlossen im Laufe der Zeit. 5 Jahre bin ich nun schon in Schweden, – bin eingewandert, lebe hier und schreibe auch weiter für mein Leben (gern), also in erster Linie für meinen Lebensunterhalt.

Ausgewandert - eingelebt. 5 Jahre in Schweden.

Ausgewandert – eingelebt. 5 Jahre in Schweden.

5 Jahre in Schweden… schon oder erst? Es kommt mir auf jeden Fall gar nicht so lange vor. „Tiden går fort när man har roligt“ = Die Zeit fliegt nur so vorbei, wenn man viel erlebt. Noch gut erinnere ich mich an den Umzug, als ich das erste Mal ohne Rückfahrschein nach Göteborg gefahren bin: Roads go ever on and on… man braucht nur einen Schritt vor den anderen setzen und ehe du es dich versiehst, steckst du im größten Abenteuer deines Lebens. Wie aufgeregt ich war, als ich die Personennummer bekam, wie spannend war es, die Sprache zu lernen, und wie ich mich schließlich um meinen ersten Job gekümmert habe. Der Job ist auch nach 5 Jahren ein Thema für sich, – als Journalist mit deutsch als Muttersprache kannste hier eben keine Aufmacher schreiben. Meine eigene Firma, die aus dieser Not geboren wurde, läuft und kommt so langsam ins Trotzalter… Die Selbstständigkeit hat wie alles seine guten und schlechten Seiten.

Was ich mir hier aufgebaut habe, ist noch recht klein..

Was ich mir hier aufgebaut habe, ist noch recht klein..

5 Jahre in Schweden… viel Neues, aber auch ein neuer Alltag. Wie die meisten anderen auch habe ich Midsommer gefeiert, neue Freunde gefunden, über Göteborger Witze gelacht und den hiesigen Akzent angenommen. Ich lag aber auch im schwedischen Krankenhaus, hab Steuern (nach-)gezahlt und mich über Baulärm vor der Haustür geärgert. Meine Familie ist hier und in Deutschland gleichermaßen; wobei die hiesige durch zahlreiche Geburten immer größer wird und die dortige die Überalterung der Gesellschaft spiegelt. Solange mein Vater noch lebt, ist da noch ein starkes Band, aber meine Zukunft liegt eigentlich hier…

Die Zukunft liegt hier, auch wenn ich selbst nicht jünger werde.

Die Zukunft liegt hier.

5 Jahre Schweden… und was nun? Ich könnte die schwedische Staatsbürgerschaft („medborgarskap“) beantragen. Ohne die deutsche aufzugeben (Beibehaltung). Das ist mir nach den Turbulenzen in der schwedischen Politik auch ein Anliegen: Wählen zu dürfen. Andererseits, und ich zitiere mich selber: „Ein schwedischer Apfel vom heimischen Stamm wird man auch mit neuen Papieren nicht.“ Wie 2 Millionen andere auch bin ich Mitbürger mit Migrationshintergrund im weitesten Sinne. Alle zusammen sind wir heute „irgendwie svensk“ und gehören dazu, sind eingeheiratet, die 2. Generation oder durch Arbeit hier geblieben. Andererseits werden ausländische Hochschulabschlüsse zum Teil immer noch nicht anerkannt, und wenn man sich auf Jobs mit dem Namen Gomez bewirbt, hat man schlechtere Chancen als ein Svensson. Übrigens nehmen rund 30.000 Eingewanderte jährlich die schwedische Staatsbürgerschaft an, und die „Neu-Schweden“ werden mit lokalen Festlichkeiten am Nationalfeiertag begrüßt. Auf dem Papier haben sie dann alle Rechte, – vielleicht nicht das Schlechteste in einem Land, das die Bürokratie erfunden haben könnte (wäre da nicht Deutschland).

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Schweden, das ideale Einwanderungsland?

Und nun mache ich das Buch zu und wünsche mir, dass alle, die vorhaben auszuwandern, ihre eigenen Voraussetzungen kennen und das Beste daraus machen. Dass Ihr Euch nicht soviel Angst einjagen lasst, denn es gibt nicht „den einen Weg“, sondern viele Wege, die zum Ziel führen. Und das Ziel ist ohnehin ganz individuell: Rate ich dem, der Karriere in Stockholm machen will, dasselbe wie dem angehenden Selbstversorger im Norrland? Nein. Nicht mal denen, die zwischen den Extremen leben, und einfach nur Sicherheit und Chancen für sich und ihre Familie wünschen. Aber im Grunde sind sie alle Helden, weil sie den Mut hatten, in ein neues Land zu ziehen.

Macht’s gut, wir lesen uns! Eure Katja

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8 Gedanken zu “5 Jahre Schweden – ein Jubiläum und ein Abschied

    • Oje, kannst Du den den ersten Kommentar von mir bitte löschen, der führt zu einem uralten Versuchsblog von mir, also in die Irre. Das kommt davon, wenn man von unterwegs kommentiert, während das Baby auf dem interessanten bunten Ding, auf dem sich immer was bewegt, herumtatschen will. Aber ich bleib dabei, über ein neues Blog würde ich mich freuen, ich hab Deines gern gelesen. Und wir sind ja doch in einer sehr ähnlichen Situation als deutsche Journalistinnen in Schweden.

  1. Hallo! Schön, mal wieder von Dir zu lesen! Und schade, dass du aufhörst zu bloggen. Falls du an anderer Stelle wieder anfängst, würde ich mich über eine Nachricht freuen. Auf Fejjan bin ich allerdings immer noch nicht, soweit ist meine Integration noch nicht fortgeschritten, haha…
    Machs gut und viel Erfolg was auch immer Dich für neue Aufgaben erwarten!
    Ach ja – die Einladung nach Borås steht nach wie vor, falls du mal in der Nähe bist…
    LG, Annika

    • Hallo Annika, danke und viele liebe Grüße zurück. Ich lasse bestimmt mal wieder von mir hören 🙂 Natürlich überlege ich mir schon etwas Neues, das Schreiben muss ja weitergehen.. 😉 Allerdings soll es sich dann nicht mehr ums Auswandern drehen.
      Macht’s gut und genieß die Zeit !

  2. Danke für diesen Blog und deinen Erfahrungen. Ich möchte selber gern nach Schweden auswandern und suche Leute mit denen man sich Zwecks dessen austauschen kann. Hierzu habe ich mich im Internet auf die Suche begeben und bin auf die Seite http://www.auswanderer.in gestoßen. In der Hoffnung nette Menschen schon vor der Ausreise aus Deutschland zu finden und mit ihnen regen Informationsaustausch zu betreiben, werde ich mich dort mal umschauen. Schade, dass Du Dich von dem Thema verabschiedest. Trotzdem Danke noch einmal für den Mut, den Du hier verbreitest. Immerhin ist es teilweise auch mit viel Unsicherheit verbunden das eigene Land zu verlassen. Und manchmal braucht es auch ein wenig Mut an der Sache festzuhalten 🙂

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