Kleinflugzeug im Kanal

Schmuckstück Haga. Denkmalgeschütztes Stadtviertel in Göteborg.

Schmuckstück Haga. Denkmalgeschütztes Stadtviertel in Göteborg.

Als Bewohner eines denkmalgeschützten Viertels macht man sich so seine Gedanken um bauliche Mängel, Veränderungen und künftige Pläne der Stadt. Das Haga-Viertel in Göteborg ist nach einer gründlichen Restaurierung in den 80er Jahren heute das Schmückstück der Stadt: Magnet für alle Touristen sowie Shopping-Besucher aus den Vororten, absolut hip für die Bewohner selbst und zugleich recht günstig, denn hier befinden sich noch einige der wenigen schönen Mietshäuser in kommunaler Verwaltung. Im Grunde soll das auch alles so bleiben, denn äußerliche Veränderungen an den sogenannten „landshövdinge“-Häusern sind aufgrund des kulturellen Wertes nicht gestattet. Darum werden wir auch niemals einen Balkon vor unserem Wohnzimmerfenster haben… Aber das stört mich eigentlich nur zwei Wochen im Hochsommer…

Die Feskekôrka, eine von Göteborgs feineren Sehenswürdigkeiten.

Die Feskekôrka, eine von Göteborgs feineren Sehenswürdigkeiten.

Wie dem auch sei: Rundherum wird in Göteborg ja gebaut, was das Zeug hält, – und das beunruhigt mich je mehr, je näher die wirren Pläne der Bauverwaltung unserem Viertel kommen. Aktuelles Beispiel ist die „Feskekôrka“ (Fischkirche), die beliebte Tourist-Attraktion am Rosenlund: Eine Fischmarkthalle im Langhaus-Stil, die in ihren Auslagen das Beste von der Westküste präsentiert und vor allem die Göteborger Spezialität Krabbenbrot mit Ei serviert.

Nun soll eine neue Brücke die Fischkirche mit Haga verbinden. Da seit 110 Jahren keine Brücke mehr über den Wallgraben geschlagen wurde, hat man anscheinend vergessen, wie das geht… Nein, vielmehr will man heute besonders zukunftsweisend bauen. Zum ersten Mal verwendet Göteborg Faserverbund-Kunststoff für dieses Bauwerk, da Stahl, Stein oder Holz sich mit den schrullig-alten Kai-Anlagen angeblich nicht vertragen. Die Brücke soll die geschwungenene Form einer Möwe bekommen und diagonal über das Wasser verlaufen. Kurz: Alles wird anders gemacht als bei einer stinkgewöhnlichen Brücke. Es lebe die Innovation!

Nun sehe ich vor meinem inneren Auge ein auffällig verziertes Kitsch-Brückchen – denn mit so einem Kunststoff kann man ja allerhand machen, oder nicht? Möwen- oder Schwanenform, – das erinnert mich an die Elben-Schiffe beim „Herr der Ringe“.. vielleicht auch eine „Stairway to heaven“, geflügelt und schwebend zwischen den schweren Steinhäusern der vorigen Jahrhundertwende. Ein hübscher Kontrast, aber passt das zusammen?

Die geplante Brücke oder: Ein Flugzeug-Flügel im Kanal.

Die geplante Brücke oder: Ein Flugzeug-Flügel im Kanal.

Sieht man den Architekten-Entwurf in der Zeitung, folgt die Ernüchterung, die eben jedes graue Plastik-Ding so mit sich bringt. Eine geschwungene Brücke in der Tat, aber warum denke ich an ein glattes Kotflügel-Design oder an die Tragfläche eines Kleinflugzeugs? Eine Idee vom Zeichenbrett, die vom Computer mal eben in die Stadtlandschaft ge-photoshopt wurde… Na großartig! Da regt sich der Kleingeist doch ganz zwangsläufig auf: So eine „Innovation“ gehört ins Autohaus oder auf Industriemessen, aber nicht in meine denkmalgeschützte Nachbarschaft…

Dabei ist das längst nicht alles, was uns Haga-Bewohner aufregt… und so nehmen wir die „hochschwingenden“ Pläne noch ziemlich gelassen. Dass eine Seilbahn eben jenes Rosenlund mit dem gegenüberliegenden Fluß-Ufer verbinden soll, ist noch eine Steigerung des innovativen Brückenschlags. Und alsbald wummern schon die Steinfräsen im Untergrund, um einen Eisenbahntunnel unter eben jenem Viertel zu bohren, das doch eigentlich „immer so bleiben soll wie es ist“. Und das ist noch viel beängstigender…

Advertisements

Ein Gedanke zu “Kleinflugzeug im Kanal

  1. Sieht ja wirklich seltsam aus……. Hoffe doch sehr, daß sich die Bauherren und Architekten noch was Schöneres einfallen lassen.
    Wir waren übrigens Ende Juni einige Tage in Göteborg und ich kann nur sagen „wirklich ein schmuckes Städtchen“. Hat mir/uns sehr gut gefallen…..auch wenn die ein oder andere Baustelle das touristische Ambiente etwas störte. Das Haga-Viertel sahen wir leider nur kurz – aber das was wir gesehen haben, war sehr sehr schön !

    Wünsch Dir schon mal ein schönes Wochenende !

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s