K(l)eine Satire oder: Welche Werbung geht wo?

Autos und Fußball, – das geht in der Werbe-Welt anscheinend immer gut zusammen. Vor allem der Fußballer als sportliche Persönlichkeit und Kultfigur gibt dem beworbenen Auto (oder der Marke allgemein) diesen coolen, männlichen Stempel, den man als Endverbraucher natürlich gerne mit erwerben will, wenn man gerade ein Auto kauft. Ist doch so, oder?

Oder warum setzt Opel einen Jürgen Klopp, Jaguar einen José Morinho, und – neuerdings – Volvo einen Zlatan Ibrahimovic hinter das jeweilige Steuer?? Eben!

Als Reporterin mit Testfahrer-Vergangenheit und Autohaus-Beauftragte muss ich diesen Werbeclip einfach mal dem deutschsprachigen Publikum zeigen. Mein fußball-verrückter Schwede hier zu Hause eignet sich nicht für die kritische Diskussion, denn Zlatan Ibrahimovic, Schwedens ganzer Fußball-Stolz, steht über jeder Kritik und wird hier durchweg über den Klee gelobt. Da ist sich die überwiegende Mehrheit kleiner und großer Schweden-Jungs einig: Zlatan macht uns alle happy!

Zlatan, seines Zeichens internationaler Fußball-Profi und Ablösesummen-Rekordhalter hat schon seit 2001 nicht mehr für einen schwedischen Club gespielt. Aber er sorgt regelmäßig für Begeisterungsstürme, wenn er die Nationalmannschaft mit seinen Toren beehrt. Doch davon sieht man kaum etwas im neuen Werbe-Spot der Marke Volvo. Dort gibt der Star vielmehr Einblicke in seine gute Stube, und bringt auch seine Singstimme zu Gehör! „Du gamla, du fria, du fjällhöga nord“ – diese schönen Zeilen der schwedischen Nationalhymne, im Sprechgesang von Zlatan selbst, – da schwillt das schwedische Herz. Unvorstellbar? Hört doch einfach selbst.

(Falls ihr den Film in eurem Browser nicht sehen könnt, einfach bei Youtube nach „Zlatan“ und Volvo“ suchen…)

Dass Zlatan zum Lied der Schweden sein muskulöses verlängertes Rückgrad zeigt, in den Schnee zum Jagen geht und drei Kinder auf einmal ins Bett trägt, – wow, das hat doch etwas von Dschingis-Khan! – und gibt den gleichgestellten Schweden-Männern das Gefühl wieder, eben doch vom Wikinger-Krieger abzustammen. Denn was das Komische ist: Zlatan darf ein Macho sein! Keiner sonst, aber Zlatan. Vielleicht weil er einen Migrationshintergrund hat? Der Sohn bosnisch-kroatischer Einwanderer hat sich eigentlich nie politisch korrekt verhalten, – und darum die stille Bewunderung der sonst so diplomatischen und stillen Schweden auf sich vereint.

Interessiert sich hier eigentlich noch jemand für das beworbene Produkt? Tja, der Volvo… Es ist das Butter-und Brot-Auto der Schweden, ein echter Lebensbegleiter für viele Menschen – und selbstverständliche Wahl in einem winter- und wettergeprüften Land. Hochwertig, sicher und ein wenig langweilig, trotz aller technischen und Design-Innovationen. Aber passt das nicht schön zusammen? Alles, was den Schweden lieb ist, in einem Spot vereint! Volvo hat damit hierzulande jedenfalls ein großes Aufsehen erzielt.

In Deutschland sollte es der Autohersteller aber lieber gar nicht erst versuchen. Die Zlatan-Masche auf Volvos Facebook-Seite hat vor allem viele kritische Kommentare erzeugt. Machos mit Migrationshintergrund ziehen in Deutschland eben nur, wenn sie Comedians sind. Naja, und eine Nationalhymne abseits von Staatsbesuchen und Olympiasiegen, – das geht ja wohl gar nicht…

Ich glaube, man könnte so etwas in Deutschland nie ernsthaft betreiben. In der Satire-Fassung des Werbeclips sehe ich Lukas Podolski in einen Volkswagen steigen, das Lied der Deutschen singen und danach sein breites Grinsen aufsetzen. „Nee, Leute, wenn ich schon auf dem Platz nie singe, muss ich für diesen Einsatz schon ganz schön gut bezahlt werden…“

Es wird berichtet, dass Zlatan für den Volvo-Werbespot rund 10 Millionen Kronen erhalten hat.

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2 Gedanken zu “K(l)eine Satire oder: Welche Werbung geht wo?

  1. Ich finde die Werbung mit Zlatan auch wunderbar. Normalerweise finde ich Werbung mit Sportlern extrem langweilig.
    Außerdem schätze ich Zlatan Ibrahimovic sowohl als Fußballspieler als auch als Typ. Es ist immer eine Freude zu sehen, aus welchen Positionen er geniale Tore machen kann. Der deutschen Nationalmannschaft fehlt genau ein solcher Typ. Wobei er bestimmt bei Jogi Löw keine Chance hätte, genau deshalb wird Deutschland aus meiner Sicht niemals Weltmeister werden. Gut spielen können viele, aber für den Siegeswillen, das Spiel nochmal zu drehen, da braucht es die richtige Mentalität. Unvergessen, wie er es schaffte, aus einem 0:4 Rückstand noch ein Unentschieden zu machen.

    Schweden hat übrigens die einzige Nationalhymne, die mir richtig gut gefällt. Weil eben das Land und die Landschaft und das Lebensgefühl im Vordergrund steht. Eine Werbung mit “Einigkeit und Recht und Freiheit”? Vielleicht für eine Gesetzessammlung

    In Deutschland ist die Werbung übrigens etwas gekürzt, die Szene, in der er den Hirsch ins Visir nimmt, fehlt meines Wissen. Würde bei der Veganer-Fron in Deutschland so mittel ankommen Und die Werbung endet hier “ich will in Schweden ruhen”

    Das einzige blöde ist, dass Zlatan niemals für den Fußballverein meines Herzens spielen wird

    Viele Grüße

    Julia

  2. Pingback: Der Sommer im Limbo | Nach Schweden

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