„The continental way of life“

Schweden: Nicht "klein", aber auch nicht "kontinental". Auf jeden Fall weit genug am Rande, um sich seine Eigenarten etwas länge zu bewahren.

Schweden: Weit genug am Rande und „oben“ auf der Karte, schaut es manchmal auf den Kontinent herab.

Hallo, da drüben, – ihr Kontinental-Europäer! Kennt Ihr schon den Unterschied zwischen schwedisch und kontinental? Nicht? Nein, wie auch.. ihr steht ja mitten auf dem Kontinent und seht euch als das Zentrum der Welt. Während die Schweden so quasi klein am Rande sitzen und amüsiert zuschauen. Der „Kontinent“, das ist nicht nur aus der Sicht der Insel-Europäer (Briten, Isländer) eine völlig andere Welt, – auch der Festland-Skandinavier ist vom „Kontinent“ anscheinend weit genug entfernt, um diese Abgrenzung vorzunehmen. Mit allen Vor-Urteilen, die dabei zustande kommen.

Auf jeden Fall: Die Anwendung des Wortes „kontinental“ hier in Schweden hat mich anfangs sehr verwirrt, manchmal mit Stolz erfüllt, manchmal regelrecht verunglimpft. Gerade letztens wieder… Da sind unsere Nachbarn ausgezogen. Und haben doch einfach ein altes Kinderbett mit Rahmen und Matraze vor die Hoftür auf den Bürgersteig gestellt. Dann sind sie auf und davon… ohne zu entsorgen. Na sowas aber auch!

Eine andere Nachbarin meinte daraufhin, dies sei wohl „die kontinentale Art, umzuziehen“.  Und zog vielsagend die Augenbrauen hoch. Dann verschwand sie mit ihrer Post im Treppenhaus, während ich noch Luft holte, um „hey, ich bin auch vom Kontinent!“ zu sagen…

„Kontinental umziehen“, – soll das etwa heißen, dass man weggeht wie ein Schwein vom Trog? Oder hat es mehr so etwas Großstädtisches an sich, wenn man seinen Sperrmüll einfach auf die Straße stellt? Kontinental wird immer auch in Zusammenhang mit „Laissez-faire“ gebracht. Ein Gefühl zwischen „locker bleiben!“ und „leck mich!“ Ist es denn wirklich so schlimm, übers Wochenende einen möblierten Trottoir zu haben? Tatsächlich störte mich das Kinderbett nicht im Geringsten. Aber mein italienischer Nachbar, der dreimal wöchentlich staubsaugt, hat sich wahrscheinlich kolossal (oder kontinental?) darüber aufgeregt. Soviel zu Verallgemeinerungen… Denn es gibt sie hier wie drüben: Solche – und solche.

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Ein Gedanke zu “„The continental way of life“

  1. Hej katgo, da hast Du ein interessantes Thema aufgegriffen: Warum fühlen sich die Schweden so abseits? Oder möchte man sich selbstbewusst von uns Mitteleuropäern distanzieren? – Ich denke, die Begrifflichkeit „kontinental“ hat auch mit dem Einfluss der britischen Kultur auf Skandinavien zu tun. Mit dem Zweiten Weltkrieg nahm die deutsche Kulturhoheit im Norden ab und der Blick richtete sich verstärkt auf die „Insel“. Und dort ist die Kontinental-Perspektive ja schon sehr alt. Ich meine, das schwedische Bürgertum der Jahrhundertwende um 1900 hätte eher den Pangermanismus unterstützt und sich dem Kontinent noch stärker verbunden gefühlt. – Just my two cents.

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