Göteborg, die Baustelle

Der folgende Beitrag mag jetzt verbittert oder negativ klingen, aber eigentlich war er nicht meine Idee, – sondern die meines Freundes. Eigentlich ist die Misere so offensichtlich, dass jeder sofort selbst drauf kommt: Göteborg im Sommer 2013 ist nichts, was man dem schauenden, schönheits-suchenden Reisenden anbieten sollte. Göteborg 2013 ist eine touristische Enttäuschung. Weil: eine einzige Baustelle!

An den meisten Ecken und Enden der Stadt wird in die Hände gespuckt: Gerüste zieren die Bauten, Gruben die Straßen und Schutthalden die Plätze.

Gemütliches Haga

Wenn man kein Problem mit den Stahlgerüsten hat… Gemütliches Haga

Authentische Fischmarkthalle Feskekôrka

Mit Fischbrötchen am Wasser sitzen? Fehlanzeige. Fischmarkthalle Feskekôrka

Blühende Parkanlagen der Trädgårdsföreningen

Leere Bänke wegen Baulärm: Blühende Parkanlagen der Trädgårdsföreningen

Die englische Mini-Kirche St. Andrews.

Untergraben vom Straßenbau: Die englische Mini-Kirche St. Andrews.

Unerreichbar wegen Sperrung: Ramberget mit Park mit Panorama-Aussichtspunkt

Festungsanlage Skansen Krona

Container und Paletten liegen ihr zu Füßen: Festungsanlage Skansen Krona

Linnéplatz mit Eingang zum Park Slottskogen

Stau und Straßenchaos verpesten die Luft: Linnéplatz mit Eingang zum Park Slottskogen

„Wie Sie sehen, sehen Sie die Sehenswürdigkeiten vor lauter Baustellen nicht…“ Das ist ganz schlecht fürs Image, da kann sich das Göteborger City-Marketing noch so ins Zeug legen.

Neuschwanstein am Krückstock 2012.

Neuschwanstein am Krückstock 2012.

Ich erinnere mich noch gut, wie wir im letzten Jahr der Spur der Weltwunder gefolgt sind und uns das Märchenschloß Neuschwanstein angeschaut haben. Und wie enttäuscht ich war, als ich statt einer Prachtkulisse auf dem Berg ein Baugerüst schauen musste! „Ein verbockter Christo“, dachte ich, „eine Beinschiene“ oder „ein Turm am Stock“.. das waren meine bleibende Eindrücke von Neuschwanstein. Nicht in erster Linie Ludwigs perfektes Bauwerk und unendlicher Größenwahn.

Göteborgs Sehenswürdigkeiten werden im Sommer 2013 ähnliche Eindrücke hinterlassen. Und mit ihnen bleibt die Erinnerung an das Knirschen von Sand auf der Kanelbulle. Vom Schotterstaub auf den Schuhen. Der Lärm der Baufahrzeuge. Der von Containern verstellte Blick. Die Unüberwindlichkeit gewisser Straßen, – vom Autoverkehr ganz zu schweigen. Der soll sowieso die Stadt verlassen, darum sind Straßen umgeleitet, gesperrt und weiträumig mit einem Wegzoll belegt worden („trängselskatt“). Ich beklage mich nicht, – das war die Idee meines Freundes. Aber wäre ich (noch) Tourist in dieser Stadt – ich würde mich lautstark beim Fremdenverkehrsamt beschweren.

Die, die hier ihr ganzes Leben gewohnt haben, sehen die baulichen Veränderungen mit Sorge. Klar, alles muss mal repariert werden – aber ob es danach auch schöner wird, steht auf einem anderen Blatt. Gebaut wird eigentlich nur, weil Göteborg auf lange Sicht eine richtige Großstadt werden soll. Das Motto ist sehr zeitgemäß: wachsen, wachsen, wachsen… 2023 ist das große Stadt-Jubiläum, und dann will man gegenüber dem großen Stockholm auch einmal etwas vorweisen können…

Touristen rate ich an dieser Stelle: fahrt lieber raus aufs Land. Schweden ist viel größer und viel schöner als seine drei größten Städte. Ich hoffe, eines Tages werden meine neuen Landsleute das selbst wieder zu schätzen wissen.

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4 Gedanken zu “Göteborg, die Baustelle

  1. Das sieht ja wirklich bisschen trostlos aus mit all den Baustellen, Gerüsten und dazu dann noch den Baulärm. Ich wollte schon längst mal „rüber“ nach Göteborg, hörte bzw. las immer nur welch schöne Stadt Göteborg doch sei und dachte immer man müsse mal ein verlängertes Wochenende hierfür einplanen. Nun weiß ich jedenfalls, daß ich dieses Jahr nicht mehr in diese Richtung planen brauche……und hoffe, daß es dann im nächsten Jahr wieder wesentlich besser dort aussehen wird.
    Für Euch, die in der Nähe leben, ist es sicherlich nicht so dolle wenn ihr nun diese Baustellen oft vor Augen habt, jedoch – wie Du schon schreibst – es gibt ja noch so viele wunderschöne andere Stellen in Schweden die unbedingt sehenswert sind.
    Genießt diese herrlichen Plätze, wo auch immer ihr die finden werdet !
    Lieben Gruß aus dem Nachbarland

  2. Das sieht ja aus wie bei uns in Oslo! Dann verschiebe ich die Fahrt nach Göteborg mal lieber noch ein bisschen. Toller Blog, macht sehr viel Spaß zu lesen. Gruß Ulrike

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