Wenig dran, viel drumherum – meine allererste kräftskiva

Sonnen-Lampions und lustige Hüte gehören zur Dekoration.

Zum schwedischen Sommer – vor allem, wenn er seinem Ende zugeht – gehört die berühmte Krebsfest-Sause: „kräftskiva“. Ein Schwelgen in Schalentieren, sozusagen, und ein Muss für viele Schweden. – Doch sehr exotisch für Ausländer wie mich.

So feierte ich also – schon kurz vor Ende der Saison – mein allererstes Krebsfest überhaupt. „Kräftskiva“ mit Freunden und allem, was dazu gehört. Also Freunde eben, – das ist sehr wichtig. Und dann natürlich  viel Getier auf dem Teller. Krebse in allen Variationen (siehe unten, ein Auszug aus wikipedia).

Aber nicht nur das Essen, auch das „Drumherum“ macht eine echte kräftskiva aus: Zum Beispiel die gebräuchliche Dekoration, die einen in die richtige Stimmung versetzt und sicher auch praktischen Nutzen hat. Bunte Papier-Sets, Servietten und Lätzchen (!) mit Krebsmotiv werden bereit gelegt, damit das doch recht rabiate Öffnen der Schalen mit bloßen Händen in zivilem Rahmen bleibt.

Dass die Gäste einer kräftskiva dann auch noch „lustige Hüte“ aufziehen müssen und unter einer Papier-Laterne mit Sonnen-Gesicht speisen, hat wohl eher gesellige Funktion. Eine Mischung aus Karnevalssitzung und Lampionfest kommt mir in den Sinn, als unser Gastgeber das erste Glas „zum Wohl“ erhebt und allen Ernstes ein Lied anstimmt.

Kräftskiva – so sieht das aus… Foto: Katgo

„Ein Krebs, ein Lied, ein Schnaps“ – ist ja ohnehin der Leitspruch einer kräftskiva. Man konzentriert sich eben auf das Wesentliche. Und wie zum Zeichen der Wertschätzung für das feine Krebsgetier hat man neben ihm besonders wenig – also extrem! wenig – Beilagen. Brot, Dip, und eben Schnaps. Skål!

Passt allerdings auch nicht schlecht zusammen… also, der Alkohol und dieser kleine Einweiß-Schock aus dem Schwanz des armen Krabblers. Und nicht zuletzt hilft der Kurze, die vielen Bedenken runterzuspülen, denn eigentlich mag ich es ja nicht, wenn ein ganzes Tier auf meinem Teller liegt. Und eigentlich ist das irgendwie eklig mit Augen, Beinen und Rogen dran – ganz zu schweigen vom schrecklichen Tod, den die Krebse erleiden müssen……. „Nimmst du noch einen?“ – „Klar – Augen zu und durch!“

Reich gedeckter Krebs- und Krabbentisch – oder: Die Klaue, die den Appetit verdarb… Foto: Katgo

Aber man lernt eine Menge über Anatonie. Während man den kleinen Shrimp im Salat einfach so verschlingt, sieht man beim Flußkrebs, respektive Kaisergranat wenigstens, was wo in ihm steckt. Viel zu verschwenderisch beschränken sich die meisten Esser auf das Fleisch in den Schwänzen, die Scheren geben noch nichts her, – und so wird der Rest einfach weggeworfen. Wenig dran, viel drumherum, möchte man sagen. Eigentlich viel zu schade.

Als der Gastgeber deshalb noch für jeden eine halbe Krabbe auftischt, habe ich genug gesehen. Nicht nur dass sich hier alle Innereien so farbenprächtig offenbaren – ich muss instinktiv an eine Spinne denken, wenn mir diese langen Beine über den Teller laufen. „Nein Danke, – aber ich nehm gern noch einen Schnaps….!“

Irgendwo habe ich gelesen, dass viele der importierten Krebse und Krabben aus Ländern kommen, in denen sie einfach aus ethischen Gründen nicht gegessen werden. Zu widrig, zu merkwürdig, wie Heuschrecken oder Maden. Ich glaube, ich geselle mich dazu: Man kann über alles schreiben, aber man braucht nicht alles essen…

Foto: Dragon187, wikimedia.commons, CC BY-SA 3.0

Und hier eine kleine „Krebskunde“, auf die Schnelle zusammengestellt:

„Insjökräfta“ – Flußkrebs: Aus der ländlichen Tradition, regelmäßig im August Flußkrebse aus den schwedischen Seen zu fangen, entstand die ursprüngliche „Kräftskiva“. Schwedens Flußkrebse gehören zu den Edelkrebsen, sie sind grünlich bis braun und nachtaktive Allesfresser. Sie fühlen sich in reinen Gewässern wohl – sind somit ein Indikator für die Wasserqualität.

Foto: wikimedia.commons, gemeinfrei

„Havskräfta“ – Kaisergranat: Weil Krebse aus schwedischen Inland-Seen schwer zu bekommen (und zu teuer) sind, schummeln viele Küstenbewohner und kaufen für ihre Kräftskiva stattdessen „Meeres-Krebse“. Dabei handelt es sich um den rötlichen Kaisergranat, der auch „Schlank-Hummer“ genannt wird. Er kommt unter anderem im Skagerrak und in der Nordsee vor.

Foto: Betacommand, wikimedia.commons, CC BY-SA 3.0

„Signalkräfta“ – Signalkrebs: Ursprünglich eine Art der höheren Krebse aus Amerika, hat der Signalkrebs heute große Teile des europäischen Flußkrebs-Bestandes verdrängt. Er gilt zwar nicht als Auslöser, aber doch als Überträger der „Krebspest“, gegen die er immun ist. Der Signalkrebs mit den auffallend roten Flecken ist etwas kleiner als der Flußkrebs, hat dafür aber oft größere Scheren.

Foto: Hans Hillewaert, wikimedia.commons, CC BY-SA 3.0

„Krabba“ – Krabbe / Taschenkrebs: Gehört zu den Zehnfußkrebsen und zeichnet sich durch den platten, gepanzerten Körper, die ausgeprägten Klauen und die seitlichen Fortbewegung aus („Krebsgang“). Er hat seine natürliche Verbreitung im Schelf des Ostatlantiks und der Nordsee. Als Delikatesse gelten die Scheren, man kan aber auch die „Krebsbutter“ im Inneren verzehren.

Übrigens: Nach der Krebs- ist vor der Hummer-Saison. Ab 20 September dürfen vor Schwedens Westküste wieder die edelsten aller Krebse gefangen werden. Die Anzeigen-Spalten sind voll mit entsprechenden Menu-Vorschlägen und kulinarischen Angeboten. Letztes Jahr erzielte der Premieren-Fang („premiärlåda“) einen Rekord-Preis von 31600 Kronen pro Kilo! Danach gingen die Preise auf das haushaltsübliche Maß von 350 Kronen /Kilo zurück.

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3 Gedanken zu “Wenig dran, viel drumherum – meine allererste kräftskiva

  1. Huhu Schatz, so finde ich dich wieder (ups, verzeih‘ mir den „Schatz“ – aber der ist eingebrannt 😉 )
    Nach all den Jahren kann und möchte ich dir hier meine Bewunderung für deinen Mut alles abzubrechen und ganz neu anzufangen ausdrücken. Schade, dass wir es nicht zusammen in Frankreich geschafft haben. Aber …. naja nichts für hier. Ich hoffe es geht dir gut und du bist glücklich.

  2. Ja, genau, so ist es mit dem Gemetzel! Bin auch in Schweden gelandet und gestern auf Dein Blog gestoßen und hab’s gleich abonniert. Hier komm ich jetzt öfter hin! Liebe Grüße aus dem „tiefen Süden“ (Helsingborg).

  3. Pingback: Schwelgen in Schalentieren: Krebsfeste in Schweden feiern - Schwedenstube.de

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