Mütter im Mittelpunkt

Heute wird in Schweden nicht nur Pfingsten, sondern auch Muttertag gefeiert. Anders als in Deutschland ist dies immer der letzte Sonntag im Mai, – und auch in meiner neuen schwedischen Familie wurden die Mütter heute geehrt, mit Frühstück beglückt und eingeladen.

…und Kinder sind die Stars: Wie diese jungen Trachten-Trägerinnen bei einem Event im Stockholmer Skansen-Park. Foto: Katgo

Da ich selbst keinen Nachwuchs habe, wurde hier bisher auch nicht drüber berichtet, – aber heute muss ich aus gegebenen Anlass einmal sagen: Schweden ist auffällig kinder- und damit also mütterfreundlich. Laut Statistik sind zwei Drittel aller schwedischen Frauen Mütter, 50 Prozent davon haben zwei oder mehr Kinder. Gefühlt sind hier alle ab 30 aufwärts ständig schwanger oder in Elternzeit – wobei die Männer ganz vorbildich (also zu gleichen Teilen) ihren Vaterpflichten nachkommen. Viele nehmen sich ein halbes Jahr und länger frei , um ihrem Nachwuchs nah zu sein.

Ähnlich selbstverständlich und bequem ist das Zuhausebleiben, wenn das Kind einmal krank ist. Na, und die ur-soziale Urlaubsregel mit Anspruch auf vier zusammenhängenden Wochen am Stück (im Sommer !) ist natürlich auch ein echter Familientraum.

Doch es gibt natürlich auch Gequengel wie überall – und Dinge, die im Argen sind. So macht die große Kinderschar den Verantwortlichen in den Stadtteilen mitunter Sorgenfalten. Gerade hier in Haga-Linné reichen die Kindergarten-Plätze nie aus. Kein Wunder: Meine „Schwiegermutter“ meinte, wir würden im kinderreichsten Stadtviertel Europas (!) wohnen. Ob das nun so stimmt, habe ich nicht nachrecherchiert – aber es reicht wohl für entsprechenden Zündstoff.

Eltern-Demos und Bürger-Initiativen haben sich in letzter Zeit Gehör verschafft, sodass die Stadt gezwungen war, eine „vorläufige Vorschule“ aus dem Boden zu stampfen. Oder eher: aus dem Berg zu hauen! Wo zuvor die hübschen Parkterrassen des Skansberges zum Feierabend-Picknick einluden, sind seid kurzem die Bagger unterwegs. Vielleicht eine Container-Lösung, vielleicht ein ewiges Provisorium? Andere Pläne für diese Flächen wie stadtnaher Gemüseanbau aka. Schrebergärten wurden jedenfalls schnell ad acta gelegt. Schade, denn gerade diese Seite des Berges mit seinen sonnigen Aussichtspunkten ist einer meiner Lieblingsplätze in Göteborg.

Aber damit ist klar, wo die Prioritäten liegen: In der Zukunft, bei den Kindern. Naja, vielleicht nicht das Schlechteste, wenn man der Überalterung vorbeugen und weiter in allen Belangen „wachsen“ möchte. Wenn man sich bloß bei den Jugendlichen und den vielen jungen Arbeitslosen genauso engagieren würde… Vielleicht auch – und gerade – ein Thema für den Muttertag…

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2 Gedanken zu “Mütter im Mittelpunkt

  1. Ich finde es schön, dass das Kinderkriegen hier so unproblematisch in den Alltag integriert wird. Vor allem beruflich ist es doch für Frauen in Deutschland oft eine Entscheidung zwischen Job oder Kindern, hier dagegen lässt sich beides gut vereinbaren. Man wird vom Arbeitgeber nicht zum „Firma-Enttäuscher“ gestempelt, wenn man sich dafür entscheidet, Kinder zu bekommen und der Wiedereinstieg ist auch in den meisten Fällen unproblematisch. Ganz zu schweigen von der Selbstverständlichkeit, mit der auch die Väter ihre Auszeit vom Job nehmen um sich gleichberechtigt um den Nachwuchs zu kümmern. Da hinkt man in Deutschland noch gewaltig hinterher. Schön, dass du das Thema anschneidest!

  2. Pingback: Mehr als ein Zaungast bei zahlreichen Taufen | Nach Schweden

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