Genuss von A nach B

Ich bin ja weiß Gott ein sparsamer Mensch, beizeiten könnte man mich gar geizig nennen. Wenn ich einen angebrochenen Becher Sahne habe, sehe ich zu, ihn am nächsten Tag zu verwenden – und sei es nur, um die Tomatensuppe aus der Tüte zu verfeinern. Ich halte es für Verschwendung, länger als 10 Minuten zu duschen, und ich ersetze auch nicht mein Handy, nur weil es jetzt Smartphones gibt.

Aber beim Reisen… da ist alles anders. Da mag ich einfach nicht auf den Pfennig schauen. Ich bin die ideale Zielgruppe für Gastronomen, Reiseveranstalter… und mitunter auch Fährgesellschaften. Denn soeben sitze ich auf der neuen Fähre Stena Germanica von Göteborg nach Kiel – und lasse mich verführen: Von einem ofengebackenen Rinderfilet, dass so zart ist, dass man es … (Achtung Snob-Phrase:) „einfach mit dem Löffel essen könnte“.

Dabei bin ich eigentlich zur Zeit ziemlich blank. Das Auto wurde gerade repariert und solche Kosten tun mir immer in der Seele weh. Aber für dieses formvollendete Steak 235 Kronen zu zahlen, ist hier und jetzt für mich völlig ok. Und dabei bin ich noch nicht mal in netter Begleitung hier, sondern ganz für mich allein, im Bordrestaurant, mit Stoff-Servietten und Platz am Bug-Fenster.

Stena Germanica

Neues Schiff, neues Konzept auf der Linie Göteborg-Kiel. Seit 2011 bei Stena im Einsatz. Foto: Stena Line

Die Stena Line setzt natürlich ganz klar auf diese Art der Versuchung — fern ab des Alltags, auf offener See. Das Genuss-Konzept wird vor allem von fröhlichen Rentnern angenommen und nicht unbedingt von Leuten, die regelmäßig zwischen Schweden und Deutschland pendeln (müssen). Natürlich verdienen die Fährgesellschaften immer an der Tatsache, dass man zu Wasser ja nirgendwo anders hin und essen gehen kann. Das Prinzip ist klar: auf Flughäfen und Raststätten ist es auch immer teurer als anderswo. Darf man dort also überhaupt genießen? Oder sollte man schon aus Protest gegen das örtliche Monopol als grummelder Konsumverweigerer an Bord gehen?

Denn zugegeben: Es ist recht teures Reisen von A nach B – man könnte also in der Tat hier sitzen und sich ärgern, dass man auf das Angebot an Bord angewiesen ist (wenn man gerade keine Stullen dabei hat…). Und tatsächlich drehen sich viele Gespräche rechts und links von mir um die Preise. Aber darum gleich schlechte Laune kriegen – wie nach dem Werkstatt-Besuch? Sich die ganze Reise verderben lassen? Oder einfach das genießen, was hier für Geld geboten wird? Denn das ist auf diesem speziellen Schiff inzwischen viel mehr als noch vor einigen Jahren. Der Kabinen-Standard, die Küche, das Ambiente haben sich mit dem neuen Schiff nochmal um einiges über den Meeresspiegel der Ostsee erhoben.

Aber es liegt wohl einfach daran, was man eigentlich „wert schätzt“ – und das ist ja bei jedem unterschiedlich. Bezahle ich gutes Essen mit einem Lächeln? Oder ein Möbel oder ein neues elektronisches Spielzeug? Wer’s nicht so dicke hat, weiß wenigstens wo seine Prioritäten liegen.

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2 Gedanken zu “Genuss von A nach B

  1. Ach, man muss die Feste feiern wie sie fallen. Und es gibt wirklich kaum eine bequemere Variante als mit der Fähre von Göteborg nach Kiel zu reisen, wenn man von Schweden nach Deutschland möchte und das Auto mit soll. Genieß die Reise!

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