„Pardon my french“, sagt der Schwede

"Fransman" = Franzose: Jean-Baptiste Bernadotte wurde 1818 als Karl XIV. Johann zum König von Schweden. Fotos: wikimedia.commons, gemeinfrei.

Hab ich mich eigentlich schon mal beölt über das Französisch hier? Dass die Sprache der Schweden eine erstaunlich hohe Anzahl französischer Lehnwörter hat, ist natürlich nichts Neues. Das merkt man bereits im Anfänger-Sprachkurs, wenn man bei „restaurang“ und „toalet“ angekommen ist. Wo eben diese Schreibweise mir sofort wie ein saurer „vin de table“ aufgestoßen ist.

Nein, ich rege mich nicht künstlich auf… Hier geht es um die Demontage der „grande nation“ und der „schönsten Sprache der Welt“ (Eigenwerbung)!

Französisch war in Schweden mal die Sprache der Gebildeten und der oberen Zehntausend. Und dann kommt Bauer Harms aus Büttenwarder (oder Rune Björk aus Toftagård) und verballhornt das Ganze! Wie jemand, der mal ein „vörnehmes“ französisches Wort gehört hat und es genauso aufschreibt wie es klingt: So gehen die Schweden mit dem Vokabular um, das zunächst die großen Aufklärer und dann die Bernadottes in den Norden gebracht haben. „Perlen vor die Säue“ würde die Académie française in ihr Dictionnaire schreiben…

A-ring wird O. Orthografie auf hohem Nivå.

Kardinal Richelieu und die "Immortels" der Académie würden glatt vom "fåtölj" fallen.

Oder aber man nennt dieses Phänomen „försvenskning“ – „Verschwedischung“. Es ist nicht nur eine praktische Vereinfachung, – wie etwa aus Vokal-Pärchen einen Umlaut zu machen: friseur = frisör. Machen wir im Deutschen ja auch… Aber schon auf höherem sprachlichen „Niveau“ muss man die französische Orthographie zumindest mal live erlebt haben. Den Schweden ist das schnuppe, sie haben ihr eigenes „nivå“. Klingt genauso – schreibt sich aber viel einfacher.

Dies geht mitunter soweit, dass man die französischen Ursprungswörter selbst gar nicht mehr erkennt. Nicht nur in „pjäs“ = pièce oder „fåtölj“ = fauteuil. Wenn etwa Peps Persson sein „trollmoj“ besingt, muss man schon sehr lange nach dem hier versteckten „mojäng“ = moyen forschen. Doch wer im Grunde seines Herzens frankophil ist (so wie ich, hach*), macht sich stets die Mühe, nach den romanischen Wuzeln eines Wortes zu suchen. Ganz klar eine Frage der „attityd“ = attitude.

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Ein Gedanke zu “„Pardon my french“, sagt der Schwede

  1. Ich finde diese Art Absorption anderer Sprachen eigentlich ganz erfrischend. Während mancher Deutsche krampfhaft bemüht ist, im Café seiner Wahl auch ja den richtigen italienischen Plural von Cappuccino zu bilden, macht der Schwede einfach aus dem Fremdwort ein schwedisches Wort. So wie es eigentlich alle Sprachen im Laufe der Zeit gemacht haben – beispielsweise mit „bœuf“ zu „beef“. Und weil der Schwede gerade so schön dabei ist, passt er halt auch gleich die Orthographie mit an. Und warum auch nicht. Ich sage und schreibe auch Kopenhagen, obwohl die Stadt København heißt und spätestens wenn ich beim Kajakpaddeln einen Anorak anhabe, bin ich ganz froh, dass ich mich nicht mit dem polysynthetischen Sprachbau der grönländischen Sprachfamilie auseinandersetzen muss und ein lateinisches Alphabet verwenden kann.

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