Sahlgrenska

Sahlgrenska

"Ein Motor für die Entwicklung des westschwedischen Gesundheitswesens..." Foto: Marie Ullnert

Sahlgrenska – das ist ein Begriff in Göteborg. Das Universitätskrankenhaus, größter Arbeitgeber der Region für ca.  16.000 Menschen, Klinik-Apparat mit 2.100 Betten verteilt auf 140 Abteilungen, die wiederum verstreut sind in 4 Krankenhaus-Cluster der Stadt (Sahlgrenska, Östra, Mölndal, Högsbo). 1.600 Leute werden hier zu Klinikpersonal ausgebildet, und hochklassige Forscher tummeln sich an der Sahlgrenska Akademie der Göteborger Universität.

Außer dem Namen ist nicht viel geblieben aus der Zeit, in der ein gewisser Niclas Sahlgren das Krankenhaus stiftete und so den Grundstein für die medizinische Versorgung Göteborgs legte. Das war 1772. Erst das „neue“ Krankenhaus am Änggården bestand fort. Es wurde 1899 von König Oscar II. eingeweiht und wuchs auf den Hügeln von Guldheden zu einem der größten Krankenhäuser Schwedens.

Hier oben steht also heute das markante Hauptgebäude – „Sahlgrenska Huvudentré“ – mit seinen 18 Stockwerken, Platz für 628 Patienten und 23 Abteilungen. Es ist aus dem Jahr 1959, die Zeit der Gulags und des kalten Krieges, und (jetzt wird dieser Bericht persönlich…) wenn man wie ich als leidender Insasse,… also Patient, dort einsitzt, dann fühlt man sich – zumal im Winter! – wie in einer Umerziehungsanstalt im sibirischen Wladiwostock. Zurück in der Sowjetunion im Jahre 1959… Ein monumental tristes Gebäude und leider der einzige Blickfang aus meinem Fenster auf Station 67: Erschlagend niederschlagend… als sei man nicht schon krank genug.

Sahlgrenska

...In einem monumental tristen Gebäude, das an sowjetische Zeiten erinnert... Foto: Katgo

Für die Operation wird man in den Keller gefahren, wo die OP-Säle sich aneinanderreihen. Lange Flure, kaltes Licht, fabrikmäßige Geschäftigkeit, Pre-OP, Post-OP. Tatsächlich sagen die Ärzte unumwunden, sie operieren „am Fließband“, um gegen die langen Warteschlangen anzukämpfen. Es werden eigens „Mietärzte“ – hyrläkare – angeheuert, die nur operieren. Leute sollen nicht länger als drei Monate auf einen OP-Termin warten. So wie ich. Als ich zum wiederholten Male meinem Termin hinterherlief, sagte die Koordinatorin noch so zögernd: „Naja, das Krankenhaus muss ja sparen – …. aber gut, wir können Ihnen einen Termin am 6.2. geben.“ Ein Montag.

Und seither fühle ich mich unterschwellig wie ein Montagsmodell. Denn nicht alles lief anscheinend so reibungslos in der OP-Fabrik. In den Tagen danach bekam ich hohe Infektionswerte und ein inneres Hämatom, musste am Antibiotika-Tropf liegen und bin nach drei Wochen noch immer ziemlich schlapp. Aber es wird schon wieder, heißt es. Man muss Geduld haben… Wenn die Schweden an etwas glauben, dann an die Schulmedizin. Im Übrigen ist es hier nicht anders als in Deutschland: Ein Krankenhaus ist nun mal nichts für Sensibelchen.

Auch wenn die Schwestern und Ärzte alle sehr lieb und fürsorglich waren – dieses Krankenhaus hat mir irgendwie Angst gemacht. Damit ich so bald nicht wieder „einsitzen“ muss, habe ich prompt erstmal aufgehört zu rauchen…! Am liebsten will ich das „Sahlgrenska Universitetssjukhus“ nur noch im Vorbeifahren mit der Tramlinie 6 erleben. Ganz vermeiden lässt sich dieser Moloch in Göteborg allerdings nicht.

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