God Jul: Der brennende Weihnachtsbock

Zu hohe Erwartungen sind bekanntlich der Tod eines besinnlichen Weihnachtsfestes, und manche verwechseln „besinnlich“ damit, dass sie bis zur Besinnungslosigkeit vorbereiten, schmücken, backen, planen und kaufen. Vor allem kaufen…

Der Julbock aus Stroh brachte im Norden die Geschenke, bevor der Weihnachtsmann populär wurde. Foto: Katgo

Ich bin ja nun eine Freundin des Selbstgemachten. Gerade beim Weihnachtsschmuck, auf schwedisch „julpynt“, freue ich mich am meisten über eigene Handarbeit. Selten fehlt es mir an Ideen, doch oft genug an Werkzeug, Material oder schlicht: Geschick. Trotzdem konnte ich mich die letzten Tage auf ein besonderes Weihnachtsprojekt „besinnen“. Und zwar auf den schwedischen „Julbock“.

Dies ist eine Weihnachts-Gams – also ein Ziegenbock, der hier traditionell aus Stroh geflochten wird. Es gibt ihn von ganz klein bis überlebensgroß. In diesem Jahr sah ich ihn als Deko aus Tannengrün, mit Lichterkette an den Steinbock-Hörnern. Und das wollte ich doch gern einmal nachahmen.

Der größte Julbock Schwedens steht übrigens in der Stadt Gävle, haushoch und wunderschön anzuschauen – bis er „alle Jahre wieder“ von Leuten angezündet wird, die das irgendwie als Volkssport ansehen. Seit 1966 wird er zur Adventszeit auf dem Schloßplatz in Gävle aufgestellt: in diesen 45 Jahren ging der Bock ganze 28 Mal in Flammen auf. Auf diese gute Zweidrittel-Chance kann man inzwischen sogar Geld wetten!

Der stattliche Julbock von Gävle im Jahre 2004, Foto: Baltica, public domain

Nur ganz ungeschickte Brandstifter werden dabei geschnappt, wenn sie den Julbock in Gävle abfackeln. Einer davon war ein amerikanischer Tourist, der das Wahrzeichen der Stadt anzündete, weil er dachte, dies sei ein fester Teil der Weihnachtstradition – ähnlich wie das Biike-Brennen oder Osterfeuer. Deutschen Touristen sei also gesagt: es soll NICHT so sein, dass der Bock brennt. Eine Webkamera und Impregnierungsmittel werden inzwischen zur Abwehr der Feuersbrunst eingesetzt. Mit wenig Erfolg – auch in 2011. Youtube-Video vom Tatort…

Nun ja. Dies alles hatte ich im Sinn, als ich meinen Bock aus handverlesenen Tannenzweigen flocht. Das Ergebnis ist ein statisch fragwürdiges Gebilde, für das zwar keine Brand-, dafür aber Einsturzgefahr besteht. Natürlich fehlten mir die Tischler-Fertigkeiten, um ein Gerippe zu bauen – und die Naturzweige von einem umgestürzten Baum aus Mölnlycke erwiesen sich von selbst als wenig standfest. Dennoch: ich finde meinen Julbock schön. In seiner „natürlichen“ Form erinnert er mich an einen „treent“ – oder vielmher einen Tannen-Ent – aus dem Herrn der Ringe. Die Schnauze und die Ohren sind sehr fluffig und frech,  und die Hörner mit der kleinen LED-Lichterkette ein fast perfekter Bogen.

Keine Brand-, wohl aber Einsturzgefahr. Der Julbock von Haga 2011... Foto: Katgo

Damit er nicht umfällt, haben wir meinen Julbock jetzt ein bißchen schräg gegen den Kamin gelehnt. … Keine Angst, der Ofen ist nicht in Betrieb – und kann damit auch nicht den Julbock anzünden. Alles nur zur Dekoration !

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4 Gedanken zu “God Jul: Der brennende Weihnachtsbock

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