Dauer-Thema Aufenthaltsrecht

Dieser Artikel müsste eigentlich in einer Kategorie „typisch deutsch“ erscheinen. Denn er dreht sich um Behördenkram…

Göteborg im Oktober. Es ist windig, aber die Frisur sitzt. Das Make-up ist dezent, die Akten-Umhängetasche seriös, die Fahrkarte griffbereit, die Zigaretten gut versteckt. Wozu der ganze Aufwand? Ich bin auf dem Weg zur Ausländerbehörde, um Fragen zu meiner Aufenthaltsgenehmigung zu stellen.

Göteborg im Oktober. Ich will bleiben, und zwar dauerhaft. Foto: Katgo

Natürlich hab ich mir vorab wieder viel zu viele Gedanken gemacht. Die Schauergeschichten gelesen von der 91-jährigen ukrainischen Großmutter, die abgeschoben werden sollte. Von der Kindergartenhelferin aus Kurdistan, die laut Behörde 200 Euro zu wenig verdiente, um sich hier selbst zu versorgen. Aber auch von den strengen Einwanderbestimmungen in Dänemark, die die neue Regierung auf den Prüfstand stellen will.

Das Misstrauen gegenüber den Behörden sitzt also tief (typisch deutsch). Sowie gleichzeitig der naive Glaube,  mit einem besonders guten Auftreten etwas beeinflussen zu können – siehe Frisur und Aktentasche…

Am 30.12. läuft meine Aufenthaltsgenehmigung aus. Ich wollte daher wissen, welcher Weg für mich am besten ist, um letztlich ein permanentes Bleiberecht zu bekommen. Wollte keine Verfahrensfehler machen, keine Missverständnisse aufkommen lassen. Ich dachte an meine Mutter, die in Deutschland alle zwei Jahre zur Kreisverwaltung fahren musste, um ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern zu lassen. Obwohl sie längst viele Jahre mit Papa verheiratet war… Ihren „permanent“-Status hat sie erst kurz vor der Rente bekommen! Damals „war das eben so“, sagt sie immer. Verrückt, denn heute bin ich in einer ähnlichen Situation bin wie sie vor 40 Jahren… Und ich will nicht, dass mein Aufenthaltsstatus zum Dauer-Thema wird.

Es gibt unter den Einwanderern nach Schweden immer dieses Gerede von „upehållstillstånd“ und „uppehållsrätt“. Es klingt immer so, als sei das „rätt“ besser als der „tillstånd“. Warum? Ein Beispiel:  Eine Frau, die einen Arbeitsvertrag in Schweden unterschrieben hat, kriegt sofort das uppehållsrätt. Eine Frau, die einen Schweden liebt und dafür ihren Job gekündigt hat, bekommt den „tillstånd“. Ein Flüchtling aus Somalia bekommt auch den „tillstånd“. Es wird daher – insgeheim oder auch ganz offen – klassifiziert und gewertet. Wer ist mehr willkommen, wer ist der bessere Ausländer – und in welcher Schublade liege ich mit meinem Fall? Ich bin diese ganze Diskussion so leid – und habe mich doch davon beeinflussen lassen.

Der Dame in der Ausländerbehörde ist das alles ziemlich schnuppe. Sie hat mir gute Chancen auf den „permanent“-Status bereits nach zwei Jahren eingeräumt. Und mir klar davon abgeraten, meinen Status jetzt noch von „tillstånd“ zu „rätt“ zu ändern, denn dann verliere ich die angesparten „Zeiten“. Ähnlich wie beim Wechsel der Autoversicherung…

Also, fast im Nebensatz rettete sie damit meinen Tag: Permanente Aufenthaltsgenehmigung nach 2 Jahren, Möglichkeit zur schwedischen Staatsbürgerschaft nach 3 Jahren! „Du bist doch immer noch mit deinem Mann zusammen?“ – Ja…! – Gut! Dann reich‘ uns demnächst deinen Antrag ein.. Hier sind die passenden Formulare!

… YAY!….

Der Status wird nunmal dadurch bestimmt, wie man hier ankommt. Für uns EU-Mitbürger ein Luxusproblem – ohne wirkliches Problem… Komme ich als reiche Erbin mit einer Schwäche für Schweden, als Familie mit Erspartem, als Arbeitstier, als Student oder als verliebter Gockel? Im Ausländerregister werde ich seit 2010 praktisch als „Anhängsel“ eines schwedischen Staatsbürgers geführt – und das ist auch gut so, denn das kam schließlich vor allem anderen. Nur weil ich später auch arbeitete und mich selbstständig machte, brauche ich meinen Status nicht zu ändern. Die schnelle Genehmigung für „Angeheirate“ (wobei man nicht verheiratet sein braucht) ist nicht nur politisch gewollt, sie macht auch Sinn – im Sinne eines normalen Familienalltags, im Sinne der Gleichstellung, im Sinne einer offenen Gesellschaft.

Amen..! Ich hoffe, dass ich bald mit diesem ganzen leidigen Thema durch bin. Und zwar permanent!

Hier nochmal der Link zur schwedischen Ausländerbehörde – Migrationsverket.

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Ein Gedanke zu “Dauer-Thema Aufenthaltsrecht

  1. Hi!

    Witzig, ich habe auch letztens neu eingereicht und mich zu diesem Thema erkundigt. Ich habe mir allerdings gar nicht soviele Gedanken dazu gemacht und war auch nicht dort, habe mich nur schlau gelesen. Was ich so gelesen habe, duerften wir als EU Buerger – solange unsere Beziehungen noch aufrecht sind – kein Problem haben. Aber ich verstehe, dass fuer dich als Eigenunternehmerin wichtig ist, ob du bessere Vorteile hast wenn du deinen Status umschreiben lässt.
    Bei uns war uebrigens „tillstånd“ mehr begehrt als „rätt“ da man nach dem SFI Kurs einen Bonus zugesprochen bekam wenn man die Kurse in weniger als einem Jahr und in den ersten 15 Monaten nach seiner Einreise abgelegt hatte. Alle die Mädels mit Aufenthaltsrecht-„rätt“ habden leider durch die Finger geschaut. Witzig, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sind, je nachdem wie und wo man ist und was man macht. Aber nach dem PUT sehne ich mich schon lange, viele Dinge sind einfach nur mit PUT möglich, zum Beispiel einen Studienlohn nehmen.
    Ich druecke dir fest die Daumen, alles wird gut gehen. Du bist jetzt doch sogar doppelt verwurzelt durch Arbeit & Beziehung, hast wahnsinnige Fortschritte in deiner Integration gemacht und wirst keinerlei Probleme haben das PUT zu bekommen.
    Drueck dich.
    Jasmin

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