Wer den Öre nicht ehrt,… schafft ihn ab

Das liebe Geld – beschäftigt mich natürlich auch hier in Schweden. Umso mehr, weil ich es so gut es geht zusammenhalte und dabei eigentlich auf jeden Pfenning schauen muss. Nur: Die Entsprechung für den Pfennig gibt es in Schweden gar nicht mehr!

100 Kronen sind ja umgerechnet gerade mal 10-11 Euro, eine Krone entsprechend 10 Cent, und ein Öre – als kleinste Einheit… nunja, 0,1 Cent. Diese Ein-Öre-Münze gibt es in Schweden bereits seit 1971 nicht mehr. Obwohl der Öre sich in Sprichwörtern wie: „Ich hab nicht eine Wurst-Öre übrig!“ erhalten hat, war sein praktischer Nutzen schon damals nicht mehr gegeben – der Wert einfach zu klein. Denn natürlich konnte man in moderner Zeit keine ganze Wurst mehr für einen Öre kaufen.

Dass die Schweden für den Kupfer-Klimper nicht viel übrig haben, zeigen weitere Münz-Abschaffungen. 5- und 25-Öre machten es gerade mal bis 1984, das 10-Öre-Stück blieb noch bis 1992. Und auch die 50-Öre-Stücke sind seit genau einem Jahr Geschichte. Viele sind darüber froh, war das Handling mit den Kleinstmünzen doch einfach zu umständlich – nicht nur für Handel und Banken. Auch Privatpersonen nahmen leichtfertig Abschied von den ungeliebte Münzen, die das Portmonnaie überfüllten und die Hosentaschen ausbeulten.

Ungeliebtes Kleingeld: Meine Cent-Börse ist schon wieder voll. Foto: Katgo

Das ist für jemanden, der wie ich unter norddeutschen Heidjern aufgewachsen ist, natürlich ein ziemliches Unding! Nicht nur lernte ich früh, dass Kleinvieh auch Mist macht, weshalb ich viele stattliche Weckgläser mit losen Kupfermünzen füllte („für die Brautschuhe!“). Ich sah beruflich wie privat im Handel immer auch diese Leute, die um den Pfennig bzw. Cent stritten. Und wenn der Handzettel im Supermarkt 2,95 sagte, dann war das Gesetz. Und die Kassiererin, die aus Versehen 2,99 eingab, war nichts weniger als eine Diebin.

Daran muss ich jetzt immer denken, wenn ich in Schweden einkaufe – denn im elektronischen Kassensystem jedes Supermarkts existiert der 50er-Öre sehr wohl immer noch! Preise wie 9,95 stehen am Regal, werden an der Kasse addiert und am Ende großzügig gerundet! 1-49 wird ab- und 50-99 aufgerundet. Der Barzahler muss also manchmal den Wert von bis zu 49 Öre (~ 5 Cent) auf seinen Einkauf draufschlagen. Manchmal kriegt er diesen Betrag auch wieder. Einfach, weil es keine passende Währungseinheit für die korrekte Abrechnung gibt.

Könnte man sich dies in Deutschland vorstellen? Es gibt (Milchmädchen?-)Rechnungen, wonach der Handel trotz der Auf-und Abrundung am Ende immer gewinnt – denn die optischen Preise liegen natürlich weiterhin oben auf der Skala zwischen 1 und 100. (Ein wirklich attraktiver Preis würde heutzutage auf -,45 enden, aber das hat sich noch nicht durchgesetzt…) Und: Die meisten Supermarkt-Artikel enden auf ,-50, sind am Ende also immer 50 Öre teurer. Somit profitiert der Handel weiterhin – von der Bequemlichkeit der Verbraucher. Denn sie geben fast bei jedem Bezahlvorgang großzügig diese Art von Trinkgeld.

Wer also Pfennig fuchst und den fetten Handel nicht mehr als nötig füttern will, muss daher mit der Karte zahlen. Denn die zieht genau ab und nur das, was auf dem Kassendisplay steht. Ja, auch mein Konto auf der Bank ehrt den Öre weiterhin, sogar in kleinsten Einheiten, etwa bei der Umrechnung von Euro auf Schwedische Kronen. Die so gesammelten Öre würden da sicher für die ein oder andere Wurst reichen. Aber die kaufe ich ja sowieso lieber in Deutschland!

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Ein Gedanke zu “Wer den Öre nicht ehrt,… schafft ihn ab

  1. Na, dann will ich mal den Pfennigfuchser spielen:

    Nehmen wir an, ich gehe hundert Mal in den Supermarkt. Jedes Mal steht ein anderer Örebetrag hinten. So kommen alle Örebeträge von 0 – 99 einmal dran.

    Wenn ich öregenau zahle, macht das summa sumarum 4950 Öre (die Kronenbeiträge ignoriere ich mal). Wenn jedoch auf Kronen gerundet wird, so zahle ich fünfzig Mal keine Öre und fünfzig mal eine Krone. Das macht 5000 Öre, also 50 Öre mehr.

    Daraus folgt, dass ich durch die Rundungen beim Bargeldzahlen pro Supermarkteinkauf statistisch gemittelt ein halbes Öre Verlust mache. Ein Skandal sondergleichen!

    (Es gibt übrigens auch Rundungen, die das verhindern.)

    Das musste mal gesagt werden – aus der Reihe: Dinge die Sie nie wissen wollten und trotzdem erfahren.

    So, Pfennigfuchser-Modus wieder aus. Schönes Wochenende.

    /Olaf

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