Aus der Traum vom Sommerhaus?

„Raum ist in der kleinsten Hütte“. Mein absolutes Liebslingsbild! Foto: katgo

Noch ein paar Gedanken zur Sommer-Ferien-Zeit, die sich auch hier leider, leider dem Ende zuneigt. Der Ikea-Katalog ist schon da (unverkennbares Herbst-Anzeichen!) und die arbeitende Bevölkerung kehrt allmählich in ihre Büros zurück – unheimlich erholt von drei bis sechs Wochen Urlaub am Stück! (Und das ist wieder ein anderes Thema, dass diese Volkswirtschaft es sich nach wie vor leisten kann, den Laden sechs Wochen lang dicht zu machen…)

Und wo erholt sich der gemeine Schwede im Sommer am besten? Natürlich im Sommerhaus. Der rotgetünchte Traum aller Schweden-Fans – „röd stuga med vita knutar“ – ist für die meisten Schweden Wirklichkeit. Nach einer Info der Nordea Bank besitzen 1,2 Millionen Schweden ein Ferienhaus (2007), in dem sie im Schnitt sieben Wochen des Jahres verbringen. Und mindestens doppelt soviele Schweden kommen hinzu, die ein Häuschen mieten, leihen oder über Freunde und Familie nutzen können.

„..und am Ende der Straße steht ein Haus am… Berg.“ Foto: katgo

Traditionell gehört die „stuga“ also zum Ideal des schwedischen Sommers. In meiner Generation, zumal unter den Stadtbewohnern, ist sie höchstes Ziel für eine perfekte „Work-life-Balance“ und klares Zeichen für Lebensqualität. Ich kenne zwei, die haben sich gerade so ein Haus angeschafft und ihren ersten Sommer dort verbracht. Nämlich so: „Die erste Woche Heimwerken und Gärtnern, die zweite Woche waren Schwiegereltern auf Besuch, die dritte Woche konnten wir uns erholen.“  Na dann…

Ich selbst bin ein wenig abgerückt von meinem Traum einer „sommarstuga“, denn ich träume nachts NICHT von verstopften Regenrinnenn und müffeligen Torf-Klos. Ich will nicht das Laub vom letzten Herbst harken müssen und den Rasen entmoosen, nur um ein paar schöne Grillabende auf der Terasse zu genießen. Aber genau das muss man mögen, das Basteln und Bauen, das Zupacken und Sich-Kümmern – wenn man sich nicht den Luxus eines Hausmeisters leisten kann.

Auch wer sich gleich eine voll-isolierte Villa in die Landschaft baut, ist vor Zusatzarbeit nicht gefeit. Ich lese in der wöchentlichen Bau-Beilage meiner Zeitung über zugefrorene Leitungen, vermooste Fassaden, sturmgeschädigte Dächer und denke: das tue ich mir lieber doch nicht an. Wie bei jeder Immobilie hat man mit dem Sommerhaus einen mittelschweren Klotz am Bein. Und er liegt zumeist soweit entfernt, dass man nicht „mal eben“ nach dem Rechten sehen kann.

In langen Wintern kann viel mit dem „Sommer“-Haus passieren. Foto: katgo

Hinzu kommt die gefühlsmäßige Bindung, dieses schlechte Gewissen, wenn man mal „schlampt“. Eine ältere schwedische Bekannte sagte zu mir: „Nie im Leben“, würde sie so ein Haus kaufen – „dann müßte ich ja ständig dort Urlaub machen!“ Immer am selben Ort. Keine Pauschalreise in den Süden, keine Auto-Tour auf dem Kontinent, keine Kreuzfahrt mit den Freunden. Für jemanden, der gern unterwegs ist, ist das Sommerhaus ein goldener Käfig.

Manchmal gehört das Sommerhaus in Schweden zu gewissen Lebensphasen. Etwa für Familien mit kleinen Kindern. Mein Freund hat seine ersten 15-16 Sommer in so einer stuga verbracht. Innerhalb einer „Ferien-Kolonie“ konnte er sechs Wochen lang mit vielen anderen Kindern spielen (und fand so Freunde fürs Leben). Seine Eltern erholten sich derweil mit dieser runtergeschalteten Geschäftigkeit – beim Basteln, Gärtnern, Kreuzworträtseln (ein wenig will man ja doch zu tun haben). Und dies war allemal entspannender, als mit den kleinen Blagen auf Auto-Rundreise zu gehen! Doch heute ist all das vorbei: mein Freund verspürt keinen Drang, dorthin zurückzukehren, seine Mutter hat das Haus eh verkauft und ist froh, jetzt City-Trips nach Barcelona und Zürich zu machen.

So gehts auch: Kolonie-Stugas auf engstem Raum. Foto: katgo

Noch ein paar Zahlen zum Abschluss: Wenn man sich also für das „Sommarhaus-Leben“ entscheidet und die statistischen sieben Wochen im Jahr dort verbringt – dann ist das Ganze schon ein recht günstiger Urlaub. In der Anschaffung kostet die Stuga laut Nordea (2007) etwa 75.000 Euro. Wer gleich alles cash bezahlt und nicht beleiht, braucht dann nur noch die laufenden Kosten zu tragen: Jährlich sind das im Durchschnitt 1.800 Euro – also 150 im Monat. Aber umgerechnet auf die sieben, acht Wochen, die man dort tatsächlich verbringt, macht das laut Nordea circa 250 Euro pro Urlaubswoche.

Dann vielleicht doch lieber mieten? Und im nächsten Jahr nach Hamburg fahren! Oder nach Kreta oder Frankreich! In Übersee war ich auch noch nie… Es gibt einfach zuviele schöne Ziele. Ich meine daher: Das Leben ist zu kurz für eine eigene Sommerstuga…

Hier aktualisierte Zahlen zum Traum vom „fritidshus“. Link

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2 Gedanken zu “Aus der Traum vom Sommerhaus?

  1. Ich lebe dieses Leben, dass du fuer dich ausgeschlossen hast, daher ist das fuer mich sehr witzig deinen Artikel zu lesen. Wir haben ein Haus und klarerweise das Leben, dass Menschen im Sommer im Sommerhäuschen leben mit Gartenarbeit, Tomaten & Blumen pflanzen, Grillen und Laub aufsammeln, Moos vernichten, Unkraut zupfen etc. Am Anfang habe ich das total abgelehnt … den ersten Sommer habe ich es nur negativ gesehen, aber dieses Jahr ist es mir auch gelungen die schwedische Lebensweise ein bisschen mehr anzunehmen und das ganze Haus beim See Ding richtig auszunutzen und zu geniessen. Und ich liebe es :-))) Das kann ich nun Gott sei Dank sagen – gut fuer mich, denn nur weil sich die Tussi aus der Stadt nicht anpassen kann, wären wir sicher nicht umgezogen ;-). Ich liebe es, mit allem drumm und drann *lach* und das macht es mir vielleicht diesen Winter leichter mit der Dunkelheit, dem Schneeschaufeln und diesem ganzen Drumm und Drann auszukommen, ich muss nur fest daran denken, dass wir im Sommer wieder einfach so zum See runterlaufen, auf den Wasserscooter huepfen und uns einen einsamen Felsen oder Sandstreifen suchen um zu baden, zu sonnen und nachher den Grill anzuschmeissen. Das ich mir schonmal ueberlegen kann welche Blumen ich anpflanzen will, obwohl ich vor nem Jahr noch der Meinung war am besten wäre es alles in Beton zu giessen damit man nicht rasenmähen muss … lmao 😉

  2. ja, aber da sprichst du vom ständigen Leben auf dem Lande… Naja, für dich im zweiten Jahr… Hehe, „Stadt-Tussi“ wird zum Land-Ei. Das finde ich schön! 🙂 Ich hatte es umgekehrt – bin auf dem Land aufgewachsen 🙂 Und es war herrlich, keine Frage! Aber ich finde,.. heute, ein „zusätzliches“ Landhaus ist 1) nicht nur Luxus, sondern bringt 2) auch all diese Verpflichtungen mit sich, für die man nur ein paar Wochen im Jahr Zeit hat. Ein Ferienhaus kann also in Streß ausarten…
    Aber um deinen See beneide ich dich TOTAL!!!! *argh – will baden!!! ;)) Liebe Grüße, Katgo

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