Widerstand zwecklos – sie kriegen dich doch

Privacy-Feigenblatt. Wer darf was von mir erfahren?

Es war nicht mehr zu vermeiden… gerade jetzt, wo alle ganz interessiert auf „Google +“ schauen, habe ich mich sozusagen durch die Hintertür von Facebook geschlichen und bin jetzt auch dort. Ganz unauffällig in der Ecke, mit einem Rudiment von Profil. Vielleicht bemerkt mich ja keiner… Somit ist nach langer Zeit mein Wiederstand gebrochen. Ich bei Facebook. Dann also doch…

Dabei wurde ich gerade heute wieder dran erinnert, warum ich eigentlich all die Jahre die Finger von Facebook gelassen habe. Eine Schülerzeitungsredakteurin, grad mal 15 Jahre alt, hat es uns deutlich ins Gesicht gesagt: „Ihr Erwachsenen, hört auf bei Facebook rumzuhängen!“ Warum? Nicht nur, weil wir Großen den Tummelplatz der Teenies gekapert haben (und uns dort oft genug kindisch benehmen). Sie meint, wir verschleuderten auf Facebook die Zeit, die wir lieber mit echten Menschen verbringen sollten – zum Beispiel mit unseren Kindern (hört, hört…). Das Schlimmste aber sei, wie „die Erwachsenen“ auf Facebook ihre Fassade polieren, sich inszenieren und ihren Freunden vorgaukeln, was für eine tolle Zeit sie haben. „Es ist wie ein Spiel, wo das herrlichste und positivste Leben gewinnt“, schreibt die Schülerin.

Wenn ich auf Facebook-Seiten schaue und lese: „Hmmm, ich sitze hier gerade bei Condecco und trinke lecker Latte!“ – dann ist das etwa so banal wie „Ich habe gerade einen Furz gelassen“. Aber auf Facebook wird eben alles gehypt – und alles mitgeteilt. Den Urlaub, den Grillabend, die schöne Aussicht: all das kann man erst nach einem Status-Update wirklich genießen – wenn man die „Freunde“ auf Facebook neidisch gemacht hat: „Wir sitzen hier auf den Klippen mit einer Flasche Rosé und genießen den Sonnenuntergang *upload photo* – das Leben ist schön!“ Da geht ein Seufzer durch die friendslist, die nicht umhin kommt, „das Leben der anderen“ mit dem eigenen zu vergleichen.

„Was machst Du gerade?“ – Und wen interessiert das eigentlich?

Für mich aber ist diese „Status-Sucht“ eher eine große Entzauberungsmaschine. Denn das tausendfache Herausposaune auf Facebook macht letztlich nicht nur das Erlebte klein und gleich und austauschbar, sondern auch die Menschen selbst. Schon mal gehört, dass vor allem jene Leute interessant sind, von denen man nicht alles weiß? Nein, stattdessen wird noch ein Update draufgelegt: „Und übrigens liiiiebe ich Tatort am Sonntag abend.“. In Foren nennt man sowas übrigens „attention-whoring“. Und auf Facebook wimmelt es davon…

Naja, nun bin ich also auch dabei – eine echte „attention whore“, die sich als Freelance-Texter einen Namen machen will (oder muss, wenn sie nicht verhungern will). Ohne Facebook-Profil ist man anscheinend ein echter Dinosaurier – natürlich und vor allem in Medienberufen. Ich habe aber auch mit anderen Firmengründern gesprochen, und irgendwie kommt keiner mehr drum herum. Ob er / sie nun schmiedet oder eine Massagepraxis hat.

In eigener Sache: Taugt Facebook als Werbemittel?

Doch im Grunde folge ich nur meinen Texten – die stehen nämlich schon auf Facebook. Es ist verrückt, wie sich die Dinge in Netz verselbständigen…: Die Leser unseres Blogs auf www.schwedenstube.de haben sich anscheinend mehr und mehr auf Facebook verlagert – also stellen wir unsere Texte nun als Teaser in den „Schwedenclub“, um von dort mehr Traffic zu bekommen. Kommentare, „Likes“ und Links zu unserer Arbeit finden sich jedoch zunehmend bei Facebook – und dann bin ich nicht dabei, um den Credit zu bekommen? Das wäre dumm.

Somit muss ich also mitmischen und werde demnächst mal klären, ob man nicht auf mein Facebook-Profil hinlinken kann, sozusagen als Quelle für den Text (der immer noch mir gehört). Jedes „Gefällt mir“ ist – quasi als neue Währung im Facebook-Zeitalter – ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Vielleicht meldet sich dann ja endlich Hollywood… oder der Spiegel… oder das Reisemagazin XY. Auch wenn ich nicht recht dran glaube, – einen Versuch ist es  wert.

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