Grill im Gras, ohne Gas!

Der Grill-Fundi liebt es rußig und rauchig. Foto: Olga Meier-Sander, Pixelio

Ich bin ein Grill-Fundi. Geht es ums Barbeque, stehe ich neuen Trends höchst skeptisch gegenüber. Denn Grillen ist nunmal die archaische Form der Essens-Zubereitung, da darf es gerne reichlich rußig und rauchig zugehen. Man darf, nein man muss sich beim Grillen auch mal ein wenig dreckig machen, um die Kartoffeln sprichwörtlich aus dem Feuer holen. Grillen ist für mich das beste Überbleibsel der Steinzeit: Es geht um die Beherrschung des Feuers! Und alle modernen Hilfsmittel wie Grillanzünder oder Spiritus sind nach meiner Meinung dabei höchst sparsam einzusetzen.

Somit bedarf es für mich, als Grill-Fundi, bloß einer Kohlenpfanne und einem Rost, um den höchsten Genuß knusprig gegrillten Fleisches zu erlangen. Wenn das Fett langsam ausbrät, wenn es an den Rändern brizzelt und bräunt, wenn die Flammen kurz hochzüngeln, wenn der Grillrost dem Fleisch sein schwarzes Brandmal aufdrückt – dann ist die Welt für mich in Ordnung. Vorfreude ist die schönste Freude, und nachdem ich die Glut aus vollen Lungen angepustet habe, sitze ich am liebsten neben meinem Grill im Gras und starre in die Flammen.

Tragbarer Kohlgrill mit Deckel, Foto: katgo

Aber es geht natürlich auch anders… Denn dieses Jahr – so scheint es – ist endgültig die Saison der Gas-Grille und „Outdoor-Kitchens“. Man lasse sich nur mal den Begriff auf der Zunge zergehen: Outdoor-Kitchen, „Freiluft-Küche“. Puh bäh, das würde ich sofort wieder ausspucken! Das ist ja ungefähr so furchtbar wie rohe Hähnchenbrust!

Gerade letztens war ich zu so einer Gasol-Grillparty eingeladen. Ich sollte mich darüber vielleicht nicht beschweren, aber wenn schon Polemik – dann richtig! Da schiebt der Hausherr also mit diesem Ungetüm von Grill heran (nein, zwei Leute mussten schieben, ein dritter trug den Gaskanister). Er drückt auf den Knopf und hat innerhalb von zehn Minuten die richtige Temperatur. Er reguliert die Hitze stufenlos – wie bei einem Ceran-Feld – je nachdem, ob es empfindliches Hähnchen- oder kräftiges Schweinefleisch ist. Er schließt den Deckel und macht erstmal ein Bier auf.

Gasolgrill für bequeme Grillmeister. Foto: Elan

Das ist ungefähr so wie Tiefkühl-Pizza klar machen: „Convenience at its best“. Nach 15 Minuten ist alles fertig, ein Fleischberg steht auf dem Tisch – aber man merkt irgendwie nicht, dass man gerade gegrillt hat. Derart in der Bequemlichkeitsfalle verstrickt, macht der Grillmeister (der eigentlich gar nicht so heißen darf) einen entscheidenden Fehler: Er hat alles Grillgut auf einmal fertig und stapelt es unprätenziös auf einem Tablett. Was tatsächlich recht knusprig unter dem Gasol-Deckel herauskam, wird somit in 2 Minuten weich und schlapp. Es wurde viel gepriesen, wie saftig das Fleisch im Gasol-Grill bleibt – doch dann soll man bitte schön direkt vom Grill auf den Teller servieren. Denn sonst hat man Schmorbraten mit Soße.

Was natürlich fehlt, am Fleisch, ist der Rauchgeschmack und der dekorative Rußabdruck in Streifenform. Kein Wunder, dass die „smokey BBQ-Sauce“ an jenem Abend für diesen Mangel aufkommen musste. Die künstlichen Pellets für „echten Kohle-Geschmack“ hatte der Hausherr gerade nicht da… Macht nichts, dachte ich mir, ich kann stattdessen auch andere flüchtige Stoffe inhalieren, wie etwa Zigarettenrauch. Ist bestimmt genauso schädlich…

Unzuverlässiger Einweg-Grill aus dem Supermarkt. Foto: katgo

Der Grill-Fundi in mir war auf jeden Fall tief enttäuscht. Das Schlimme ist, dass jene vom Gas Verwöhnten jetzt nie mehr zurück können – zu den Wurzeln des Grillens, zur Beherrschung des Feuers. Eine Kohlepfanne samt Rost im Gras … das wäre für sie wie ein Klo ohne Wasserspülung. Wie Lesen bei Kerzenlicht. Wie Fernsehen ohne Farbe. Es wäre schade, sie nach und nach alle an den Fortschritt zu verlieren. Denn alleine Grillen macht auch keinen Spaß…

Natürlich hab ich sehr seriöse Quellen, die meine Vorbehalte noch untermauern 😉

Aftonbladet

Testfakta

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Ein Gedanke zu “Grill im Gras, ohne Gas!

  1. Ich muss zugeben, seit ich Terrassen-Mieter bin, bin ich auf Elektro umgestiegen. Da gibt es diese Heizspiralen mit „An“ und „Aus“, mit Blechwanne für das Wasser und für beides mit Plastikgerüst – drei Teile. Ach ne, das Rost auch noch, also vier Teile. Kostet nur 20 Euronen. Und naja, außer Fleisch qualmt da nix. Das heißt: Krebs on the lose. Also, auch die Steinzeitler hatten keine Kohle,dafür allerdings unbehandeltes Holz. Dafür allerdings auch weder Pfeffer noch Senf und auch keine Grillsaucen. Aber im Prinzip haste Recht. Grill muss ohne Schlepptrecker. 😀

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