Schneeblind im Hochsommer

Wir bewegen uns ja beständig auf Mittsommer zu, und gerade in diesen Juni-Tagen wird mir klar, was eigentlich mit „dem skandinavischen Licht“ gemeint ist. Obwohl wir in Göteborg gar nicht soweit nördlich liegen, ist da draußen ein Flutlicht aufgestellt, das einen richtig erschrecken kann. Man kommt raus und wird in dieses Licht getaucht, von allen Seiten erfasst, beschienen, bestrahlt. Es ist hell, heller als anderswo, und in geschützten Ecken spürt man, wie kraftvoll und heiß die Sonne ist: UV auf der Haut – in jeder Pore… – ein Vitamin-D-Schock sondergleichen!

Flutlicht. Foto: katgo

Also, der Mittag, der ist hart. Derart beschienen sieht blasse Haut noch weißer aus, jedes Fältchen kommt ans Licht, doch weil man regelrecht schneeblind ist und blinzeln muss, kann man gar nicht so genau hinschauen. Schön wiederum, dass die Sonne so langsam wandert, das heißt: es sieht nachmittags um fünf fast immer noch aus wie 12 Uhr mittag. Der Tag ist lang, zum Feierabend ist immer noch nicht richtig „Abend“. Und dunkel wird es derzeit erst um 23 Uhr herum.

Irgendwie dachte ich immer, die Sonnenstrahlen hätten einen längeren Weg in den Norden der Erde, verteilen sich dort auf eine größere Fläche und sind daher nicht so stark. Bei Wikipedia gibts ein schönes Schaubild. Doch weil die Sonne im Sommer eben immer und ständig auf den Nordpol guckt (Mitternachtssonne), haben wir jetzt wohl diesen Sonnen-Overkill. Die Strahlung ist nicht wie ein Spotlight aus dem Zenit, mehr wie ein diffuses, allumfassendes Stadionlicht.

Wenn der „Fremde“ bei Albert Camus wegen der algerischen Sonne zum Mörder wird, was kann dann alles unter der schwedischen Sonne passieren? Der Einwanderer in dieser Geschichte fühlt sich jedenfalls ein wenig ausgeliefert, aber auch umarmt und hochgehoben – stimmungsmäßig – von der Helligkeit dieser Juni-Tage…

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Ein Gedanke zu “Schneeblind im Hochsommer

  1. Pingback: Der Letzte macht das Licht aus | Nach Schweden

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