Auf dem Bohusleden

Reportage-Reisen waren für mich bisher immer mit langen Anfahrten, kurzen Aufenthalten und vielen starken Eindrücken verbunden. Ein kurzes Nickerchen im Flieger, der einen dann an einem fremden Ort ausspuckt, hineinwirft ins Getümmel. Obwohl man todmüde ist, stehen alle Synapsen dann plötzlich auf Empfang, weil soviel Neues auf einen einstürmt. Und vor allem: Der Platz im Heft muss gefüllt werden und alles hängt nur von dieser Reise ab.

Bohusleden

Keine Chance, sich zu verlaufen. Bild: katgo

Ganz so ist es jetzt nicht mehr. Ich hatte mir vorgenommen, eine Reportage über den Weg, nicht das Ziel zu schreiben. Übers Wandern und über einen Wanderweg, – den Bohusleden. Und der führt sozusagen durch die Nachbarschaft, ganz nah an Göteborg vorbei. Die Etappen 1-7 verlaufen von Lindome in einem weiten östlichen Bogen um die Stadt herum, hoch nach Kungälv und weiter in Richtung Uddevalla. 370 Kilometer zwischen Göteborg und Strömstad sind es insgesamt, die auf ausgeschilderten Naturpfaden erwandert werden können.

Für mich eine Möglichkeit, zumindest etappenweise, die nähere Umgebung kennen zu lernen. Zu schauen, ob sich mir so nah an der Stadt schon „die schwedische Natur“ eröffnet; ob ich mich wie in der Wildnis fühle oder ob es nur bei der Naherholung bleibt.

Ich entschied mich zunächst für Etappe 7, und machte sie zu einem Rundweg, – weil ich,… ahem…  ja zum Auto zurück musste. Soviel zum „richtigen“ Wandern in der Wildnis – aber schließlich sollte der Weg das Ziel sein. Ein erster Schnupperkurs als „slow-motion-Reporter“.

Gut ausgerüstet mit neuen, aber eingelaufenen Turnschuhen, mit Proviant im Rucksack und einem Sonnenhut – es war so ein schöner, warmer Tag – ging ich rund 12 Kilometer durch Wald und Flur. Was an der svarte mosse, einem kleinen See bei Kungälv, noch gut besuchte Joggingwege waren, wurde schließlich zusehends menschenleer. Hinter dem verlassenen Hof „Kolebacka“ ging immer noch durch „normalen Wald“, dafür aber nahm die Insektenpopulation spürbar zu. Eingesponnene Bäume und ausgedehnte Ameisenbaue, die den Wald förmlich knistern ließen, gaben mir ein wohliges Gruseln.

In der dicht besiedelten Göteborg-Region bleibt es aber nicht dabei, natürlich tauchen immer wieder Häuser und Siedlungen auf, eine Straße, beackerte oder abgeholzte Flächen. Und was mich besonders erstaunt hat: hier zwischen Kungälv und Diseröd gibt es zwei kleine Weiler, die „Rostock“ und „Lybeck“ heißen. Und nein, ich hatte mich nicht verlaufen: Die Wanderbeschilderung war durchgehend gut!

Irgendwo hinter dem Alekletten – mit 134 der höchste Punkt der Gemeinde und früher wichtiger Zufluchtsort – habe ich die Strecke eigenmächtig abgekürzt und bin längs des Flusses Götaälv wieder zurück. Die Straße war jetzt schon wieder aus Teer, gesäumt von Auen mit weidenden Kühen. Hier gab es auch einen stattlichen Pferdehof und vereinzelte Häuser. In einem der Gärten lag ein junges Mädchen oben ohne auf dem frisch gemähten Rasen und sonnte sich. Ich tunkte meine wunden Füße ins Wasser.

Schreiben kann man eigentlich nur, wenn etwas passiert. Mit einem selbst oder in der Umgebung. Wenn man sich einfach nur gut fühlt, den Tag genießt und nach 10 Kilometern die unzulänglichen Oberschenkel spürt – dann ist das eine schöne Erfahrung, aber nicht unbedingt etwas für die Zeitung. Ich muss diesen ganze Wander-Report-Plan nochmal anders angehen. Vielleicht abends nicht nach Hause kommen. Vielleicht weiter raus fahren. 30 Kilometer vor Göteborg geht die Wildnis noch nicht los – aber es ist herrlich, hier draußen auf dem Land zu sein.

Hier gibt es ausführliche Daten, Fakten und vor allem schöne Karten über den Bohusleden. Auch auf deutsch: Link

Genießt das gute Wetter und lehnt euch zurück! Bild: katgo

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