Ab in die Botanik!

„Liebling, lass uns ein wenig botanisieren…“ Foto: katgo

Die Göteborger lieben ihren Botanischen Garten – und genau jetzt ist er am Besten! Nach dem zaghaften Gespries vom Frühlingszwiebeln und Birkenreisen ist die Natur in den letzten Wochen geradezu explodiert! Farbenfroh und üppig, ein wahres Paradies, – erst recht nach dem Winter im Großstadt-Grau. Doch nicht nur die prallen Rhododendron-Blüten, die aufrechten Kastanien-Kerzen, die weichen Staudenkissen sind der Grund für die derzeitige Besucher-Exstase. Dass an einem gewöhnlichen Montag ganze Schulklassen, Großfamilien, Touristen- und Pensionärsgruppen in den „Botaniska Trädgården Göteborg“ kommen, liegt am chinesischen „Taschentuch-Baum“. Er blüht jetzt wieder – und das auch nur für kurze Zeit.

Hier geht’s lang zum „näsduksträdet“ – der Taschentuch-Baum. Foto: katgo

Steigt man den Pfad hoch zum „Japan-Tal“ erfreuen einen bereits die Azaleen und Rhododendren unter schattigem Baumbestand. Ein wahres Dschungel-Erlebnis, das der Taschentuch- Baum sogar noch übertreffen soll…?

Doch manchmal ist auch der Weg das Ziel, denn der viel gelobte „näsduksträd“ am Ende des Weges hat nicht die gleiche imposante Erscheinung wie seine fernöstlichen Kollegen. Dafür ist er zu dünn, zu zart, die Blütenblätter zu ätherisch. Sie heben sich zudem nur schwer vom Himmel ab, was die zahlreichen Hobby-Fotografen zur Verzweiflung bringt.

Weil die weiß-wehenden Blattwedel so durchscheinend und leicht sind, wurde dem Gewächs auch der Name „spöksträdet“ – Geisterbaum – gegeben. Mit tausenden kleinen, flatternden „Hui-buuhs“ am Ast ist das tatsächlich der passendere Name! Doch in der skandinavisch-hellen Mittagssonne kommt leider kein wohliger Spöken-Schauer auf. Vielleicht ist der Abend der bessere Zeitpunkt zum Botanisieren…?

Spöken am Ast: Das Gewächs wird auch Geisterbaum genannt. Foto: katgo

Sicher ist, dass der „näsduksträd“ ein rares Gewächs ist, fast exklusiv in Nordeuropa und mit einer spannenden Geschichte. Schließlich wurde er erst im 19. Jahrhundert im inneren China entdeckt und während des Boxer-Aufstandes herausgeschmuggelt. Franzosen und Engländer reklamierten die Entdeckung und den Export des Baumes für sich – und zwar gleichzeitig… All das wissen die Lehrer und Gruppen-Guides detailreich zu berichten, wenn sie unter dem Exoten-Baum stehen und referieren. Auch ich habe mich bereits ein wenig mit der Materie beschäftigt – und mit der langen Tradition des „Botanisierens“ in Schwedens:

Carl von Linné, Exoten

Terrassen-Beete in Bau – für die skandinavische Abteilung. Foto: katgo

Mich als Einwanderer interessieren allerdings vielmehr die hiesiegen Gewächse – und die hat man in den Botanischen Gärten bisher lange außen vor gelassen. „Zu gewöhnlich, zu langweilig, Unkraut aus dem Vorgarten“, mag das Argument bislang gewesen sein. Doch ein neues Zeitalter der Aufklärung naht: Göteborgs öffentlicher Lustgarten bekommt eine skandinavische Abteilung! Mitten in der prallen Sonne zwischen den Klippen im „botaniska“ sollen ab kommenden Jahr isländisch Moos, Flechten aus dem Fjäll und Strandgras von Öland wachsen. Das Beste aus der Region also – das es zu bewahren gilt! Vielleicht verblasst es ein wenig gegenüber den Rhododendren, aber seine Berechtigung hat es allemal.

Gewöhnliche Gänseblümchen, Foto: katgo

Pralle Blütenpracht, Foto: katgo

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