„Carl“. Und nicht „Jarl“

Was mich im Alltag aufmerken läßt, sind die so genannten Flaggen-Tage. Letzten Freitag war wieder so einer. Da ahne ich nichts Böses auf dem gemütlichen Wasserweg hin zur Schulung, und sehe überall die wehenden Fahnen. Plötzlich fällt mir auf, wie viele Flaggstangen überhaupt so herumstehen und dass diese vor allem am Fluss besonders zahlreich und hervorstechend sind. Wir Deutschen haben es ja nicht so mit nationalen Symbolen – aber für die Schweden sind Flaggen-Tage eine recht unbelastete Angelegenheit und kommen entsprechend häufig vor.

Was war also los? Warum die blau-guldene Farbenpracht an so einem banalen 28. Januar 2011? Klar! Es war des Königs Namenstag: Carl. Oder Karl, auch Karla, wohlgemerkt. Die Namenstage sind wichtig in Schweden, fast wie Geburtstage. Bei normalen Leuten ruft am Namenstag zumindest die Mutter an und gratuliert. Ich selbst bekam letzt auch ein Kärtchen und einen kleinen Blumenstrauss vom Liebsten, nur um mal zu erleben, wie sich ein Namenstag so „anfühlt“. Ich muss sagen: eher unbedeutend. Es ist ja noch nicht mal der Tag meiner Taufe – es ist einfach ein Tag im Kalender. In jedem guten schwedischen Almanach stehen die Namenstage gleich unter dem Datum – und sind ein Relikt aus den Zeiten, da man Heilige verehrte. Aber nicht mal alle Namen sind „heilig“, wie etwa „Desirée“, „Lennart“ oder „Jeanette“.

Nun ja. Letzten Freitag also „konungens“ Namens- und damit Flaggen-Tag. Wenn der König allerdings nun „Jarl“ anstelle von „Carl“ heißen würde, wäre sein Namenstag (und damit Flaggen-Tag) am 11. Oktober. Wie kann man sich das alles merken? Man muss nur wissen, wo man nachschlagen muss.

Flaggen- und Namenstage stehen im schwedischen Kalender

Es gibt ums Jahr 16 Flaggen-Tage, und die haben längst nicht alle nur mit Namenstagen der königleichen Familienmitglieder zu tun. Flaggen-Tage sind auch unter anderem auch der Tag der Nobelpreis-Verleihung (10.12.), der Geburtstag der Königin (23. 12.), oder der Tag der Vereinten Nationen (24.10). Bei letzterem singen die Kinder in der Schule Lieder wie: „alla är barn på denna jord“ – „alle sind wir Kinder dieser Erde“. Und auch das fühlt sich für Zugezogene komisch an.

Einige Infos über den schwedischen Kalender und seine Feiertage habe ich schon in der Schwedenstube versammelt.

Achso: die Regierung erlaubt Individuum und Gemeinde sogar ihre ganz eigenen Flaggentage! Und zwar an „besonderen Feiertagen im Ort oder innerhalb der Familie.“ Das heißt, ich könnte hier die Fahne aufziehen, wenn ich meinen nächsten runden Geburtstag feiere. Aber nicht, wenn mir gerade so danach ist.

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