Endlich Montag?

Einen Sinn für Humor hatte der Kap’ten auf der Fähre „Älvsnabben“, als er heut morgen am Innenstadt-Anleger Rosenlund festmachte. „Äntligen måndag“ stand auf der Leuchttafel – und der Schriftzug wechselte sich ab mit dem Namen der aktuellen Haltestelle. Viele der von Wind und Eis gebeugten Passagiere haben den Witz vielleicht gar nicht wahrgenommen. Es war schließlich Montag morgen und alle hasteten aufs Boot, um auf die andere Seite zu kommen. Zur Uni, zum Job…

Die "Älvsnabben" läuft am Anleger "Slottsberget" ein

Oder aber zur „företagarutbildning“: Unternehmer-Ausbildung. Im Zuge meiner geplanten Firmengründung besuche ich jetzt diesen Kurs, der mich zur Selbstständigkeit „ausbilden“ soll. Das Ganze wird vom Arbeitsamt angeleiert und bezahlt, – und die beauftragte Schulungsfirma lässt sich nicht lumpen. Da werden Coaches und Referenten angeheuert, teure Juristen und Revisoren, die den zukünftigen „Unternehmern“ etwas vom rauen Geschäftsleben erzählen. Und das Arbeitsamt ist froh, dass man all diese Aspiranten bald raus hat aus der Statistik….

Ganz automatisch erhält jeder Teilnehmer außerdem eine so genannte „aktivitetsstöd“, also ein Zubrot für die vier Wochen, die man auf der Schulbank sitzt. Dieses zahlt übrigens die schwedische „försäkringskassa“, die auch für die ärztliche Versorgung und alles Soziale zuständig ist. Andere Länder, andere Behörden-Konstellationen…

Denn wer eigentlich nichts mit diesem komplizierten „starta-eget“-Prozess zu tun hat, ist die so genannte „A-kasse“. Die Arbeitslosenversicherung. Die zahlt nur das reine Arbeitslosengeld an Mitglieder, bzw. eine Art Minimal-Hartz-4 für alle NICHT-Mitglieder (und das sind in Schweden noch immer recht viele).

Auch ich bin immer noch nicht in der A-kassa… – wir schreiben uns zwar, aber das fruchtet wenig. Wir kommen irgendwie nicht zusammen. Denn ich habe hier anscheinend einen groben chronologischen Fehler begangen. Wäre ich ein Schlau-Fuchs im Behörden-Dschungel, hätte ich mich bereits im Juni – an meinem ersten Arbeitstag bei der Marktforschungsfirma! – bei denen angemeldet. Dann würde ich jetzt bequem stempeln gehen können – mit einem einkommensabhängigen Prozentsatz, von dem man ganz gut leben kann (dann wären nämlich auch die deutschen Zeiten berücksichtigt worden, siehe PDU1 / E 301).

Aber so lief es nunmal nicht… ich meldete mich erst im November und habe daher nun weniger Ansprüche, weniger eingezahlte Zeiten (man rechnet ein Jahr zurück) und bekäme vermutlich nur den Basis-Satz – rund 300 Kronen am Tag.
Auf der anderen Seite: Bin ich erst einmal selbstständig, habe ich von der A-Kassa ohnehin nichts zu erwarten. Als Firmen-Besitzer bekommt man natürlich kein „ALG“, wenn die Auftragslage schlecht ist. Nur wer seine Firma stillegt und das Unternehmertum aufgibt, kehrt zurück ins Heer der Arbeitslosen und unter die Fittiche der A-kassa.

Also was solls. Denn heute ist „endlich Montag“ und ich fange etwas an, das mich auf die eigene Beine stellen soll. Mein Kursleiter ist übrigens gebürtiger Deutscher. Warum soll aus „uns“ also nichts werden? In Schweden?!

Tauwetter rund um den "Slottsberget"

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