Ein Beitrag für den Müll

Das ist jetzt zwar eine recht banale Alltagsbetrachtung, aber ich bekomme den Eindruck, dass es hier keine Mülleimertüten gibt. Zumindest nicht bei uns in der Innenstadt. Statt der matt durchsichtigen Plastiktüten, die man in 10-, 20- oder 35-Liter-Größen kaufen kann, benutzen die Haga-Bewohner fast durchweg die bunten Einkaufstüten des örtlichen Lebensmittelhandels.

Tragetaschen zu Mülltüten. Und dann ab in den "nedkast"... Bild: katgo

Eben dort, in den kleinen Supermärkten um die Ecke, ist der Tüten-Absatz reißend. Fast keiner kommt mit eigener Einkaufstasche – und ich dachte immer, wie gedankenlos und umweltschädlich ist das eigentlich. Aber seit ich merkte, wie diese großen Einkaufstüten recycelt werden – nämlich als stabile Mülltüte für den Haushalt – hat der Plastikwahn wieder etwas von seinem Schrecken verloren. Es kommt nämlich bei vielen meist genauso hin, dass eine Tüte Einkauf genau eine Tüte Müll produziert, und so wird die Plastiktasche immerhin zwei Zwecken zugeführt, bevor sie für immer verschwindet. Das heißt auch, dass keiner überhaupt diese Spezial-Plastiktüten von der Rolle kauft, die nun wirklich „Einweg“-Ware sind. Es gibt sie mitunter gar nicht im Sortiment.

Der Eingang zu Hagas Müll-Katakomben. Bild: katgo

Nur in den Villas draußen vor der Stadt scheint man den Müll etwas besser verpacken zu wollen. Da gibt es dann auch diese sortierfreundlichen Eimer, die mit jeweils zwei oder drei Müll-Beuteln ausgekleidet werden müssen. Der Einkauf landet trotzdem in den bunten Einkaufstüten – und so verbrauchen diese Leute schlicht mehr Plastik als die praktisch veranlagten Nachbarn bei uns.

Übrigens ist auch das Entsorgungssystem ziemlich speziell und unterscheidet sich von dem, was ich aus Deutschland kenne. Statt in Tonnen wird der Hausmüll im „Nedkast“ gesammelt – dem „Abwurf“, wenn man so sagen will – eine wahre Katakombe für unseren Dreck. Da heißt es für meine kleine Tüte: hinein in den runden Schacht und auf Nimmerwiedersehen!

Man hört nur zweimal am Tag, wie der großen „Müllsauger“ arbeitet, wie er die „Skräp“-Tüten durch ein unterirdisches Schachtsystem an die Sammelstelle befördert – von wo der Schiet dann abgeholt wird. Klingt faszinierend, was? Ja, selbst über Müll kann man sich wundern, wenn er anders gehandhabt wird als früher Zuhause.

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Ein Gedanke zu “Ein Beitrag für den Müll

  1. Ich finde es spannend, wie der Müll in Schweden entsorgt wir. Wir wollen auch nach Schweden, jedoch erst in 1 1/2 Jahren. Daher ist es für mich immer eine Bereicherung über den Alltag in Schweden lesen zu können.

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