„Streetview“ mit Fernblick

In einigen Gebieten Deutschlands ist ja nun „Google street view“ verfügbar. Auch in Schweden ist vieles schon per Kamera kartografiert, und Göteborg sieht man bei „google maps“ im schönsten Sommer-Sonnenlicht. Dabei würde ich selbst gern einmal mit eingebauter Kamera herumlaufen, um euch diesen Streetview zu zeigen, den ich jeden Tag vor Augen hab‘.

Nehmen wir etwa meinen Arbeitsweg – von der Lilla Badhusgatan zum Järntorget. Ich finde, das ist der schönste „Streetview“ – zumindest nach meiner Wahrnehmung, die meist durch große Zufriedenheit und Freude beeinflusst ist. Besonders abends. Denn nachdem ich einen ganzen Tag in einen kleinen Bildschirm 50 Centimeter vor meinen Augen geschaut habe, ist es ein Genuss hinauszukommen und endlich mal: Weit zu gucken! Diese Fernsicht, die Göteborg am Hafen bietet, kann eigentlich kein Streetview und keine Googlemap vermitteln. Denn selbst an Land kann man unsere schöne Stadtsilhouette von verschiedenen Winkeln aus genießen, weil die Götaälv einen sanften Bogen schlägt. Ungefähr so:

Zuerst sieht man jedenfalls die Werft auf der gegenüberliegenden Seite. Der Name „Damen“ steht in großen Lettern auf dem Dock, daneben „Go:teborg“, und darin wurde zuletzt die alte Stena-Fähre neu gemalt – ein weißes Hochhaus zu Wasser. Das macht Eindruck, das sieht mächtig aus – und verschlägt mir jedes Mal wieder für eine Sekunde den Atem. Mächtig auch die orangen Kräne, die ihre Arme steif in den Himmel recken oder das bleigraue Militärschiff „Belos“, das bei Regenwetter aussieht wie im Tarnanzug und darum umso bedrohlicher wirkt. Dahinter sieht man den jäh aufsteigenden Ramberget auf der Seite, Hisingen. Und auch der erscheint mir jedes Mal so nah und groß, obwohl er nur 87 Meter hoch ist. Bei google macht er leider nicht soviel her…

Der Blick entlang der Götaälv Richtung Meer ist ebenso erstaunlich erhebend und hat so gar nichts mit den Bildern zu tun, die man aus dieser Perspektive bei Google maps oder Streetview sieht. Was zuerst ins Auge springt, ist – wiederum – der Fluss und sein bebautes Ufer, wobei die Masthuggskyrkan, die Statue der Seemannsbraut und ganz entfernt die Älvsborgsbrücke hervorstechen. Weil es Richtung Westen ist und die Sonne jetzt früh untergeht, stehen diese stolzen Wahrzeichen dunkel wie ein Scherenschnitt vor einem orangen Himmel. Irgendwo dahinter im Ölhafen steigt weisser Rauch auf, wie bei der Papstwahl, der langsam vom Westwind Richtung Stadt getragen wird, sich mit den Wolken zusammentut und abstruse Gebilde auftürmt.

Groß und mächtig auch das alte Kraftwerk von Göteborg energi, das unübersehbar zwischen Rosenlund und Pustervik-Brücke thront – ein grober Klotz, wie vom Himmel gefallen, so unpassend im Stadtbild mit seinem türkisblauen Schlot, und doch gehört es dazu. Zu meiner Rechten, wenn ich Richtung Järntorget gehe, sehe ich das Hotel Riverton und die Wohn-Blocks mit Seeblick, die so hoch aufragen, weil hier ein Zwillingsberg vom Ramberget war und man direkt in den Fels gebaut hat. Hier war früher auch irgendwo die Stadtmauer, und ich passiere den alten Wallgraben, gehe also „raus“ aus der Stadt in Richtung Linné und Haga – ein Viertel, über das man wiederum ein eigenes Kapitel schreiben könnte. An dieser Stelle ist es jedenfalls immer so „jävla“ – teuflisch – windig, ein Zug wie im Ofenrohr – und tatsächlich ist hier zwischen der dichten Bebauung ein freier Streifen, der sich um die halbe Innenstadt herumlegt.


Am Järntorget dann der Charme der Siebziger und der Arbeiterbewegung, mit „Folkets hus“ und dem alten Redaktionsgebäude des Arbeiterblattes, was bereits nicht mehr gedruckt wird – doch das Flair ist geblieben. Zugleich die ersten Stadtvillen von Linné, die wie kleine Burgen gebaut sind, mit ihren Türmchen und Erkern und dem Prunk der Jahrhundertwende. Die Fernsicht zeigt jetzt die Hochhäuser von Guldheden, den Skansberg und die Vasastan. Und wenn sich darüber der Nebel hebt, sich die Regenwolken lüften und die Lichter angehen, dann denke ich: Eine richtig schöne Stadt! Oder alles nur eine Sache der Wahrnehmung?


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Ein Gedanke zu “„Streetview“ mit Fernblick

  1. Du schreibst als selbständiger bekommt man kein A-Kassa Geld. Das stimmt so nicht. Es gibt die sog. „SMAÅ“ also fuer Småföratagare. Dort bezahlt man genauso ein wie bei einer anderen A-Kasse und bekommt nach einem halben Jahr Einzahlung was zurueck. So sollte es eigentlich sein, mir hat man nichts gezahlt und ich frage mich bis heute warum, aber das ist eine andere Geschichte.

    Gruss Erika

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