„DU? Hier?!“

Gemütliches Göteborg

Zwischen alter und neuer Heimat ist die Strecke gar nicht lang – ich bin nämlich schon wieder zurück. Aber die Unterschiede zwischen hier und dort sind groß. Und was ich vor allem wieder gemerkt habe: Die Stadt Göteborg ist klein. Klein, was die Zufälle und Begegnungen anbelangt. Natürlich ist das banal – und man könnte sagen „die ganze Welt ist klein“. Aber hier, in Göteborg, könnte man glatt seinem Chef in der Sauna begegnen. Und zwar regelmäßig!

Das hat’s in Hamburg nie gegeben…

Was war geschehen?

"Mingelkväll" im Seemannsheim

Also, kaum war ich also wieder zurück, musste ich mich zum „kalas“ – Geburtstagsfest – meiner Tanzgruppen-Leiterin aufmachen. Über sie könnte jemand, der sie besser kennt, einen eigenen Blog verfassen und darum sei hier nur eben erwähnt, dass sie 60 Gäste im Prachtsaal eines ehemaligen Seemanns-Heims um sich scharte. Von dieser Partygesellschaft haben mindestens 6 eine Rede gehalten, 12 etwas vorgesungen, 8 etwas getanzt, eine Klavier gespielt und eine andere die animierte Dia-Show aus dem Leben der Jubilarin abgespielt… Der Clan, die Freunde, berufliche Weggefährten, Fans und Gleichgesinnte haben der alten Dame – nach alter Schule – die Ehre erwiesen. Ich als Manieren-Banause habe nicht schlecht gestaunt…

Da kamen also die unterschiedlichsten Leute zusammen. Und ich als kleiner Zaungast treffe dort jemanden – für den dortigen Anlass ein recht „junger Spund“, – niemand Geringeren als den Kollegen meines Freundes, der in Stockholm ein Startup gegründet hat und ansonsten sehr hip ist. Aber hier: hier war er der artige Großneffe der alten Dame und nicht schlecht erstaunt, mich bei diesem familiären Anlass zu sehen.

Aber es war gar nicht nur eine „intime“ Feier, bei der Verwandte in Erinnerungen schwelgten – es waren dort unter anderem auch Kollegen des Geburtstagskindes, Lehrende der Folkuniversitet. Und zwar die italienische Abteilung. Und wen treffe ich gleich heute wieder – dazu noch „bei der Arbeit“? Einen dieser Geburtstagsgäste – ein italienischen Muttersprachler, der nebenbei auch bei besagter Marktforschungsfirma arbeitet (die übrigens wieder „Saison“ hat und mich kurzfristig wieder einstellte).

Was sagt mir das? Göteborg ist KLEIN. Wieviele „Bekannte“ und bekannte Gesichter ich in diesem halben Jahr schon getroffen habe! In Hamburg ist mir sowas jedenfalls nie passiert – und dort war ich mein halbes Leben. Triffst du jemanden in Hamburg, siehst du ihn garantiert nie wieder. Schon gar nicht zufällig auf der Straße, bei der Arbeit oder beim Sonntagsausflug. Das wäre ja auch furchtbar unhanseatisch gewesen…: Wen man in der Freizeit sieht, mit dem will man im Beruf am liebsten nix zu tun haben, oder umgekehrt. Das wäre ja, wie den Chef in der Sauna anzutreffen. Doch DAS schafft man in Göteborg ganz bestimmt des Öfteren!

Für mich hat das natürlich sein Gutes: „Kontakte knüpfen leicht gemacht.“ Und wenn es beim „Seniorenkalas“ im Seemansheim ist: Man lernt Leute kennen, und die Beziehungen festigen sich. Ein gutes Personengedächtnis hilft am neuen Lebensmittelpunkt – und ich fasse dies jetzt als Segen auf. „Was machst DU denn hier?“ – hätte man sich in Hamburg beschämt gefragt… Hier freue ich mich, dass ich jemanden außer meinen Liebsten kenne, – und fühle mich ein bisschen als Teil der „Göteborg-Familie“. Wenn auch als ferner, junger Zweig…

Übrigens: Mein Freund hat gerade heute ein Meeting mit besagtem jungen Kollegen, der zugleich Großneffe ist. Und ich drücke demnächst wieder die Schulbank in der Folkuniversitet und sage zu dem neubekannten Arbeitskollegen jeden Tag „buon giorno“.

Advertisements

2 Gedanken zu “„DU? Hier?!“

  1. välkommen tillbaka! 😉

    schön das du bald wieder die schulbank drueckst. was hat dich motiviert doch weiter zu machen? in einem vorigen beitrag habe ich irgendwie den eindruck gehabt, du findest keine zeit dafuer? ich finds klasse! Als Arbeitslose *lach* ohne tolle Fähigkeiten mich Selbstständig zu machen, bin ich jeden Tag im Kurs und jeden Tag tu ich mir ein Stueck leichter, jeden Tag gehts ein bisschen besser und ich bin richtig motiviert das Tempo zu halten bis ich auch in meinem Blog schreiben kann, dass ich mich fluessig mit Leuten unterhalten kann (im Moment bin ich eher froh wenn ich mich irgendwie auf schwedisch verständigen kann und von fluessig KEINE SPUR) Du bist also in gewisser Weise mein Vorbild!

    Und: Ich finds super das man in Göteborg Leute „einfach so“ trifft. Sowas hats in Wien auch nicht gegeben. Mir passiert das in Karlstad nicht so oft, aber ich habe einfach durch den Kurs so komische Zeiten (fahre mittags dann zu uns aufs Land raus) dass das eher unwahrscheinlicher ist. Trotzdem trifft man Leute die man kennt manchmal und das ist auch wirklich schön und gibt einem ein heimeliges Gefuehl.

    • Schwedisch-Kurse würde ich immer wieder machen! Denn die sind richtig gut – so wie deine! 😉 Ich hatte auch genug Zeit, aber wollte Geld sparen … jetzt wo ich wieder arbeite, belege ich einen neuen Kurs – das ist gut investierter Lohn.

      Und du wirst sehen: In Karlstadt gehörst du bald auch „dazu“ – das ist ja sogar noch kleiner und „man kennt sich“ nach einiger Zeit 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s