Schwedisches ABC

„Angående språk“ … und was die Sprache angeht:

Ohne eine Integrationsdebatte loszutreten, wollte ich doch mal aufzeichnen, wieviel Schwedisch ich bis jetzt eigentlich gelernt habe. Welche fremdsprachlichen Fähigkeiten man in 9 Monaten ausbrüten kann – und welche nicht. Zugegeben: Die Grundlage für meinen heutigen Stand wurde schon in Deutschland gelegt – mit VHS-Kursen „Anfänger A1, A2“, einmal wöchentlich, ohne Training zwischendurch. In Schweden dann meine beiden Crashkurse in der Göteborger folkuniversitet, die mich einen Riesenschritt nach vorn gebracht haben („Danke, Torbjörn!“), sowie ein Abendkurs zwei Mal die Woche. Das alles bis zum Niveau B2.

Bild: Folkuniversitetet

In einem Interview mit Sprachpädagogen habe ich einmal Folgendes gelesen: „Ist man auf Niveau B angekommen, braucht sich der Gesprächspartner nicht mehr an den Sprach-Lernenden anzupassen. Man kann sich verständigen, ohne die Sprache zu wechseln (z.B. englisch zur Hilfe nehmen). Es ist vielleicht noch nicht alles richtig und korrekt, aber das Gespräch wird deswegen nicht abbrechen. Außer aus Bequemlichkeit.“

Ich bin also „B“ von insgesamt „A/B/C“ – und meine Fortschritte sind ganz unterschiedlich, je nach Anwendungsbereich der Sprache.

Leseverstehen: Begreife ich das, was ich auf schwedisch lese? Ja, und das war auch das Erste, was am besten klappte. Inzwischen lese ich jeden Morgen die Zeitung (GP ❤ ), schwedische Webseiten, das Fußball-Magazin meines Freundes, Infobroschüren und jüngst auch: Krimis. Klar, bei Schönliteratur gibt es Sätze und Wortgebilde, die nicht unbedingt alltäglich sind – doch das gibt einem nur noch besseren Einblick in die Möglichkeiten der Sprache. Und was für ein Unterschied zu „Lättläst“! Diesen speziell redigierten, „leicht zu lesenden“ Ausgaben, die ich am Anfang noch vorgezogen habe. Nein, dahin will ich nicht zurück…

Ein wenig wie im europäischen Esperantoland fühle ich mich, wenn es Filme mit schwedischen Untertiteln im Fernsehen gibt: davon die liebsten sind mir „Montalbano“-Episoden. Italienische Krimis, in denen die schöne Sprachmelodie mit kurzen schwedischen Untertiteln etikettiert wird. Die lesen mein Freund und ich dann gleichermaßen gespannt, während der Kommissar – „un filio de la fortuna“ – seine Sätze über Minuten hinsingt, langatmig diskutiert und leidenschaftlich streitet. Herrlich!

Hörverstehen: Kommt ganz wie im Deutschen auf den Sprecher an. Nuschelt einer in seinen Bart, hat man keine Chance. In einer lauten Kneipe ebensowenig. Geht jemand auf der Straße vorbei und spricht in sein Handy, fasse ich kaum, was der eigentlich grad gesagt hat. Lauscht man dem Gespräch am Nachbartisch, kommen bei mir nur Fetzen an. Das Hörverstehen fordert meine ganze Konzentration – im Unterschied zu deutsch kann ich aber auch einfach abschalten und einfach nicht (zu)hören, was gerade gesagt wird. Ich verstehe den Radiosprecher, den Nachrichtensprecher, aber nicht „Gunvald Larsson“ in den Beck-Filmen (nuschelnuschel). Letztens war ich auf einem Vortrag in der Handelshochschule – und hab direkt alles aufgefasst, was die Referentin über „Die Bedeutung von kulturellen Unterschieden bei internationalen Geschäftskontakten“ erzählt hat. Immerhin. Und wenn mein Freund mit seinen Freunden „schnackt“, umgangssprachlich, verstehe ich inzwischen das Meiste – nur nicht immer den subtilen Humor…

Sprechen: Als ich bei meinem Coach auf der Couch gesessen habe, musste ich über meine Ausbildung, meinen Job, meine Ziele und meine Bewerbungen sprechen. Wie hab ich mich bemüht, vollständige, grammatisch korrekte Sätze zu sagen – geklappt hat es nur teils, und nach langer Bedenkzeit. Weil Vokabeln fehlen, muss man aber gleichzeitig kreativ mit der Sprache jonglieren; Klar kommen mit dem, was man hat! Und das war recht gutes Training.

Mehr alltäglich gesehen: Ich kann natürlich sagen, was ich will, kann erzählen, was passiert ist, kann fragen und antworten – das klappt alles schon recht gut. Nur beim Smalltalk bin ich zurückhaltend: zum einen, weil ich ungangssprachliche Wendungen nicht so einfach „parat habe“, zum anderen, weil mir die Sprache manchmal völlig entgleitet, wenn ich mich spontan äußern will. „Ja, genau, den Film habe ich auch gesehen!“ – „Oh! Entschuldigung. Das wusste ich nicht!“ – „So ein unfreundlicher Verkäufer aber auch!“ Das mal eben kurz und emphatisch rüber zu bringen, ist gar nicht so einfach für mich. Gerade wenn es schnell gehen soll, rutschen mir da englische und deutsche Wörter rein, und das geht dann natürlich total am Sinn vorbei…

Schreiben: Weil ich viel gelesen habe, bekomme ich gerade in letzter Zeit ein Gefühl dafür, was schriftlich alles geht. Habe bis jetzt vor allem Mails, Bewerbungen und einige „Übungstexte“ geschrieben. Leserbriefe, die nie gesendet wurden. Entwürfe, Gesprächsmanuskripte. All das dauert noch immer fuuuurchtbar lange. Aber dafür wird’s auch besser. Meine Mails sind nahezu fehlerfrei, was man von den schludrigen Mailantworten der Schweden nicht immer behaupten kann. In meinen Bewerbungsanschreiben sieht mein persönliches Korrektorat einen guten, abwechslungsreichen Ausdruck und einen mitunter spannenden Textaufbau. Das gilt ja wohl für alles Sprachen, dass man nicht jeden Satz mit „Ich bin..“, „ich habe…“, „ich mache..“ anfängt. Schön auch, dass die Grammatikfehler weniger werden. Meinen Antrag für den starta-eget habe ich allein ausgefüllt – und auf den Punkt gebracht, was ich sagen wollte. Beim Schreiben habe ich Zeit, die mir beim Sprechen fehlt, Emphasis und die eigene Persönlichkeit hineinzulegen.

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Ein Gedanke zu “Schwedisches ABC

  1. super hört sich das an – richtig gut!
    Du hast also A1 und A2 in Deutschland gemacht – sehr gut. Ich hatte irgendwie die Zeit nicht, erstens weil sich meine Umzugspläne schnell geformt haben und dann weil meine Arbeitszeiten (bis 18 Uhr) nichtmal zu den Abendkursen gepasst haben. Ich habe in Ö mich getraut und gleich A2 besucht und war dort hilflos verloren – allerdings hat es das gemacht was es soll – mir einen Grundstein gelegt und heute im Kurs habe ich schon einige Dinge gehört und gelernt. Das ist definitiv ein Vorteil und ich wuerde jedem empfehlen vorm auswandern zumindest irgendwie, wenn auch nur kurz in einen VHS Sprachkurs reinzuschnuppern.
    Ich mache ja die staatlichen Kurse nun und da ist das leider nicht nach den internationalen Leveln A1, A2, B1 usw. aufgebaut. Bei Komvux gibt es A, B, C, D. Jeder mit mehr als 9 Jahren Schuldbildung fängt mit C an, da bin ich jetzt – also komplett an der Basis. Nach jedem Modul gibt es eine Pruefung. Meine ist am 9. Dezember. Drueckst du mir die Daumen? Danach geht es in den D Kurs. Danach kommt SAS (Schulniveau: 6,7,8 in Schweden), danach kommt Schwedisch A und Schwedisch B und danach kann man in Schweden die Hochschule besuchen. Ich weiss nicht ob ich das will und ich muss auf jeden Fall Arbeit nebenbei finden FALLS ich das will (bin ja nicht mehr die juengste und wir brauchen das Geld ja auch) aber ich finds klasse, dass der Staat das so anbietet.
    Du und eine meiner amerikanischen Kurskolleginnen – ihr habt mich total motiviert mich an ein schwedisches Buch zu wagen. Ich hatte mir die „lätt svenska“ Sachen ausgeborgt aus der Biblio, aber ehrlich, ich bin eine Leseratte und diese Werke haben mich nicht herausgefordert und keinen Spass gemacht. Im Moment kann ich leider nicht in den Kurs gehen (die lieben Bandscheiben lassen gruessen). Ich war gestern dort und habe mir beim heimgehen noch einen schwedischen Roman gekauft. Stephenie Mayer „Om jag kunde drömmar“ Ich habe das englische Buch aus „Bellas“ Sicht gelesen und nun lese ich das schwedische Buch aus „Edwards“ Sicht. Da mir der Inhalt nicht ganz fremd ist, hoffe ich wird mir das helfen. Gestern habe ich mich mal an die ersten 20 Seiten gemacht und ja, ich verstehe nicht alles, aber es freut mich schon, das ich den Gesamtkontext verstehe. Wenn du einmal Lust hast, gib mir doch mal Tipps wie du dein lesen auf schwedisch intensiviert hast. Hast du auch Vokabeln rausgeschrieben, oder dich damit zufrieden gegeben wenn du den Zusammenhang verstehst?

    Liebe Gruesse, sorry fuers schwafeln!

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