Frühstückstischgedanken (3)

„Facemob“ – Fluch oder Segen?

Vielgelobtes Facebook. Gerade die letzten Tage rennt die Zeitung ihm wieder wie ein Hund hinterher – und schnappt sich Themen aus dem sozialen Netzwerk auf. Themen, die eigentlich ihre ureigensten sein müssten. Ja, Facebook entwickelt sich immer mehr zur hochaktuellen Flaschenpost, mit allen Vor- und Nachteilen.

Staunten die Medien schon im Sommer über die „Facebook-Parties“, bei denen sich Jugendliche über das Internet zu spontanen Outdoor-Treffen verabredeten, so freut man sich heute, dass Facebook auch politisch bewegt: 5000 Menschen trafen sich einen Tag nach der Riksdags-Wahl zum „Trauerzug“ gegen die rechten „Sverigedemokraterna“. Eine Demo, die keine Gewerkschaft und kein Parteiaufruf so schnell und wahrhaftig auf die Beine hätte stellen können. Wie kam’s? Massenmobilisierung durch einen Aufruf bei Facebook!

Toll! Oder?

Dass durch die totale Transparenz aber auch genau das Gegenteil erreicht werden kann, zeigt sich diese Woche – nach dem Aufsehen erregenenden Mord an einer jungen Frau aus Göteborg. Derzeit sitzt ein Verdächtiger fest und wird verhört; Die Ermittlungen laufen. Und offizielle Verlautbarungen können weder bestätigen noch dementieren, dass der Mann auch wirklich der Täter ist.

Aber Facebook kann! Hat genau diese verdächtige Person mit Namen, Bild und Adresse ausfindig gemacht, stellt ihn jetzt zur Schau und schmeißt Steine auf ihn. „In dubio pro reo“? Nicht bei Facemob: „Ich hoffe, er stirbt einen langsamen, ekligen Tod, wenn er der Täter ist“ – ist nur eine der zahlreichen Drohungen. 6200 User haben bereits auf die Seite geklickt und ihre Kommentare hinterlassen.

Mit fällt dazu ein: Der mittelalterliche Marktplatz feiert seine Wiederauferstehung im Web 2.0. Der Mob wird aufeinander losgelassen. Selbst schuld, wer sich da zu weit aus dem Fenster lehnt,  seinen „Privat-Scheiß“ entsorgt und auch zu allem eine Meinung hat. Denn wenn es schief läuft, kann das alles gegen dich verwendet werden – auch „wenn du nicht der Täter bist“.

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