„Starta eget“

Bild: Aktiebolagtjänst

Nicht so sehr aus Überzeugung, sondern aus Notwendigkeit gehe ich im Moment mit dem Gedanken schwanger, selbständig zu werden. Als ich Patrick vom Arbeitsamt nämlich erzählte, dass ich bereits einige Aufträge und Anfragen für Freelance-Arbeit hätte, witterte er die Gelegenheit. „Warum beantragst du nicht ‚Starta eget‘?“, fragte er – und gab mir ein Formular in die Hand. Mit dem ’starta-eget-bidrag‘ wird in Schweden die Gründung von Unternehmen gefördert. Wer eine Firmenidee zusammen mit einem einigermaßen realistischen Geschäftsplan vorlegen kann, meldet ein Gewerbe an und kann sechs Monate lang Förderbeiträge in der Höhe des Arbeitslosengeldes erhalten.

Für Einheimische, die schon zu lange arbeitslos sind (nach einem Jahr läuft auch hier das reguläre Arbeitslosengeld aus), ist die Maßnahme ’starta-eget‘ oftmals ein Ausweg aus der Sackgasse – oder aber ein Aufschub für das Elend, das danach folgt. Denn 80 Prozent der Starta-eget-Firmen kommen nicht in Gang und werden nach einem halben Jahr wieder aufgelöst.

Für mich, die bislang eh kein Arbeitslosengeld erhält, hätte das „starta eget“ natürlich einige Vorteile. Nicht nur, dass ich mit einem monatlichen Zuschuss etwas leichter über Wasser halten kann. Ich käme auch hinein in das Sozial- und Rentenversicherungssystem, was wiederum meinem permanenten Aufenthalt zugute kommt. Und auch, wenn meine Übersetzungs- und Freelance-Aufträge Eintagsfliegen bleiben: mit einem angemeldeten Gewerbe könnte ich endlich „richtige“ Rechnungen schreiben.

Laut Patrick hätte ich trotz Starta-eget die Möglichkeit, weiter eine Festanstellung zu suchen – und sozusagen „Halbtags-Unternehmer“ zu sein. Was bei der doch sehr mäßigen Auftragslage realistisch erscheint. Laut meines Liebsten (der ja ebenfalls Ein-Mann-Unternehmer ist), dient das halbe Jahr Beitrag aber eben auch dazu, sich einen Kundenkreis aufzubauen. Hätte ich also die Chance, von Schreiben und Übersetzen auch wirklich zu leben, wäre mein kleiner kühner Traum erfüllt. Als potenzieller Pessimist erwarte ich das jedoch nicht. In schlechten Momenten denke ich mitunter dran, meinen Beruf an den Nagel zu hängen. Auf der anderen Seite raten mir alle, dass die Zeit es zeigen wird. Und dass ich Geduld haben muss bei einem Neustart im „Ausland“ – auch wenn sich alles schon so „zu Hause“ anfühlt…

Drum werde ich also das Formular ausfüllen und es morgen zu Patrick tragen. Wenn es bewilligt wird, hängt die Höhe des „starta-eget-Beitrages“ noch davon ab, ob meine deutsche Zeiten in Lohn und Brot anerkannt werden. Dafür habe ich das PDU1, ehemals E 301, beantragt. Bei der Auslandsvermittlung des Arbeitsamts Hamburg wurde ich sehr zuvorkommend darüber beraten – es lohnt sich also, auch nach einem halben Jahr noch danach zu fragen. Mit dem PDU1 wird belegt, wie lang man in die deutsche Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat. Bilaterale Verträge machen es dann offenbar möglich, seine Ansprüche auch im EU-Ausland geltend zu machen. Die Liste der Arbeitsverträge und eventueller anderer Zeiten ist auch nicht ganz unwichtig für Rückkehrer. So oder so – mit E 301 fängt man beim Arbeitslosengeld nicht bei Null an. Und das erhoffe ich mir natürlich, denn der Basissatz für „bidrag“ ist in Schweden lächerlich gering – und muss auch noch versteuert werden.

Pragmatisch gesehen, ist das „starta-eget“ für alle Seiten eine Win-Win-Situation: das Arbeitsamt hat mich raus aus der Statistik und ich gewinne ein halbes Jahr Zeit, mir ein paar Kunden oder aber „etwas Vernünftiges“ zu suchen. Und wenn das E 301 wirklich so funktioniert, wie es den Anschein hat, liege ich noch nicht mal dem schwedischen Staat auf der Tasche. Leider kennen sich nur wenige Behörden-Experten mit diesen EU-Angelegenheiten aus.

Starta-eget-Infos

vom Arbeitsamt

vom Entreprenörcentrum

E 301-Infos für Schweden

für Dänemark

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4 Gedanken zu “„Starta eget“

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