Am Wahlabend

Bild: Jacob Andrén / Göteborg stad

So, die Stimmen sind ausgezählt. Und eigentlich sähe die politische Landschaft in Schweden am Wahlabend schön ausgewogen aus – wenn da nicht die „Sverigedemokraterna“ wären: die rechten Wölfe im Schafspelz, nein, im Juppie-Zwirn. Sie haben auf „riksdags“-Ebene knapp 6 Prozent der Stimmen bekommen. In Skåne ganze 10 Prozent.

Das ist natürlich ein Grund mehr, diese südliche Provinz von Schweden abzunabeln und Dänemark zuzuschlagen. Traditionell fühlen sich viele Schonen den Dänen näher – und lassen es die Herzland-Schweden spüren. Das führte zu der halb ernstgemeinten Idee, einen Graben zu schlagen auf der Höhe von Ängelholm bis rüber nach Kristianstad – und das lose Stück Land einfach der Ostsee zu überlassen. Vielleicht treibt es ja davon und dockt an Seeland an.

Petition: Gräva bort Skåne

Nein, ohne Scherz: In Dänemark regt sich doch kaum einer wirklich über rechtes Gedankengut auf. Seit den Mohammed-Karikaturen hat man dort die political correctness in den Wind geschossen – und ist auch noch stolz darauf. Denke ich jetzt politisch an Skåne, sehe ich das Alte Land und die Vierlande – wo die Braunen stets ihre Hochburgen haben. Bei all den Großbauern, die sich über „die Ausländer“ beschweren, die sie selber als Saisonarbeiter für ihre Plantagen heuern. Nicht mal die Großstadt Malmö mit all seinen Einwanderen hatte den Rechten soviele Stimmen gegeben wie das ländliche Skåne gesamt.

In Schweden sind jetzt jedenfalls alle ziemlich zerknirscht. Die Sverigedemokraterna waren die einzige Überraschung am Wahlabend, während man bei den anderen Parteien genau wußte, woran man ist. Schon lange zuvor wurden politische Blöcke geschmiedet. Erstmals stand der „Allianz“ aus Bürgerlichen, Liberalen und Christlichen ein Bündnis aus Sozialdemokraten, Grünen und Linken gegenüber. Das erspart den Wählern natürlich so manche Enttäuschung über üble Koalitionen und kleine Zünglein an der Waage. Auf der anderen Seite schwächt so ein Bündnis immer auch „die große Partei“ im Block. Ich las, dass viele Wähler die traditionell starken Sozis nicht mehr stützen mögen, seit sie offen mit den Linken – „Vänster“ – kuscheln. Aber dass die große alte Dame aus eigener Kraft eine Regierung stemmen würde, war eben auch nicht mehr selbstverständlich. Darum der rot-rot-grüne Block.

Nun steht es – halb 12 am Wahlabend – so etwa 49 zu 42 Prozent für schwarz und rot, keine Mehrheit für niemand. Ich finde, das ist nicht das Schlechteste, es gibt immerhin allen Demokraten das Signal, dass ihre Macht nicht selbstverständlich ist, dass sie sich zusammen setzen und die Sachfragen angehen müssen.

Zum Wahlgang selbst hat übrigens ein Kollege (?) sehr kurz und präzise berichtet – in seinem Blog, das ich bei dieser Gelegenheit gerne in meine Link-Liste mitaufnehmen möchte. Wenn ich darf. Gruß nach Norden!

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Ein Gedanke zu “Am Wahlabend

  1. Die hohe Stimmenanzahl für die SD hat uns hier auch schockiert und nicht nur Du hattest die Idee, Skåne an Dänemark zu verschenken … .

    (Und natürlich, über eine Verlinkung meines Blogs freue ich mich natürlich immer)

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