Ferrarirote Nummernschilder

Mein Auto ist jetzt schwedischer als ich selbst. Gestern habe ich von der Transportbehörde rote Nummerschilder und Papiere bekommen – als Zeichen der „vorläufigen Registrierung“. Bis November habe ich nun Zeit, zum schwedischen TÜV zu gehen und die Knutschkugel endgültig in Schweden zuzulassen. Und so in etwa sehen die Schilder aus:

Bild: Transportstyrelsen

Die Ummeldung des eigenen PKWs ist mit Abstand das komplizierteste am gesamten Umzug. Im sehr guten Auswanderer-Guide von Delia Kühbeck – „Alltag in Schweden“ – nimmt dieses Kapitel allein elf Seiten ein. Der Abschnitt über die Anerkennung deutscher Studienabschlüsse oder Gesellenbriefe kommt dagegen mit drei Seiten aus. Doch dafür wird auch Schritt für Schritt erklärt, was man mit seinem Auto zu tun hat, die Info ist aktuell und vor allem: auf deutsch. Auf den Webseiten von www.transportstyrelsen.se steht zwar ziemlich genau dasselbe – aber wer schwedischem Behördendeutsch nicht mächtig ist, sollte Külbecks Buch vorziehen.

Klar ist also, dass auch in Schweden alles seinen geregelten, bürokratischen Gang gehen muss. Doch ich finde, dies geschieht in einem für den Bürger sehr angenehmen Tempo und ist bequem zu bewältigen. In meinem Fall schickte ich die Anträge per Post, überwies die Gebühr online und bekam eine Woche später das Nummernschild. Gleichzeitig wird mir eine lange Frist für den Rest des Procederes gewährt: TÜV, permanente Versicherung und endgültige Zulassung. Geschieht alles nach und nach im Herbst – während ich unterdessen unbesorgt weiterfahren kann.

Immerhin hatte ich noch den Vorteil, dass ich mich mit der Ummeldung nicht beeilen musste. Normalerweise verliert das Auto seinen Status als „Touristen-Kutsche“, sobald man eine Personnummer hat – und somit den Wohnsitz in Schweden. Ab dann, so heißt es, muss man sein Auto innerhalb einer Woche beim Transportstyrelsen anmelden. „Mein“ Auto gehörte bisher aber meinem Vater (der mit vielen Jahrzehnten Fahrpraxis nun einmal die besten Versicherungstarife bekommt – selbst für Zweitwagen…). Jedenfalls konnte ich mir so ein wenig Zeit lassen.

Doch nun ist auch diese Verbindung zu Deutschland gekappt. Das deutsche Auto aus italienischer Herstellung wird schwedisch – in vielen kleinen Schritten:

  • Erst besorgte ich mir eine spezielle vorläufige Versicherung, die so genannte „trafikförsäkring för tillfällig registrering“. Die gewährt drei Monate Narrenfreiheit, also Vollkasko, für 1.500 Kronen.
  • Dann „kaufte“ ich das Auto meinem Vater ab – und hatte durch den Kaufvertrag gleich den Beweis, dass ich neuer Besitzer bin.
  • Aus dem Internet druckte ich mir die Anträge für „tillfällig registrering“ und „ursprungskontroll“ aus.
  • Als Grund für die Einfuhr gibt man einfach „annat ändemål“ an, das heißt soviel wie „Sonstiges“ und bedeutet, dass man danach mit seinem Fahrzeug machen kann, was man will. Da es ein Gebrauchtwagen ist, brauchte ich mich um Steuer und Zoll nicht weiter zu kümmern.
  • Die ausgefüllten Anträge schickte ich samt Kaufvertrag, Versicherungsnachweis und Original-Papieren (!) an den Transportstyrelsen in Örebro.

Dabei wurde mir zum ersten Mal mulmig: Fahrzeugschein und -brief so einfach aus der Hand geben?? Trotz Einschreiben gefiel mir das nicht besonders. Aber laut Behörde werden diese Papiere archiviert – man legt sozusagen eine „Geschichte des Fahrzeugs“ an. Wichtig ist dies auch später für die Abmeldung aus Deutschland.

  • Dann überwies ich die Gebühren für „tillfällig registrering och ursprungskontroll“ – gesamt 1.100 Kronen.
  • Gestern kamen die Nummerschilder. Ganz cool in Ferari-Rot metallic mit weißer Schrift. Das Beste ist, dass die drei Ziffern die Postleitzahl unseres Wohnviertels bilden. Ein schöner Zufall – so kann ich mir die Nummer wenigstens merken.
  • Zugleich kam der „Registreringsbevis“, der vorerst als Fahrzeugschein dient – mit dem Hinweis: „Vorläufig zugelassenes Fahrzeug“.
  • Als nächstes kommt die „registreringsbesikning“ – Besichtigung / TÜV – bei einer autorisierten Werkstatt. („bilprovningen“). Das kostet natürlich auch nochmal ‚was.
  • Ist alles ok, meldet der schwedische TÜV dies automatisch bei der zuständigen Transportbehörde an.
  • Schließlich würde ich meine endgültigen, weiß-schwarzen Nummerschilder bekommen. Und die Papiere.
  • Zum guten Schluss muss man nochmals die Zulassung oder „Inbetriebnahme“ (=“påställning“) beim transportstyrelsen beantragen und sollte für diesen Zweck schon eine „richtige“, permanente Autoversicherung abgeschlossen haben.
  • Erst, wenn das alles geschehen ist, meldet man seinen PKW aus Deutschland ab…

Warum also einfach, wenn es auch kompliziert geht? Zum Glück habe ich mich gut auf diesen Behörden-Marathon vorbereitet. Was ärgerlich ist an der ganzen Sache: In dieser ganzen Zeit, die allein für Administratives drauf geht, zahlt man doppelt Steuer und Versicherung: in Deutschland wie auch in Schweden. Ob das so sein muss – oder ob man evtl. etwas erstattet bekommt – sollte ich als nächstes klären.

Das Thema ist auch häufig in der Schwedenstube diskutiert worden. Ich verlinke mal einen Thread aus dem dortigen Forum:

http://sweforum.schwedenstube.de/anmeldung-kfz-auto-t14182.html

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6 Gedanken zu “Ferrarirote Nummernschilder

  1. Hi,

    bei mir war das alles ganz anders.
    Ich habe seit heute auch ein schwedisches Kennzeichen, aber bei mir ging das alles nen ganz anderen, lässigen Gang und ich hatte auch mehr als eine Woche Zeit. Allein das Einsenden der Papiere und der Termin beim Transportstyrelsen hat insgesamt 2 Monate gedauert. Aber jetzt habe ich schwedische Papiere und ein schwedisches Kennzeichen.

    Wir sollten echt mal skypen, ich find es lustig wie wir unterschiedliche Sachen erleben. Wieso hast du denn nur ein tillfällig registriering gemacht ? Ich habe alles in allem 700 Euro bei Transportstyrelsen und 1200 Kronen fuer die Ursprungskontroll- und normale TUEV Besichtigung gezahlt. Nun muss ich erst wieder nächstes Jahr zur normalen Kontrolle.

    Und ganz suesse Kenzzeichenumrandungen bei Biltema habe ich mehr gekauft, lach.

    LG
    Rädisa mit den neuen Kennzeichenzeichen CLS … 🙂

    • Hey hey 🙂 tja, „tillfällig“ deshalb, weil ich sonst mein Auto nicht hätte fahren können. Ohne Papiere und gültige Zulassung? Und wir wollen doch Ende August nach D…
      Aber vielleicht war’s auch einen Schritt mehr als nötig – dann beiß ich mir natürlich in den Hintern 😉

  2. Pingback: „Willst du für immer bleiben…?“ | Nach Schweden

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