„Referenser lämnas på begäran“

Viele wertvolle Tipps und Tricks für die schwedische Arbeitswelt habe ich in 6 Monaten nun mit auf den Weg bekommen. Mein zuvor genannter Jobcoach – aber auch mein Sprachlehrer – zeigten mir die einige subtile Unterschiede und den neuesten Stand in Sachen Bewerbung und Vorstellungsgespräch. Der Umgang miteinander in der Berufswelt ist an sich schon Lichtjahre von dem entfernt, was ich in Deutschland kennengelernt habe. „Flache Hierarchien“, wie es so schön heißt, erlauben selbst einem Neuling oder Junior einfach beim Chef reinzuspazieren, wenn man ein Anliegen hat. Den echten oder gefühlten Bückling bei der Begrüßung kann man sich schenken – und meist weiß man in einem Arbeitstreffen zunächst gar nicht, „wer hier eigentlich der Chef ist“. Denn die Aufgaben werden gern delegiert – und im Führungsteam hat jeder weitreichende, ähnlich gelagerte Kompetenzen.

Um sich so einer eingeschworenen Firmenfamilie zu nähern, sollte ein Bewerber also am besten „völlig normal“ bleiben – und von jeglichem devoten Gehabe absehen. Ich wurde zum Beispiel eindringlich angehalten, persönliche Briefe an Firmenchefs kurz, knapp und einfach zu halten. Oder Mails zu schicken in normaler Alltagssprache – ohne gestelzte, manierierte Floskeln. Kein „sehr geehrter Herr“, sondern einfach „hej“. Da muss man sich als Deutscher erstmal überwinden!!

Auch sollte man in einem ersten Kontakt bloß nicht zu sehr ins Persönliche gehen und seine Beweggründe erklären. Vielmehr sollte man einfach höflich um ein Treffen bitten. Weil man sich interessiert. Punkt. Das ist laut meiner Lehrer etwas, das in Schweden kaum jemand ausschlagen kann. Auch wenn nicht sofort klar wird, was diese neue Person eigentlich will. Solange sie bloß nicht als Bittsteller auftritt. Macht also das Rückgrat gerade! Und sagt nicht gleich im ersten Satz: „mein Schwedisch ist leider noch nicht so gut“ – das hören die Chefs selber, wenn man mit ihnen spricht. Je professioneller der Auftritt, desto besser die Chancen für das Treffen und eventuelle Zusagen im Nachhinein. Ein Telefonat mit „ich heiße Katgo, ich komme aus Deutschland“ zu beginnen, ist laut meiner Lehrer einfach unprofessionell. Besser ist es, so richtig auf die Kacke zu hauen: „ich bin Journalist und schreibe für diese und jene…. (in Deutschland)! Wollen wir uns treffen?“

Bei der Bewerbung ist neben dem Mail-, Brief- oder Telefonkontakt der Lebenslauf das Wichtigste. Den Curriculum vitae, CV – wie die Schweden es gerne abkürzen, sollte man immer auf dem neusten Stand in seiner Handtasche haben. Auch bei unverbindlichen Treffen ist es durchaus üblich, zu sagen: „Ich kann Ihnen (nein, „Dir“) meinen CV da lassen.“ Selbst wenn das Dokument am nächsten Tag in den Papierkorb wandert – der Chef wird zumindest einmal reingeschaut haben.

Man kann einen chronologischen oder thematischen CV verfassen. Oder beides – und je nach Job und Gelegenheit den ein oder anderen aus dem Hut zaubern. Ich weiß nicht, ob ich jetzt unerlaubt geistiges Eigentum meines Jobcoaches verbreite, aber dies war ihre empfohlene Gliederung:

Mål / Profil:

Das sind einleitende 4 bis 6 Zeilen über das, was man will und was man kann. Eine kurze Zusammenfassung, was einen beruflich auszeichnet. Zum Beispiel:

Redaktör med gedigen erfarenhet som… och kompetens inom …. som person är jag engagerad… och brinner för text / reklam / säjl / layout etc.

Erfarenheter:

Hier kommt alles rein, was man bisher beruflich gemacht hat. Entweder chronologisch oder thematisch. Bei Letzterem kann dann auch „ideelle Arbeit“ genannt werden. Unbedingt auch die wichtigsten Aufgaben und Errungenschaften beschreiben! Und so sähe die Gliederung aus:

Führungsaufgaben: —- Redaktionsleiter, verantwortlich für so und soviele Leute…
Redaktion: —- Selbstständiger Redakteur für „neue Zeitung“, diese und jene Themen….
Projektanstellung: —- Produktionsmitarbeiter in der Marktforschung, Interviewer etc…
Freelancing: —- Bloggschreiber auf http://www.seite….
Kreative / ideelle Arbeit: — Forumsadministrator auf http://www.andereseite….

Anställningar / uppdrag:

Hier kommen konkret die Firmen rein, bei denen man beschäftigt war / von denen man beauftragt war.

2009—: Marktforschungsfirma ÄÖÜ
2007-2009: Großer Verlag in Kleinstadt
2005-2007: ABC-Verlag in XYZ
etc.

Utbildning:

Hier kommen alle Ausbildungen hinein, beginnend mit der „höchsten formellen Ausbildung“.

1992-1999: Ewiger Student an Uni XY
1990-1992: Handelsschule oder was auch immer
1977-1990: Schule und Gymmi

Kurser:

weiterführende Kurse und Ausbildungen, die per Zeugnis nachweisbar sind.

… Buchführung und wie man’s macht
… Computer-Programm so und so

Språkkunskaper:

Hier kommen die Sprachkenntnisse hinein. Alles aufzählen, was man gut sprechen kann. Unterscheiden zwischen „goda“, „mycket goda“, „flytande“ und „modersmål“-Niveau.

Övrigt:

hier kann man Führerschein, Angelschein, Freizeit-Engagement (sofern nicht bei „ideeller Arbeit“ genannt) unterbringen.

Persönligt:

hier kann man Geburtsdatum und -ort, ggf. Umzugsdatum nach Schweden, Familienstand, Hobbies und Interessen unterbringen. Nicht zuviel schwafeln… nicht zuviel über Hobbies preisgeben. Das kann nämlich nach hinten losgehen, z.B: „Ich bin ein profunder Kenner von Single-Malt-Whiskys“…. kommt mitunter nicht so gut.

„Referenser – lämnäs gärna på begäran“

Das heißt soviel wie: „Referenzen gerne auf Anfrage“. In Schweden sind sie wichtig und sollten gerade deshalb gut gehütet werden. Wenn man einfach Mail und Telefonnummer seiner Ex-Kollegen oder -Chefs als Referenz in den CV schreibt, werden diese Leute womöglich „überrumpelt“ und können ad hoc keine gute Auskunft geben. Lieber bei entsprechender Anfrage seine Referenzpersonen vorbereiten: „Achtung, da könnte ein Anruf kommen: von meinem potenziellen neuen Chef !“

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