Coach und Karriere

Ich habe an dieser Stelle ja noch nie über meinen Jobcoach geschrieben. Das liegt daran, dass ich mir dem Sinn dieser Einrichtung noch immer nicht völlig bewusst bin. Aber nun läuft diese „Maßnahme“ bald aus – nach 3 Monaten – und ich muss mich natürlich fragen, ob es irgendetwas gebracht hat.

Es ist ja nicht so, dass ich gleichgültig an die Sache herangegangen bin. Im Gegenteil. Immer gut vorbereitet und aktiv beim „Brainstorming“, realistisch in meinen Möglichkeiten und geduldig beim Zuhören, sitze ich seit Mitte Mai also etwa einmal die Woche bei meinem Coach auf der Couch und lote aus, wie meine Karriere nach dem selbstgewählten „Bruch“ und im neuen Land weitergehen könnte.

Und so lief es bisher ab: Sehr bald, nachdem mein für mich zuständiger Arbeitsamt-Mitarbeiter sich ein Bild von meiner Lage gemacht hatte, empfahl er mir einen Jobcoach. Oder vielmehr: wies ihn an. Denn ich bekam ein „kallelse“ – eine Aufforderung – dass ich an dem Coaching nun bis Ende August teilzunehmen hätte. Das Arbeitsamt bezahlt, und ich gehe dafür regelmäßig zu Cathrine, einer ehemaligen Lehrerin, die nun im Coaching von Fach- und Führungskräften aktiv ist. Je nach „Kunde“ legt sie den Schwerpunkt anscheinend ein wenig anders: mal geht es um Persönlichkeitsentwicklung, berufliche Wegfindung, Bewerbungstraining oder „Profiling“. Bei mir war es wohl ein Mix aus alledem. Als Sonderfall eines eingewanderten Kommunikateurs ohne hinreichende Kommunikationsfähigkeiten (noch!) schauten wir gemeinsam, wo ich jetzt und in Zukunft beste Chancen hätte, unterzukommen. Wie beim Psychater hat Cathrine schnell herausgefunden, was ich eigentlich will und am besten kann. Mit dem typischen Profil eines Redakteurs sollte ich gar nicht erst versuchen, fremde Branchen zu erobern. Ganz nach dem Motto: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Und lern‘ vernünftig schwedisch !

So wurde also schnell klar, was ich will. Allein, wie ich dorthin komme – darüber gingen meine und Cathrines Meinungen auseinander. Der Ansatz der Göteborger Coaching-Firma sieht so aus, dass man vor der Jobsuche ein Netzwerk aufbauen soll. Statt also Bewerbungen ins Blaue zu schreiben – oder auf die klassische Stellenanzeige – müsse man vielmehr viele „Freunde“ finden, und dann – in schöner Xing-Manier – überall seine Duftmarke hinterlassen. Man könnte auch Schleimspur sagen…

Sofern man, wie ich, keinen riesigen Freundes- und Kollegenkreis hat, solle man einfach bei Firmen sein Interesse anmelden und sich selbst zu unverbindlichen „Informationsinterviews“ einladen. Quasi den Spieß umdrehen, um so viel wie möglich über den Markt, die Firma und deren Rekrutierungsprozess zu erfahren. Es ist also ungefähr so, dass man ein wenig an der Peripherie einer Firma kratzt, um irgendwann dort an die richtigen Leute zu kommen, die sich im rechten Moment wieder an einen erinnern. Nämlich dann, wenn eine Stelle frei wird.

Für mich klingt das alles sehr nach Prinzip Hoffnung und ist überdies ziemlich anstrengend. Aber versuchen sollte ich es natürlich. Immer mit dem Aufhänger, dass ich ja Journalist für deutsche Medien bin, habe ich bereits einige Firmen angebaggert. Und die ersten dünnen Netzfäden gesponnen. Ganz knapp vorbei am Fettnäpfchen… Da ich einen Abteilungsleiter für Information und PR unter der angegebenen Telefonnummer in seinem Urlaubsort erreicht habe *peinlich*, wird er sich gewiss an mich erinnern, wenn ich Mitte August wieder bei ihm auf der Matte stehe. Eine andere Institution wird sich vor allem für Werbung in der Schwedenstube interessieren. Aber auch für mich?? Mal sehen, wie es läuft. Ich erwarte erstemal nichts, außer: viele Gespräche, wenig Gelegenheiten. Aber da die Schweden „möten“ – Arbeitstreffen – ja lieben und gewohnt sind, ist es hier zumindest einfacher, einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Meine „Freunde“ allerdings werde ich mir nach wie vor nach anderen Kategorien aussuchen. Professionelles Netzwerk hin oder her…

Ein paar Coach-Seiten zur Info. OBS (schwed. „observera“): Auch diese Firmen müssen in erster Linie Geld verdienen…

New Career

Eductus

LTK Mindcare

Wise.se

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