Berufe raten

Das fällt wieder unter die Kategorie: Katgo’s kleine Aufreger. Wenn man Arbeit sucht, kommt man manchmal nicht umhin, sich bei den großen Rekrutierungs- und Zeitarbeitsfirmen anzumelden – denn die annocieren auch Jobs „auf Rechnung des Kunden“, der oftmals nicht genau genannt wird (warum eigentlich nicht?).

Da ist der Bewerber dann gezwungen, sich auf den Web-Seiten und nach den Regeln der Bemannungsfirma („bemanningsföretag“) zu präsentieren, ein Profil zu erstellen und den Lebenslauf hochzuladen. Klingt eigentlich einfach und bequem, ist es auch – aber es schnürt den armen Kandidaten zugleich in ein starres Korsett, das wenig Individualität bei der Bewerbung zulässt.

Und manchmal lässt das Korsett einen ganz schön alt aussehen.

Zumal wenn es um das „Matching“ geht, das sich die Personalfirmen schlicht von den Partnervermittlungen abgeguckt haben. Demnach wäre ich zum Beispiel

– als Akademiker

– mit langjähriger Praxis im Verlagswesen

– als Redakteurin

– für interne und externe Kommunikation

– im Einsatz für Fach- und Tageszeitungen

– mit Spezialierung auf Lebensmittel

– aber auch anderen Themenschwerpunkten

– und mit grundlegender Erfahrung in Layout, Mediaplanung und Führungsaufgaben

ein guter „Match“ für viele Arbeitgeber aus der Medienbranche.

Allein, wenn man diese seine Vorzüge nicht angeben kann, weil das ganze Verlagswesen komplett unter den Tisch fällt, dann hat man plötzlich das Profil eines angelernten Hilfsarbeiters. Praktisch war dies bei mir der Fall, weil „Media“ oder „Verlag“ nicht als Kategorie auf dieser Bewerbungs-Homepage auftauchten. Das heißt: Kein „Match“, kein Treffer, weil das Matchmaking-System versagt hat. Und dann muss man doch wieder in den Lebenslauf schauen, um zu erfahren, was ich eigentlich bin… sofern sich ein potenzieller Arbeitgeber die Mühe macht.

Es kommt zum Glück nicht so oft vor: Das Arbeitsamt hat etwa eine sehr ausführliche Kategorisierung von Berufen, auch so etablierte Rekrutierer wie Manpower haben den Überblick über die Vielfalt der Berufe in Media.

Aber viele „Jobsuch-Seiten“ beschränken sich einfach auf die „big four“ – und das sind Berufe rund um Ekominie, Recht, Technik/ IT und Verwaltung. Es ist einfach ungerecht, wie Leute aus diesen Bereichen vom Arbeitsmarkt hofiert werden, während der ganze riesige Medien-Moloch einfach nicht vorkommt und die dazugehörenden Berufe wie Exoten behandelt werden.

Dabei braucht man doch nur mal genauer hinzuschauen. Was machen Kaufleute, Juristen, Techniker und Verwaltungsfuzzis den ganzen Tag – außer arbeiten? Sie lesen morgens die Zeitung und ein Buch auf dem Weg zur Arbeit, surfen im Internet und gucken abends Fernsehen. Glauben die denn, das entsteht alles einfach aus dem Nirvana heraus? Wieviel Manpower steckt denn hinter einer Zeitungs- oder Fernsehproduktion? Was macht den gesamten Buchmarkt aus? Und das Internet wird schon längst nicht mehr nur von Nerds gemacht, die zuviel Freizeit haben: da ist eine ganze professionelle Medien-Armada am Werk.

Aufnahmeleiter, Bildtechniker, Character-Developer, Dialog-Autoren, Fotomedienlaboranten, Grafik-Designer, Hörspielautoren, Infobroker, Konzeptionisten, Lichtdesigner, MAZ-Editoren, Online-Journalisten, PR-Manager, Regieassistenten, Script-Consultants, Toncutter, Veranstaltungskaufleute, Webmaster, Übertragungstechniker – sie alle sind hochspezialisiert und können bei der Jobsuche nicht in das simple Raster der „Big four“ eingepasst werden. Die Schemata der professionellen Job-Vermittler stoßen ohnehin schnell an ihre Grenzen – beinahe fahrlässig ist es jedoch, wenn aus Bequemlichkeit auf eine ganze Branche verzichtet wird.

Eine Übersicht der Medienberufe von A-Z gibt es übrigens hier. Vielleicht sollten sich das die Start-up-Rekrutierer mal anschauen.

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