Frühstückstischgedanken (2)

Es kommt wohl darauf an, in welchen Kreisen man sich bewegt. Aber die königliche Hochzeit, „det kungliga bröllopet“, ruft beim Normal-Schweden eigentlich keine Hysterie hervor. Natürlich sind die Medien völlig aufgestachelt und versuchen, das Beste draus zu machen – aber wenn man hört, dass etwa Bus-Charter nach Stockholm wegen zu wenig Passagieren abgesagt werden, dann kann das Interesse für das Ereignis nicht ganz so riesig sein.

Es gab eine Umfrage im schwedsichen Fernsehen unter Passanten in Stockholm: „Freuen Sie sich auf die Hochzeit der Kronprinzessin?“ Und so sagten die meisten, dass sie das Ganze recht interessant finden und womöglich im TV verfolgen (wobei die Fußball-WM der Quote in die Quere kommt). Die Einzigen, die auf die Frage ganz aufgeregt in die Kamera gegrinst haben, waren deutsche Touristen: „Jaaaa! Wir sind deswegen extra hierher gekommen!!!“ … Man oh mann, warum haben wir es eigentlich immer so mit Groß-Ereignissen? Von Public-Viewing bis Oktoberfest – die Deutschen kommen erst in der Masse so richtig aus sich heraus. Die Schweden bilden erst gar keine Massenaufläufe – und beneiden die deutsche Feierlust daher beizeiten. Aber wird es bei der königlichen Hochzeit anders sein?

Nicht umsonst hat Deutschland die meisten Journalisten für die (Hof-) Berichterstattung entsandt. Wir Un-Monarchen ließen über 250 Reporter für den großen Tag der Kronprinzessin akkreditieren. Spanier, Holländer, Engländer… kennen das alles schon, und kommen daher mit je rund 50 Leuten aus. Man fragt sich, wer hier eigentlich Hochzeit feiert: Deutsche oder Schweden? Immerhin kann man den Hype damit erklären, dass die Königin einst ein Mädel aus Heidelberg war. Doch ist diese Tatsache der jungen „In-Touch“-Leserin von heute überhaupt bewusst? Silvia ist längst nicht mehr ihre Generation, aber die Hochzeit des Fräulein Sommerlath mit dem König von Schweden ist noch frisch im Gedächtnis der Medien.

Wie dem auch sei. Hier in Schweden wurde in den seriöseren Blättern sehr ernsthaft über die eigentliche Hochzeitszeremonie debattiert. Und über die Tatsache, dass der Brautvater – in diesem Fall der König – seine Tochter Victoria in der Stockholmer „Storkyrkan“ vor den Altar führen möchte. Was in vielen Ländern gang und gäbe ist, wird im Land der Gleichstellung schon lange verpönt. 90 Prozent der Paare, so habe ich gelesen, kommen gemeinsam in die Kirche – als gleichberechtigte Partner. Ob nun aus Überzeugung oder – inzwischen – Tradition, sei mal dahin gestellt…

Was nun so schlimm ist an der anderen Form des hochzeitlichen Kirchgangs, wird klar, wenn man es von der romantischen Vorstellung entstaubt: Es ist das symbolische Weiterreichen des Mädchens vom Vater an den Mann, von einer Abhängigkeit in die andere – und das haben wahrscheinlich schon Feministinnen der ersten Stunde kritisiert. Aber jetzt war es die schwedische Kirche, die dem König diese Sitte ausreden wollte. Und darüber habe ich am meisten gestaunt.

Warum ist plötzlich die Kirche größter Verfechter der „jämställdhet“, der Gleichberechtigung? Und warum will sie ernsthaft der Königsfamilie bei so einem einzigartigen Ereignis – familiär wie politisch – ins Handwerk pfuschen? Es war richtig lächerlich – der König musste sich rechtfertigen und Erklärungen abgeben, warum er seine Tochter an die Hand nehmen will. Am Ende hat er wohl ein Machtwort gesprochen, das nicht überliefert ist. Soweit ich es mitbekommen habe, hat die svenska kyrkan eine, gelinde gesagt, untergeordnete Bedeutung in der Gesellschaft – und das erklärt wohl den Eifer, mit dem sie das hier durchdrücken wollte. Doch gegen den König kommt man in Schweden anscheinend nicht an.

Und so setzt sich der eine Anachronismus gegen den anderen durch. Der Monarch gegen die Kirche. In einer ebenso unzeitgemäßen Sache – wenn man bedenkt, dass eine Hochzeit heute kein rechtes „Versprechen“ mehr ist und es selbst „bei Königs“ nicht mehr heilig ist – siehe Prinz Charles. Trotzdem wünsche ich der Kronprinzessin natürlich alles, was man einer Braut in diesem Alter sonst auch wünschen würde – obwohl ich nicht glaube, dass sie das bekommt: ein normales Eheleben.

Bild: wikimedia commons

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Ein Gedanke zu “Frühstückstischgedanken (2)

  1. *lach* ja ich mag deinen Schreibstil.
    Also das einzige was für uns aufregend ist an der ganzen Kronprinzessinnenhochzeit ist, dass der Bruder meines Freundes auf der Hochzeit Security sein wird – das ist auch schon alles, lach.

    Das mit dem Gleichstellungsrecht ist auch immer erstaunlich für mich. Zum Beispiel sagen ja alle immer Schweden ist so teuer. Mal so mal so … Lebensmittel finde ich überhaupt nicht teurer als in Österreich, wenn man aber an Dekoartikel geht z.b. oder Geschirr, Kissen, etc. dann haut es mir schon die Augen raus. Am meisten habe ich gestaunt darüber, dass in Schweden ein Männerhaarschnitt 35 – 45 Euro kostet. Uahhhhh …. die Tante meines Freundes hat mir dann erklärt, das ist wegen der Gleichberechtigung. Männer und Frauen müssen in Schweden das gleiche zahlen für reines schneiden undals dieses Gesetz kam, wurden natürlich die Männerpreise gehoben *an die stirn klatsch*

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