Fußball-Schwedisch

Dass die schwedische Sprache mit ihren germanischen Wurzeln dem Deutschen sehr nah ist, na klar – das haben viele schon mal gehört. Das heißt jedoch nicht, dass man – wie einst beim 13. Krieger mit Antonio Banderas – die Sprache nur vom Zuhören lernt. Für mich ist erst jetzt die Zeit gekommen, dass ich gesprochenem Schwedisch richtig folgen kann – etwa dem Nachrichtensprecher im Fernsehen. Eine schöne Belohnung für wochenlanges Durchackern von Vokabular und Grammatik: Endlich macht alles auch im größeren Zusammenhang einen Sinn!

Weil gerade Fußball-WM ist und wir derzeit ziemlich oft vor dem Fernseher sitzen, bekomme ich besonders viel Übung im Hörverstehen – und muss mir zuweilen noch eine Menge Vokabular erschließen. Doch gerade beim Fachsimpeln über Fußball wird die gemeinsame Wurzel der germanischen Sprachen klar. Da fallen kämpferische Wörter aus Wikingerzeiten, die der Althochdeutsche vor 1000 Jahren bestimmt ohne weiteres verstanden hätte. Man fühlt sich geradezu zurück in archaische Zeiten versetzt!

Am liebsten mag ich das schwedische Wort für „Verteidigung“. Defensive Spieler auf dem Fußballfeld sind „försvarare“ – das klingt gesprochen ungefähr wie „Vörschwoarare“ – also die Verschwörer, die sich darauf eingeschworen haben, den heimischen Kasten zu halten. Wenn in den Werbepausen das schwedische Militär Werbung macht für neue Rekruten, kommt das Wort nochmal: Und dabei klingt „försvarsmakten“ viel abschreckender als der derzeitige Zustand der schwedischen Streitkräfte eigentlich erlaubt. Auch wenn „Verschwörung“ heute natürlich nicht die richtige Übersetzung ist, wird der Sinn und der Ursprung klar: ein Heidenspaß für Hobby-Ethymologen!

Zurück auf dem Fußballfeld (nicht so sehr in der Armee) muss es neben den „Verschwörern“ auch die Angreifer geben, die Attackierer, der Sturm nach vorne. Auf schwedisch heißen sie „anfallare“ und ihre Haupttätigkeit ist der „anfall“. Vorbei an den „Verschwörern“ auf das gegnerische Tor. Ich bekam zuerst einen Lach-Anfall als ich das Wort gehört habe, doch schnell wurde klar, dass es genau dasselbe wie „Attacke“ meint. Wenn es beim Lachen synonym verwendet werden kann (Lach-Attacke), warum dann nicht im Fußball?

Und so stelle ich mir bei diesem Fußball-Schwedisch eine mittelalterliche Festung vor, die angefallen und zermürbt wird. Wenn die Moderatoren dann noch ordentlich Nachdruck dahinter legen, ist das richtig spannend.

Im Abschluss, also beim Schuss aufs Tor, wird das Ganze dann ein bisschen feinmotorischer – das geht es um Präzision: Der Schütze – „skytten“ – zielt einen Schuss – „skott“ – aufs Ziel – „mål“. Das hat etwas von elbischen Bogenschützen, denn das „mål“ ist im Schwedischen nicht nur der 7,32m x 2,44 Meter große Fußball-Kasten, sondern auch das kleine Schwarze auf einer Zielscheibe. Und die „målvakt“ ist dabei natürlich die ruhelose Torwache, die zwischen den Pfosten, „stolpe“, hin- und her-stolpert und des Schützen präzisen Schuss abzuwehren versucht.

Am Ende gibt es, wie überall, „vinnare“ und „förlorare“ – doch ich habe neues Vokabular dazugewonnen und mein Liebling wundert sich, warum ich soviel Spaß habe – wo doch nur Algerien gegen Slowenien spielt.

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2 Gedanken zu “Fußball-Schwedisch

  1. Ein toller Artikel, Katja; vielen Dank. Ich hab viel gelacht dabei und würde ihn gern unseren Mitgliedern aus dem „Tippclub Allsvenskan“ (ja, richtig gehört, es gibt einen deutschen Tippclub für die schwedische Liga; siehe auch http://www.allsvenskan.de ) weiterleiten. Die haben bestimmt auch Spaß daran!

    Liebe Grüße, Karsten

  2. Na klar doch ! Wenn es inspiriert? Die Allsvenskan hat es jetzt, zu WM-Zeiten, ohnehin schwer genug. Und erst recht die 2. schwedische Liga… Beim Spiel ÖIS-Trollhättan waren gestern nur 1500 Zuschauer. 😮

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