Jobber händeringend gesucht

Und da ist er schon – der erste Job in Schweden. Hat dann ja doch gar nicht so lange gedauert. Vielmehr ging plötzlich alles viel zu schnell: Die Zeit zwischen Bewerbung und Vorstellungsgespräch betrug nur eine Stunde. Das Unternehmen war sichtlich händeringend und verzweifelt: Wegen Auftragsspitzen, die sie mit Projektarbeitern zu kompensieren suchen, riefen sie mich sofort auf meinem (neuen, schwedischen!) Handy an.

Da musste ich dann also in die Stiefel springen. Am Freitag das Gespräch, am Montag der Vertrag. Und somit heute eine zeitbegrenzte Anstellung als „tysktalande intervjuare“. Dabei führe ich medizinische und Marktforschungsstudien unter der deutschen Ärzteschaft durch. Das Ganze ist nicht viel anders, als in einer Redaktion wichtigen Leuten hinterher zu telefonieren, die nie Zeit haben. Das Dumme ist, dass ich das den ganzen Tag mache und zwischendurch nicht schreiben kann. Aber immerhin fühlte ich mich schon am zweiten Tag sehr komfortabel und sicher in dem, was ich tue.

Die Firma, die international agiert, hat viele verschiedene Sprachetams, die Ärzte im jeweiligen Zielland anrufen. Ein Hafen für einigermaßen qualifizierte Auswanderer, die noch nicht gut genug schwedisch sprechen. Tatsächlich war die Firma und ihre Jobs das Erste (und Einzige), was mein Arbeitsvermittler mir konkret empfohlen hatte. Das war bereits im März. Und nun war tatsächlich in der deutschen Abteilung etwas frei.

Allerdings sehe ich das Ganze mehr als Sommerjob. Es ist ohnehin – voraussichtlich – nur bis August genug zu tun, und es wird überdies ganz lausig bezahlt. Die Tätigkeit nimmt mich geistig nicht besonders in Anspruch, wenn ich sie auch mit deutscher Gründlichkeit und meinem natürlichen Engagement ausführe. Ich gehe dort morgens an meinen Platz ohne viel darüber nachzudenken. Ich brauche mich seelisch nicht vorzubereiten, ich brauche keine Chef-Drachen fürchten, und viel Verantwortung habe ich als Aushilfe auch nicht. So bleibt genug gedanklicher Freiraum für andere Pläne – und für die Beobachtung der schwedischen Firmenkultur. Und die ist ja so interessant – im Vergleich zu dem, was ich aus Deutschland kenne! Ich würde sogar sagen, sie verdient einen eigenen Artikel. Aber der kommt am Wochenende… wenn ich dann mal frei habe.

Das Beste an dem Job ist eigentlich, dass er mitten in Göteborg liegt – und mir das Gefühl gibt, dazuzugehören“. Wenn ich aus dem Büro komme – zu Mittag oder Feierabend, – sehe sofort ich den Hafen vor mir und habe Seeluft in der Nase. Das Gebäude liegt direkt am Wasser – im wohl hässlichsten Haus, mit dem wohl schönsten Ausblick. Und dann genieße ich den Arbeitsweg – auch wenn er nur 10 Minuten lang ist… zu Fuß. Fühle mich ein wenig mehr „integriert“ oder „zu Hause“ – und mag diese Stadt irgendwie immer mehr.

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6 Gedanken zu “Jobber händeringend gesucht

  1. hej hej,

    ich finde dein blog richtig klasse und lese sehr gerne mit. danke, für die vielen infos und einblicke in schwedische lebensart.
    ich wohne ja nun auch schon seit einem jahr hier, aber als rentnerin und bekomme von der arbeitswelt ja nun fast nix mehr mit.
    viele liebe grüße
    karin

  2. OH WOW ein Job – wie geil. Ich beneide dich, natürlich ist lausig bezahlt doof usw. aber es ist ja so eine Art Sprungbrett, ab jetzt kannst du in deinem CV eine schwedische Anstellung nachweisen – JUHU!!!
    Ich hingegen habe heute meinen ersten Termin beim schwedischen Arbeitsamt gehabt. Man waren die doof dort, habe den bitten müssen das er als Skill eventuell englisch und deutschsprechend einträgt. Ich habe ja auch noch ein Vorstellungsgespräch in Aussicht, aber mal sehen – dir drück ich jedenfalls ganz ganz fest die Daumen und freue mich mit dir ganz arg mit. Würde mir im Moment wünschen es gäbe andere Herausforderungen als Wäsche falten für mich.

  3. hallå, ich habe durch zufall dein blog entdeckt und bin gerade bei diesem beitrag angekommen. ich selbst habe ähnliche pläne ab herbst und gestern zufällig eine stellenanzeige gefunden, die ich aus den selben gründen wie du interessant finde. wahrscheinlich handelt es sich auch um den selben arbeitgeber 🙂 wie war es?
    ich bin gespannt, was ich in deinen folgenden beiträgen entdecke. wohnst du immer noch in gbg? vielleicht laufen wir uns demnächst mal über den weg! alles gute!

    • hej kate, der job war zeitbegrenzt („projektanställning“) und konnte von einer auf die andere Woche verlängert, bzw. gekündigt werden. Nix festes… aber eine gute Gelegenheit mal reinzuschnuppern. Wenn die Firma mit I anfängt und mit S aufhört, ist es vielleicht bei dir dieselbe 😉 Allerdings sitzen die *nur* in Göteborg, dort haben sie ihr schwedisches Hauptquartier.
      Und ja, ich wohne natürlich immer noch hier – und fühl mich wohl wie Bolle.

  4. ja genau, mit „i“ am anfang. die suchen angeblich 2 mal jährlich… anhand des fotos auf einer der folgenden blogseiten wurde das „objekt“ bereits identifiziert 🙂 ich werde es versuchen. solange, bis man nen guten, festen job hat…
    werde dein blog weiterhin verfolgen und vielleicht auch mal einen starten…
    beste grüße –

  5. Pingback: Runter von der Fähre, rein ins Büro « Nach Schweden

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