„Der Frühling meines Lebens“

Frohe Ostern!

In Schweden zieht nun auch endlich der Frühling ein. „The druids have mating-season“. Und alle wollen raus ins Licht. Doch gerade in dieser hellen fröhliche Zeit denke ich kaum an Freizeit, sondern an den Ernst des Lebens. „Dass ich was tun muss!“ Dass ich arbeiten will…

Ach, wie tief ist die protestantische Arbeitsethik doch in mir verwurzelt. Geradezu genussfeindliche sieht sie alles Nichtstun mit Argwohn, oder Neid.

Die Leute hier freuen sich ein Loch in den Bauch, dass sie vier Tage am Stück frei haben. In der folkuniversitet geben sie uns sogar eine ganze Woche! Ostern, das ist wie kleine Ferien: man tut nichts und streckt alle Viere von sich, sammelt Kraft für den quirligen Frühling, der da kommt. Aber nicht ich. Strotze auch so schon vor Kraft, platze vor Ideen und Tatendrang. Und kann freie Tage eben nicht so genießen, wie jemand, der lange dunkle Wochen voller Plackerei hinter sich hat.

Meine Freunde und vor allem mein Liebling sagen, ich wäre zu streng zu mir selbst. Hätte ich doch die letzten zwei Monate so gut schwedisch gelernt, dass jeder es merkt. Und von nichts kommt nichts, natürlich musste ich dafür „was tun“.

Dennoch denke ich – für mich: „wenn nichts reinkommt, hast du auch nichts verdient“. Im wahrsten Sinne. Freizeit, Konsum – sehe ich heute mit ganz anderen Augen. Schade, ich wäre gern ein bohemischer Geist, aber benehme mich stattdessen manchmal wie ein Spießer.

Oh Ungeduld, halt‘ dich im Zaum. Du verdirbst mir die vielleicht schönste Zeit meines Lebens. Wann hatte ich schon mal Zeit, und vor allem Muse, das zu tun, was ich heute tue? Wenn ich nächstes Jahr wieder irgendwo im Büro sitze, weine ich diesem Frühling 2010 nach. Denn da war ich beschäftigt – außerhalb der Arbeitsmühle: Konnte über alte Schiffswracks und die Heringsschwärme in der Ostsee recherchieren, konnte Reportagen und Kurztexte schreiben mit der Hoffnung auf Veröffentlichung. Meldete mich bei einer Renaissance-Tanzgruppe an. Und freute mich, dass meine Eltern und Freunde mich zum ersten Mal in Göteborg besuchen. Ich hatte in diesem Frühling sogar Lust, köttbullar zu braten – für einen påsk-kalas: ein Osterfest, mit neuen Freunden.

Wäre doch gut gewesen, das richtig auszukosten, oder?

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