Spezialist sucht Biotop

Vielleicht sollte ich mal ein paar Worte über das Arbeitsamt verlieren. Ich war einmal da – und bin nicht gerade erleuchtet wieder hinausgegangen. Aber nach Ostern werde ich hundertprozentig eine Mail von dem netten Patrick, meinem Sachbearbeiter, bekommen, damit wir uns mal wieder sehen. Die Leute von der „arbetsförmedling“ sind halt fürsorglich.

Schließlich bin ich in der Statistik. Da komme ich dann alle vier Wochen automatisch auf Wiedervorlage. Und das Procedere in der arbetsförmedling sieht vor, dass man gemeinsam mit der Behörde einen „Aktionsplan“ erarbeitet, der einen zurück in den Job bringt. Nur was für einen Job, das ist hier noch die Frage.

Ich erhalte ja keine Leistungen von der A-Kassa oder sonstiger staatlicher Fürsorge, weil ich frisch reingekommen bin. Vielleicht konnte ich bei Patrick auch den Eindruck erwecken, dass ich in der Anfangsphase nicht völlig planlos bin. Somit war von irgendeinem Druck bislang nichts zu spüren. Aber ich hatte auch nicht den Eindruck, dass mir das Amt überhaupt behilflich sein kann. Man wird betreut oder verwaltet, aber kümmern muss man sich immer noch selbst – und das ist auch gut so.

Zuallererst schreibt man sich ein in die „platsbanken“ – das ist die wichtigste Stellenbörse in Schweden – und hinterlegt Lebenslauf und Anschreiben. Ich habe das schon ganz gut auf schwedisch hingekriegt und in meinem Profil beschrieben, wofür ich als Einwanderer hier denn gut sein könnte. Das haben sich bisher erst 15 Arbeitgeber durchgelesen, aber eine Anfrage folgte nicht daraus.

Sobald ich besser schwedisch spreche, so der Vorschlag von Patrick, könnte ich einen Jobcoach bekommen. Das muss zur Zeit DER Beruf sein in Schweden – wenn schon auf dem Arbeitsmarkt nichts geht, sprießen die Hilfs- und Weiterbildungsangebote eben wie Pilze aus dem Boden. Nun hörte ich von anderen Leuten, der Jobcoach wäre wunderbar! Er könnte  helfen, bessere CV und Bewerbungen zu schreiben und mir zugleich Nachhilfe in schwedischer Unternehmenskultur geben. Nun, das nehme ich gerne an. Ist schließlich politisch gewollt – wenn auch irrsinnig teuer für den schwedischen Staat.

Da ich als Redakteurin gearbeitet habe, bin ich bei der „arbetsförmeling kultur väst“ registriert. Und in meiner naiven Vorstellung sah ich dorthin reihenweise Arbeitgeber kommen, die spezielles Personal aus dem Kultur- und Medienbereich brauchen. Auch Freelancer, Projektarbeiter usw. Aber nein… der nette Patrick sagte, das komme höchst selten vor. Alle bedienen sich aus der „platsbanken“ – und wir „Kultur“-Arbeitssuchenden seien eben eher Problemfälle als Spezialisten. Klar: Der Arbeitsmarkt für Redakteure ist auch in Schweden schlecht. Wenn man nicht gerade eine Nische findet. Genau! sagte ich zu Patrick und strahlte: Als Redakteur in Schweden, der deutsch spricht und schreibt, komme ich doch regelrecht aus einem Kleinstbiotop – solche Wesen muss man erstmal finden!

Noch immer gehe ich davon aus, dass mir die Dinge eher zufliegen – und dass ich im Sommer eine Arbeit habe. Da ich vor allem weiter die Sprache lernen will, ist mir ein Saisonjob in Kontor, Garten oder Museum genauso lieb wie eine Festanstellung in der Presseabteilung von Göteborg & Co. Was mir noch schwerfällt, ist das viel gelobte „Netzwerken“ für meine freie Arbeit – meine Schreiberei, die nunmal meine Sache ist. Irgendjemand da draußen, der mehr von mir lesen will???

Arbetsförmedlingen

Platsbanken

Manpower

Blatteförmedlingspeziell für Ausländer in Schweden, und die einzigen, von denen ich wenigstens von Zeit zu Zeit ein Stellenangebot bekomme.

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