Fenster zum Alltag

Ein paar Rückmeldungen zu diesem Blog habe ich mittlerweile bekommen – und freue mich, dass es den Leuten so gut gefällt. Vielen Dank, bei dieser Gelegenheit, für die Anregungen das Blog zu bebildern. Ein mir gut bekannter Fotograf hat für solche Zwecke die Handykamera propagiert – ehrlich gesagt, hätte ich das von einem Profi am wenigsten erwartet. Aber derjenige ist halt nicht von gestern und hat eigentlich vollkommen recht. Wo sind Handybilder schon zu gebrauchen, wenn nicht im Netz..?

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Aber die Kunst muss gerade mal ein wenig zurückstehen. Statt regelmässig Blog  zu schreiben, mache ich jetzt Hausaufgaben oder feile an Bewerbungen. Der Urlaub ist endgültig vorbei, ich komme langsam im Alltag an – ob’s mir nun gefällt oder nicht. Seit zwei Tagen besuche ich meinen Sprachkurs und finde es prima – man glaubt es kaum – wieder ‚was um die Ohren zu haben. Ich bin jetzt nicht mehr der neugierige Besucher, der müssige Aussteiger, sondern „the new kid on the block“. Gehe jeden Morgen um 8:45 aus dem Haus geht, stapfe am Haga-Bad vorbei und kann auf dem kurzen Weg zur folkuniversitetet gerade noch eine rauchen. Bevor es schliesslich in die Klasse geht, wo Kursleiter und Teilnehmer sich genauso benehmen wie in jeder anderen Volkshochschule auch.

Die Frage des Kursniveaus hat sich bereits vor der ersten „Schulstunde“ in Wohlgefallen aufgelöst. Weil ich es als Deutsche anscheinend (und tatsächlich) leichter habe, schwedisch zu lernen, konnte ich sofort in Stufe B1 + bleiben. Die anderen sechs Teilnehmer haben zwar einen zeitlichen Vorsprung, aber auch einen anderen Sprachhintergrund. So kommen drei aus Saudi-Arabien, drei aus Osteuropa – Rumänien, Lettland, Polen. Alles übigens Mediziner, die sich in Schweden weiterbilden. Und es stellte sich heraus, dass wir in B1+ jetzt alle die gleichen Probleme haben: Partizipien, Präpositionen und unregelmässigen Verben… Der Lehrer kennt das natürlich.

Aber das Schwedische erlernt sich auch bestens… im Alltag. So war ich bereits auf zwei (!) Arbeitsämtern, in denen ich mich auf schwedisch vorstellen und registrieren musste. Das fordert alles aus Lang- und Kurzzeitgedächtnis und funktioniert auch nur weil man „muss!“. Denn obwohl ich den Mitarbeitern meine spezielle Lage kurz erklärte, machten sie kaum Anstalten, das Gespräch ins Englische überzuleiten. Nach dem Motto: „das geht doch schon ganz gut mit uns beiden“. Man fragt sich nur, was sie zu den vielen anderen Immigranten sagen, die im neuen Land völlig sprachlos sind. Aber dafür gibt es im sozialen Schweden bestimmt wieder spezielle An-„sprech“partner…

Zwei Arbeitsämter waren es deshalb, weil hier noch ein bisschen nach Berufen sortiert wird: So gibt es in Göteborg das „Normale“ und das „Kultur och Media“-Arbeitsamt. Und das erste wusste nicht genau, ob nicht doch das zweite für mich zuständig ist. Klar war eigentlich nur, dass es nicht das Seefahrts- und Schiffswesen-Arbeitsamt sein würde. Naja, Behörden halt..

Wieder „Zuhause“ bin ich dann fleissig am Profile und Präsentationen schreiben, unter anderem für die Arbeitsamt-Datenbank, aber auch für andere Job-Seiten. Und weil mich alle schon so selbstverständlich auf schwedisch ansprechen, fordert mich das auch im Schriftverkehr immer weiter heraus. Schön formulierte Sätze zu Papier zu bringen, ist schon im Deutschen elendig zäh – auf schwedisch braucht es mehrere  Korrekturdurchgänge mit meinem Schatz, … aber anders würde ich es jetzt auch nicht mehr wollen.

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Und dann zeigt sich der neue Alltag auch beispielhaft im Fernsehprogramm, wo derzeit die olympischen Spiele laufen. Klar, dass ich jetzt auch „unsere“, also die schwedischen, Goldmedaillen feiere. Weil das Edelmetall im Allgemeinen nicht so reichlich kommt, füllt das schwedische TV ganze Sendungen mit seinen Goldjungs und -mädels, interviewt Eislaufmütter und Grossväter, Schulkameraden und haste nicht gesehen. Alle sind völlig aus dem Häuschen, und an meinem ehemals wettkämpfenden Freund geht das natürlich auch nicht spurlos vorbei.

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