Sprach-Café

Das „Språkcaféet Göteborg“ verdient ein Kapitel für sich, viel Lob und ein paar Anmerkungen. Bezeichnenderweise liegt es am „Esperantoplatz“ in Göteborg – das passt ausgezeichnet zum Zweck dieser Einrichtung, obwohl: „Turm zu Babel“ wäre auch gegangen. Denn hier treffen sich die Sprachen der Welt – und deren Sprecher sind alle herzlichst willkommen.

Zunächst betrittst du ein ganz normales Café, Kanal und Hafen schön in Sichtweite. Hier geht es ganz locker und studentisch zu – und viele kommen sicher allein wegen dieser Atmosphäre. Du schaust einfach den Flaneuren nach oder schnappst dir Lektüre aus der großen Bücherwand. Mit der „Kurzen (!) deutschen Grammatik für Ausländer“ vergehen ganze Nachmittage garantiert wie im Flug. Zwanglos holst du dir Kaffee, Suppe oder Brötchen am Tresen. Dabei radebrichst du mit dem Personal, das kleine Schilder mit Nationalflaggen an der Brust trägt: um zu zeigen, mit welchen Sprachen du sie ansprechen kannst.

Doch es gibt auch die abendlichen Konversations-Runden, offene Stammtische, zu denen sich jeder ohne Voranmeldung gesellen kann. Einzige Bedingung: es wird gesprochen, was auf dem Tisch steht. Ein Wimpel zeigt deutlich die schwedischen, deutschen oder spanischen Farben. Und nur, wer so spezielle Vorlieben hat wie Armenisch oder Thai, wird enttäuscht.

Am Donnerstag war schwedisch dran – unter anderem – und ich traute mich hin. Mit einem Brownie, der für die ganze Woche gereicht hätte, setzte ich mich dazu und kam sofort in so ein holperiges, leicht peinliches Gespräch mit einer Vietnamesin, in dem es nur darum ging, das Erlernte praktisch anzuwenden. Schon heute hat sie vermutlich vergessen, wie ich heiße und was ich tue – aber sie hat in ihren Block die Redewendungen stehen, die ich benutzte und die ihr neu waren. Ein herrlich unverbindliches Sprachtraining.

Wo die Absichten der ausländischen Stammtisch-Besucher klar sind, kann man über den Antrieb der Muttersprachler nur spekulieren. Denn auch die gibt es an jedem Stammtisch. Sie werden „Koordinatoren“ genannt, um die Gespräche in Gang zu bringen und auch schüchterne Teilnehmer einzubeziehen. Die Schweden, die an jenem Abend am schwedischen Tisch saßen, wurden der hochtrabende Bezeichnung „Koordinator“ jedoch nicht ganz gerecht. Zumindest lief das Gespräch auch sehr gut ohne sie – und es ist im Café zu dieser Stunde so laut, dass man eh nur seine direkten Nachbarn versteht. Weil die „Koordinatoren“ meist Herren mittleren Alters sind, denke ich, sie wollen bloß die Gesellschaft der vielen jungen Studentinnen genießen – oder nach Feierabend einfach noch nicht nach Hause.

Tatsächlich sind es immer noch die Frauen, die aktiv Sprachen lernen wollen – und lustigerweise üben sich die Männer hier vor allem im Zuhören. Eine wunderbare Einrichtung, dieses Språkcaféet!

Homepage des „Språkcaféet“

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Ein Gedanke zu “Sprach-Café

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